Hähnchenmast: Warum sich früheres Vorfangen rechnen kann

29 August 2026
Markt Geflügelfleisch
Wissenspartner Masthähnchen

Der Hähnchenfleischmarkt verlangt immer genauere Abstimmungen zwischen den Produktionsstufen. Für Mäster ist deshalb nicht nur das Ausstallen, sondern auch das Vorfangen eine wichtige Stellschraube. Der richtige Zeitpunkt für den Vorfang kann die Wirtschaftlichkeit des gesamten Durchgangs optimieren.

In der Produktionskette Hähnchenfleisch baut jedes Glied auf der Arbeit des vorherigen auf - von der Brüterei und dem Mäster über den Schlachthof bis hin zum Verbraucher. Dies erfordert eine gute Abstimmung entlang der gesamten Kette. Ziel im Stall ist, dass die Tiere zum richtigen Zeitpunkt das richtige Gewicht und die gewünschte Qualität haben. Wie Ad Rombouts (Leiter Broilerplanung) und Henk Manting (Verkaufsleiter Broiler in Deutschland) vom Futtermittelhersteller DeHeus betonen, muss man dabei die individuelle Entwicklung der Herde immer im Blick haben.

Effizienteres Wachstum - präzisere Abstimmung

Die Anforderungen des Hähnchenfleischmarktes werden immer spezifischer. Je nach Endprodukt gelten klare Vorgaben für das gewünschte Gewicht. So liegt das angestrebte Lebendgewicht bei der Teilausstallung zwischen 1,8 und 2,0 kg, während es bei der Endausstallung in der Regel zwischen 2,7 und 2,9 kg liegt. Da Broiler immer effizienter wachsen, erreichen sie ihr Endgewicht schneller. Das bietet Chancen, erfordert aber auch eine noch präzisere Abstimmung von Planung und Management. Für den Mäster besteht die Herausforderung darin, das Wachstum optimal zu nutzen und gleichzeitig die Vereinbarungen mit dem Schlachthof zu erfüllen.

Gezielte Steuerung über Zeitpunkt des Vorfangs

Dabei spielt die Wahl des richtigen Zeitpunkts für die Vorausstallung eine zentrale Rolle. Eine frühere Vorausstallung stößt bei vielen Geflügelhaltern noch auf Vorbehalte. Das ist nachvollziehbar, denn der erste Gedanke ist häufig: Weniger Gewicht bedeutet weniger Erlös. Es kommt jedoch auf das Gesamtergebnis des Durchgangs an. Und das kann positiv beeinflusst werden durch ein früheres Vorfangen.

Wird ein Teil des Bestandes einige Tage früher ausgestallt, ist mehr Platz im Stall. Die verbleibenden Tiere haben so die Möglichkeit, sich in der letzten Phase besser zu entwickeln und ihr Wachstumspotenzial optimal auszuschöpfen. „In der Praxis sehen wir, dass es nicht auf die paar Gramm weniger bei der Vorausstallung ankommt, sondern darauf, welche zusätzliche Leistung der verbleibende Bestand anschließend noch erbringt“, so Henk Manting. Gerade dieses zusätzliche Wachstum und die höhere Effizienz der verbleibenden Tiere machen den Unterschied. Was auf den ersten Blick wie ein Verlust erscheint, erweist sich in der Praxis häufig als Gewinn.

Ausstallen nach Gewichten im Stall

Viele Betriebe stallen seit Jahren an festen Tagen aus, weil dies so in ihrer Planung vorgesehen ist. Bei den heutigen Wachstumsraten der Broiler passt dieser Zeitpunkt jedoch nicht immer zum gewünschten Gewicht. Broiler, die zu Beginn der Woche eingestallt werden, werden häufig ebenfalls zu Beginn der Woche vor- bzw. endausgestallt. Idealerweise wird der Zeitpunkt der Ausstallung um einige Tage vorgezogen, um die Anforderungen des Schlachthofs besser zu erfüllen.

Mehr Platz im Stall bietet für die Masthähnchen mehrere Vorteile. Sie haben leichteren Zugang zu Futter und Wasser, bewegen sich aktiver und können ihr Wachstumspotenzial besser ausschöpfen. Gleichzeitig trägt eine geringere Besatzdichte zu einem stabilen Stallklima bei. Das ist Grundlage für eine gleichbleibende Produktionsqualität.

Optimierte Stallparameter sorgen für Qualität

Neben dem richtigen Gewicht ist die Qualität der am Schlachthof angelieferten Tiere ein entscheidender Faktor. Sie bestimmt in hohem Maße, wie die nächste Stufe der Kette mit den Tieren weiterarbeiten kann.

Für die Qualität der am Schlachthof angelieferten Tiere entscheidet maßgeblich der Mäster

Faktoren wie Lüftung, Einstreuqualität sowie Wasser- und Fütterungsmanagement spielen dabei eine wichtige Rolle. Eine optimal eingestellte Lüftung sorgt dafür, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gleichgewicht bleiben und trägt damit zu einem optimalen Stallklima für die Tiere bei. In Kombination mit einer trockenen und lockeren Einstreu hilft dies, Tiere mit hoher Qualität abzuliefern.

Auch das Tränkesystem erfordert Aufmerksamkeit: Korrekt eingestellte Tränkelinien ohne Leckagen helfen, die Einstreu trocken zu halten, und unterstützen eine gleichmäßige Wasser- und Futteraufnahme.

Darüber hinaus spielt die Fütterung eine wichtige Rolle. Der gezielte Einsatz des Futtersortiments und sorgfältig gestaltete Futterübergänge tragen zu einem stabilen Wachstum und einer guten Qualität bei der Ausstallung bei.

Sorgfältige Vorbereitung auf das Ausstallen

Auch die Vorbereitung auf die Ausstallung verdient besondere Aufmerksamkeit. Das korrekte Nüchternstellen der Broiler ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Häufig wird empfohlen, den Weizenanteil 24 Stunden vor der Ausstallung um etwa 50 Prozent zu reduzieren und ab zwölf Stunden vor der Ausstallung keinen losen Weizen mehr zuzufüttern. So erfolgt das Nüchternstellen schrittweise und kontrolliert.

In der letzten Phase ist es anschließend wichtig, die Fütterung rechtzeitig einzustellen und die Futterschalen hochzuziehen. Als Grundregel gilt: Sechs bis acht Stunden vor der Ausstallung kein Futter mehr anbieten, damit sich der Verdauungstrakt ausreichend entleeren kann. Dann kann die Schlachtung sorgfältig und hygienisch erfolgen.

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Bild: De Heus

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