Bundestag verabschiedet Agrarhaushalt 2026: Mehr Geld für Wald, Öko, Unfallversicherung – Streit um Tierwohl-Förderung

29 November 2025
Politik
masthähnchen

Der Bundestag hat den Agrarhaushalt 2026 beschlossen – mit leichten Korrekturen am Regierungsentwurf. Während Union und SPD das Paket als Signal der Verlässlichkeit feiern, hält die Kritik am Ende des Bundesprogramms Umbau Tierhaltung an. Bauernverband, Opposition und Teile der Koalition warnen vor Investitionslücken und ungleichen Wettbewerbsbedingungen.

Bundestag bringt Agrarhaushalt 2026 auf den Weg

Der Bundestag hat den Einzelplan 10 für das Jahr 2026 verabschiedet. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD stimmten am Donnerstagabend dafür. Nach der verspäteten Verabschiedung des Haushalts 2025 zieht das Parlament damit den Zeitplan wieder gerade.

Im parlamentarischen Verfahren gab es mehrere Änderungen. Der Bund erhöht seinen Zuschuss zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung (LUV) um 20 Millionen Euro. Damit soll die Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit finanziell abgefedert werden. Auch die Programme Ackerbaustrategie, Ökolandbau und Chancenprogramm Höfe erhalten zusammen wieder rund 67 Millionen Euro – so viel wie bisher in Summe. Für klimaangepasstes Waldmanagement kommen weitere fünf Millionen Euro hinzu.

6,99 Milliarden Euro für die Agrarpolitik

Der Agrarhaushalt umfasst 6,99 Milliarden Euro und liegt damit rund 100 Millionen Euro über dem Vorjahr. 60 Prozent des Budgets entfallen mit 4,2 Milliarden Euro auf die landwirtschaftliche Sozialpolitik. Die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) bleibt mit 907 Millionen Euro unverändert. Zusätzlich sollen 110 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in die Waldförderung fließen.

Bauernverband warnt vor Investitionsstopp im Stall

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßt, dass Ackerbaustrategie und LUV-Zuschuss stabil bleiben. Doch Generalsekretärin Stefanie Sabet sieht erhebliche Lücken bei der Tierwohl-Finanzierung. Ab Sommer 2026 fehle ein verlässliches Förderprogramm – besonders für Schweinehalter.

Sabet fordert ein bundesweit einheitliches Modell, verlässliche Finanzierungszusagen und ein Gesamtpaket aus Genehmigungserleichterungen, praxistauglichen Vorgaben, EU-Abstimmung und einer besseren Tierhaltungskennzeichnung. „Unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit“, betont sie.

Union und SPD bewerten Haushalt positiv

Im Bundestag zeigten sich die Haushaltsberichterstatter der Koalition zufrieden. Oliver Vogt (CDU) sieht im Etat ein „klares Signal“ an die Landwirtschaft. Erste Schritte gegen Bürokratie und die strengere Orientierung an EU-Vorgaben deuteten für ihn auf eine neue Linie in der Agrarpolitik.

SPD-Haushaltspolitikerin Esther Dilcher lobt das Bekenntnis der Koalition zum Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT). Sie kritisiert, dass das Landwirtschaftsministerium das Programm trotz breiter Unterstützung auslaufen lassen will. Wer den Stallbau in die GAK verschieben wolle, müsse erklären, woher das Geld kommen solle.

Minister Rainer setzt auf Wettbewerbsfähigkeit

Alois Rainer (CSU) betont die wirtschaftliche Rolle der Landwirtschaft. Ihre Stärke liege im Zusammenspiel von vor- und nachgelagerten Branchen. Die neue Agrarexportstrategie, die noch in diesem Jahr vorgestellt werden soll, soll die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Der Minister widerspricht Vorwürfen, er vernachlässige ländliche Regionen. Die GAK sei seit Jahrzehnten ein zentraler Hebel der Heimatpolitik, den er nun weiter schärfen wolle. Seine Botschaft an die Kritiker: „Unsere Betriebe können Weltmarkt und Wochenmarkt.“

Stegemann sieht Agrarpolitik der Koalition auf Kurs

CDU/CSU-Fraktionsvize Albert Stegemann zieht eine positive Zwischenbilanz. Er verweist auf die Rückkehr der Agrardieselvergünstigung, den Abbau der Stoffstrombilanz, längere versicherungsfreie Beschäftigungszeiten, sinkende Stromkosten und neue Regeln für den Wolf. Zudem sieht er im Ende des Zukunftsprogramms Pflanzenschutz ein Signal für praxisnähere Politik.

SPD drängt auf mehr Fairness im Lebensmittelhandel

SPD-Agrarsprecherin Franziska Kersten sieht große Wettbewerbsverzerrungen in der Lebensmittelkette. Das Sondergutachten der Monopolkommission bestätige Handlungsbedarf. Mit der geplanten Ombudsstelle bei der BLE wolle die Koalition unfaire Preispolitik angehen. Kersten kündigt aber weiteren Reformbedarf an.

Grüne und Linke kritisieren Kurs bei Pflanzenschutz und Parkinson-Regelung

Grünen-Politiker Karl Bär wirft der Regierung vor, sie nehme Umweltprobleme durch chemische Pflanzenschutzmittel in Kauf. Die Abschaffung des Zukunftsprogramms Pflanzenschutz sei ein „falsches Signal“.

Bär und Marcel Bauer (Linke) bemängeln außerdem, dass der Staat die Mehrkosten für Parkinson-Fälle in der LUV trägt – und nicht die Hersteller der betroffenen Mittel.

AfD spricht von „Schaufensterpolitik“

AfD-Agrarsprecher Stephan Protschka wirft der Regierung vor, sie rede über Entlastung, liefere aber keine. Er sieht weder Fortschritte beim Bürokratieabbau noch Maßnahmen gegen steigende Produktionskosten. Stattdessen beobachte er „endlosen Koalitionsstreit“.

Geflügelnews
Bild: Cordula Möbius
Quelle: AgE

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