Weniger Stress im Hühnerstall? Legehennenhalter testet Lavendel als Einstreu

26 August 2026
Mobilstall
Bio-Geflügelhalter Edward Nijk

Lavendel statt herkömmlicher Einstreu: Der niederländische Bio-Legehennenhalter Edward Nijk will herausfinden, ob die Pflanze Stress bei seinen 12.000 Hennen mindern kann. Dafür baut er den Lavendel selbst an und will ihn zu Einstreuballen pressen. Ob das tatsächlich wirkt, ist noch völlig offen. Gemeinsam mit einem Forschungsinstitut soll die Idee nun in ersten Versuchen geprüft werden.

Lavendel soll im Legehennenstall auf den Prüfstand

Kann Lavendel dazu beitragen, Stress bei Legehennen zu reduzieren? Dieser Frage geht Bio-Legehennenhalter Edward Nijk aus Almen in der niederländischen Provinz Gelderland nach.

Seine Idee: Er möchte selbst angebauten Lavendel ernten, trocknen und zu kleinen Ballen pressen. Anschließend soll das Material im Legehennenstall zum Einsatz kommen.

„Wenn Lavendel bei Menschen Stress senkt, möchte ich ausprobieren, ob das auch bei meinen Hennen funktioniert“, erklärt Nijk.

Noch handelt es sich um eine Idee, deren Wirkung nicht belegt ist. Die ersten Versuche mit den Tieren stehen aus.

12.000 Bio-Legehennen mit Weinberg und Lebensmittelwald

Nijk hält 12.000 Bio-Legehennen und beschäftigt sich schon länger damit, den Auslauf seiner Tiere zu strukturieren und attraktiver zu gestalten.

Auf dem Betrieb stehen den Hennen unter anderem ein 1,5 Hektar großer Weinberg und ein ebenso großer Agroforst zur Verfügung. Dort finden sie Deckung und können scharren sowie nach Futter suchen.

Der Landwirt sucht zugleich nach weiteren Möglichkeiten, das Tierwohl zu verbessern. Gerade in der ökologischen Geflügelhaltung sieht er Bedarf an alternativen Ansätzen.

So entstand die Idee, Lavendel im Stall zu erproben. Nijk vermutet, dass Inhaltsstoffe der Pflanze möglicherweise auch auf Hühner beruhigend wirken könnten. Ob diese Annahme stimmt, müssen die geplanten Untersuchungen erst zeigen.

Für den Anbau spricht aus seiner Sicht zudem die Trockenheitstoleranz der Pflanze. Die Bedingungen in der niederländischen Region Achterhoek eignen sich nach seinen Erfahrungen gut für Lavendel.

Ziel sind Lavendelballen für den Hühnerstall

Nijks bevorzugte Lösung ist die Einstreu. Er möchte den Lavendel ernten und zu Ballen pressen, die anschließend im Stall verwendet werden können.

Falls sich dieser Ansatz nicht bewährt, hat der Geflügelhalter bereits eine zweite Idee: Er könnte aus den Pflanzen Lavendelöl gewinnen.

Dieses Öl würde Nijk gerne über das Tränkwasser einsetzen. Auch hier gilt allerdings: Bevor ein solcher Einsatz infrage kommt, müsste geklärt werden, ob und wie Lavendelöl bei Hühnern wirkt und ob sich die Anwendung sicher umsetzen lässt.

Erste Ernte stammt von einem halben Hektar

Nijk betreibt neben der Legehennenhaltung auch Ackerbau und ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen. Dadurch konnte er den Lavendelanbau direkt auf dem eigenen Betrieb starten.

Im Oktober 2025 pflanzte er auf 0,5 Hektar erstmals Lavendelstecklinge. Die erste Ernte fiel mit rund einem halben Kubikmeter noch klein aus.

Das überrascht den Landwirt nicht. Nach seiner Einschätzung benötigen die Pflanzen zwei bis drei Jahre, bis sie ihre volle Größe erreichen. Danach sollen die Bestände zehn bis 15 Jahre genutzt werden können.

Damit wäre Lavendel eine Dauerkultur, die sich über viele Jahre auf derselben Fläche ernten ließe.

Forschungsinstitut untersucht mögliche Wirkung

Ob die Idee tatsächlich einen Nutzen für Legehennen bringt, soll nun wissenschaftlich untersucht werden. Nijk arbeitet dafür mit dem Louis Bolk Instituut zusammen, das zu nachhaltiger Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit forscht.

Für die ersten Versuche reicht die bislang geerntete Menge aus. Der Lavendel soll zu kleinen Ballen gepresst und anschließend getestet werden.

Nijk selbst warnt vor voreiligen Schlüssen. Zunächst müsse sich der Pflanzenbestand entwickeln. Danach müsse der Versuch zeigen, ob Lavendel überhaupt einen messbaren Effekt auf die Tiere hat.

Seine Einschätzung der Erfolgsaussichten fällt entsprechend nüchtern aus: Die Chance liege bei „50 Prozent“.

Lavendel eröffnet dem Betrieb noch eine zweite Option

Sollte der Versuch im Legehennenstall scheitern, wäre der Lavendelanbau für Nijk nicht automatisch wertlos. Schon jetzt interessieren sich Privatkunden für seine Pflanzen und mögliche Produkte daraus.

Seit seine Idee durch den Agro-Innovationspreis bekannter geworden ist, erhält der Landwirt nach eigenen Angaben Anfragen zu Lavendelöl und gepressten Ballen. Selbst nach Lavendelseife wurde er bereits gefragt.

Damit könnte aus dem Versuch ein zusätzliches Standbein entstehen – selbst wenn die erhoffte Wirkung bei den Legehennen ausbleibt.

Jury sieht Verbindung von Tierwohl und Biodiversität

Für seine Idee erhielt Nijk beim Innovation Event den zweiten Preis. Hinter der Veranstaltung stehen die Innovatie Coöperatie und die Rabobank. Ob daraus auch eine praxistaugliche Lösung für Legehennenhalter entsteht, ist derzeit noch offen. Entscheidend werden die Versuche mit den Tieren sein. Erst sie können zeigen, ob Lavendel im Hühnerstall mehr ist als eine interessante Idee.

Geflügelnews
Bild: Bram Teeuwsen
Quelle: Lorena Bronk, Sterke Erven Pluimvee

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