Bio bedeutet nicht automatisch mehr Tierwohl – Forscher fordern neue Kontrollen

14 September 2026
Stallmanagement
Legehennen öko

Mehr Auslauf, Einstreu und strengere Vorgaben: Öko-Haltung soll Tieren bessere Bedingungen bieten. Doch eine große Studienauswertung findet keinen eindeutigen Tierwohlvorteil gegenüber konventionellen Betrieben. Forscher sehen vor allem einen Faktor als entscheidend.

Ökologisch gehaltene Nutztiere haben nicht automatisch ein höheres Tierwohlniveau als Tiere auf konventionell wirtschaftenden Betrieben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau nach der Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Die Wissenschaftler fanden keine signifikanten Unterschiede beim Tierwohl zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben. Entscheidend sei vielmehr, wie gut ein Landwirt seinen Betrieb und seine Tiere managt.

Dabei bietet die ökologische Tierhaltung nach Einschätzung der Forscher durchaus gute Voraussetzungen für ein hohes Tierwohlniveau. Um dieses Potenzial tatsächlich auszuschöpfen, schlagen sie ein eigenes Tierwohl-Audit für ökozertifizierte Betriebe vor.

Forscher vergleichen 86 Studien zu Öko und konventioneller Haltung

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler 86 Studien aus den Jahren 1990 bis 2023 aus. Diese hatten ökologische und konventionelle Tierhaltungsbetriebe in Europa und Nordamerika miteinander verglichen.

Die Auswertung umfasste die gängigen Nutztierarten und unterschiedliche Produktionsformen. Über alle untersuchten Bereiche hinweg fanden die Forscher keinen eindeutigen Beleg dafür, dass ökologische Tierhaltung grundsätzlich zu mehr Tierwohl führt.

Damit widersprechen die Ergebnisse der pauschalen Annahme, dass eine Öko-Zertifizierung automatisch ein höheres Tierwohlniveau bedeutet.

Öko-Haltung bietet gute Voraussetzungen für mehr Tierwohl

Gleichzeitig sehen die Wissenschaftler deutliche Vorteile in verschiedenen Vorgaben des Ökolandbaus. Eine parallel durchgeführte Literaturauswertung zeigt, dass die ökologische Haltung grundsätzlich großes Potenzial für ein hohes Tierwohlniveau bietet.

Dazu tragen beispielsweise Vorgaben zu Einstreu, Auslauf und Weidegang bei. Nach Angaben der Forscher können solche Bedingungen die Gesundheit von Klauen und Gliedmaßen fördern. Zudem können sie sich positiv auf den emotionalen Zustand der Tiere auswirken.

Doch gute Haltungsbedingungen allein reichen nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht aus.

Das Management des Landwirts entscheidet über das Tierwohl

Wie es den Tieren tatsächlich geht, hängt wesentlich davon ab, wie der einzelne Betrieb die Vorgaben umsetzt. Die europäischen Vorschriften für den Ökolandbau schreiben vor allem bestimmte Haltungsbedingungen und Maßnahmen vor. Ein bestimmtes Tierwohlniveau garantieren sie damit nach Ansicht der Forscher nicht.

Probleme können beispielsweise entstehen, wenn das Management nicht optimal funktioniert. Als Beispiel nennen die Wissenschaftler den Umgang mit Weideparasiten. Auch gute strukturelle Voraussetzungen führen demnach nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen für die Tiere.

Damit rückt neben der Haltungsform stärker die Arbeit auf dem einzelnen Betrieb in den Mittelpunkt.

Forscher wollen Tierwohl direkt am Tier kontrollieren

Die Wissenschaftler schlagen deshalb vor, das Tierwohl stärker in die Öko-Zertifizierung einzubeziehen. Dafür empfehlen sie ein transparentes, standardisiertes und praxistaugliches Audit.

Dieses soll sich an tierbezogenen Indikatoren orientieren. Statt allein zu prüfen, ob ein Betrieb bestimmte Haltungsanforderungen erfüllt, soll damit stärker erfasst werden, wie es den Tieren tatsächlich geht.

Nach Ansicht der Forscher könnte ein solches Audit dazu beitragen, das vorhandene Tierwohlpotenzial der ökologischen Haltung verlässlicher auszuschöpfen.

Die Untersuchung wurde im Fachjournal „Organic Agriculture“ veröffentlicht.

Geflügelnews
Bild: Cordula Möbius
Quelle: AgE

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