Die ÖTZ Chili im Test: Was die ÖTZ Chili in der Praxis wirklich leistet

04 April 2026
Zweinutzungshuhn
Chili Hühner

Eine neue Legehennenlinie aus ökologischer Zucht sorgt für Aufmerksamkeit: Die ÖTZ Chili soll Leistung und Tierwohl verbinden. Erste Praxiserfahrungen zeigen, ob das gelingt.

Neue Linie für die ökologische Geflügelhaltung

Beim fünften ÖTZ-Fachforum für Tiere aus ökologischer Züchtung im März 2026 drehte sich ein Programmpunkt um eine vergleichsweise junge Legehennenlinie: Die ÖTZ Chili. Zum Auftakt wurde das Geflügelnews-Video „Nachhaltig und leistungsstark: Das macht die ÖTZ Chili so besonders” gezeigt, indem die ersten Betriebe vorgestellt wurden, die mit der neuen Henne arbeiten.

Die ÖTZ Chili ergänzt das bestehende Angebot an Zweinutzungshühnern aus ökologischer Zucht: Während die ÖTZ Bresse Gauloise als fleischbetontes Zweinutzungshuhn vor allem in der Gastronomie gefragt ist, richtet sich die Chili stärker an Betriebe mit Fokus auf Eierproduktion – bei gleichzeitig ruhigem Verhalten und guter Eignung für ökologische Haltungssysteme.

„Damit sich mehr Landwirte an Tiere aus ökologischer Züchtung herantrauen, wollten wir das Sortiment erweitern.“

Warum Simone Schmitz vom Biohof Büsch am Niederrhein die Chili testet

Für Simone Schmitz ist die Chili-Henne vor allem eine Chance, wieder stärker auf Tiere aus ökologischer Züchtung zu setzen. Nach der Hofübernahme hatte sie zunächst vollständig auf solche Linien umgestellt – musste jedoch feststellen, dass das betriebliche System mit den bisherigen Tieren nicht optimal funktionierte.

„Ich hatte ja ganz euphorisch nach der Hofnachfolge auf die Cream umgestellt, weil ich einfach Tiere aus ökologischer Zucht richtiger finde als Hybridtiere“, berichtet sie. Doch die Praxis brachte Probleme: „Wir hatten viele Hühner, die viel fraßen und trotzdem wenig legten.“

Besonders im Hühnermobil mit ad-libitum-Fütterung erwies sich das als Herausforderung. Deshalb entschied sich Schmitz, die neu entwickelte Chili-Linie auszuprobieren – in der Hoffnung auf eine bessere Balance zwischen Futteraufnahme und Eierproduktion.

Stabile Leistung auch im Winter: Gute Legeleistung im Mobilstall

Die ersten Tiere wurden im August 2025 eingestallt. Rund vier Monate später zeigt sich ein positives Bild. Nach etwa einem Monat Eingewöhnung begann die Herde zu legen – und hielt das Niveau auch im Winter. Selbst dunkle Wintermonate oder vorübergehende Probleme mit der Stallbeleuchtung führten nur zu kurzen Einbrüchen.

Zwei Mobilställe mit unterschiedlicher Ausstattung zeigten dabei leicht unterschiedliche Leistungen – vermutlich aufgrund der Lichtverhältnisse. Doch insgesamt näherten sich die Herden im Verlauf immer stärker an. Auch die Eigrößenverteilung erwies sich als ausgewogen: Die meisten Eier lagen im mittleren bis großen Bereich, während sehr große XL-Eier nur selten vorkamen.

Ruhiges Verhalten als klarer Vorteil

Neben der Legeleistung hebt Schmitz vor allem das Verhalten der Tiere hervor. Die Chili-Hennen wirken im Vergleich zu vielen Hybriden deutlich gelassener. Anfangs gab es noch etwas Unruhe beim Aufbaumen am Abend, doch nach einigen Wochen fanden sich die Tiere im Stall gut zurecht und nutzen inzwischen alle Einrichtungen.

Ihr Fazit nach den ersten Monaten fällt eindeutig aus: „Ich finde, dass diese fünf Monate für uns eine gute Legeleistung zeigen – und ja, wir werden wieder aufstallen.“

Pionierbetrieb in Baden-Württemberg: Helmut Voltz

Noch länger arbeitet Helmut Voltz vom Biolandhof der Familie Voltz in Baden-Württemberg mit der Chili-Linie. Sein Betrieb nördlich von Stuttgart ist ein vielfältiger Gemischtbetrieb mit Gemüsebau, Mutterkühen, Schweinen und Direktvermarktung. Legehennen spielen dabei eine wichtige Rolle, doch sie sind nur ein Baustein im Betriebssystem.

Mit Zweinutzungshühnern beschäftigt sich Voltz bereits seit mehr als zehn Jahren. 

„Wir hatten insgesamt acht Durchgänge Bruderhähne gemacht und es wurde im Lauf der Zeit immer schwieriger, die direkt zu vermarkten“, erzählt er.

Hohe Leistung bei einfacher Fütterung

Voltz hält rund 280 Chili-Hennen in einem Kotfugenstall mit großzügigem Sandbad. Gefüttert wird vergleichsweise einfach über Vorratsautomaten mit ad-libitum-Zugang – ein System, das bei anderen Linien teilweise zu Problemen führte. Bei der Chili funktioniert es deutlich besser. Der Grund: Die Tiere setzen das Futter offenbar effizienter in Eier um.

„Wir haben eher den Eindruck, die fressen genau das, was sie brauchen“, sagt Voltz.

Der Futterverbrauch lag bei etwa 120 bis 134 Gramm pro Tier und Tag plus Körnerbeigabe – ein Wert, der im erwarteten Bereich liegt. Besonders beeindruckend ist die Jahresleistung: Im ersten Jahr legten die Hennen durchschnittlich 272 Eier pro Tier. Auch das Verhalten der Tiere bewertet der Landwirt sehr positiv.

„Die tun ihrem Namen alle Ehre – die sind echt chillig“, sagt Voltz. „Ganz ruhige Hühner, nicht aufgeregt.“

Aufzucht: Gute Schlupfraten und robuste Küken

Jonas Dorn von der Dorn & Schmidt GbR wirft einen Blick in die Aufzucht der Chili-Küken. In seinem Betrieb wurden kürzlich größere Chargen ausgebrütet. Der Schlupf verlief nach seinen Angaben problemlos: gute Befruchtung, ein enger Schlupfzeitraum und nur wenige schwache Küken.

„Der Schlupf war super. Die Befruchtung war toll, der Schlupf war zackig“, berichtet Dorn.

In der Aufzucht setzt der Betrieb zunächst auf Bio-Starterfutter und bietet den Küken unterschiedliche Tränkesysteme an, damit sie beide Varianten kennenlernen. Mit zunehmendem Alter werden sie schrittweise an betriebseigene Futtermischungen gewöhnt.

Auch Dorn ist mit der Entwicklung der Tiere zufrieden. Besonders auffällig sei der frühe Unterschied zwischen Hähnen und Hennen im Gefieder.

Sein Eindruck: „Im Ganzen einfach ein tolles Huhn, was Spaß macht.“

Perspektive für die ökologische Geflügelzucht

Die Erfahrungsberichte aus drei sehr unterschiedlichen Betrieben zeigen ein ähnliches Bild: Die Chili-Henne kombiniert ruhiges Verhalten mit vergleichsweise hoher Legeleistung und kommt auch mit einfachen Fütterungssystemen gut zurecht.

Magdalena Esterer
Bild: Dieter Theyssen

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