Bio-dynamische Legehennenhaltung: Kleine Bestände, stabile Einnahmen

28 Juli 2026
Legehenne
Kanninga

Hohe Eierpreise haben vielen Legehennenhaltern in der vergangenen Zeit Rekorderlöse beschert. Ein biologisch-dynamischer Betrieb in den Niederlanden verzichtete bewusst auf diese Chance – und setzt stattdessen auf feste Eierpreise, regionale Kreisläufe und Planungssicherheit.

Fester Eierpreis statt Rekorderlöse: Warum dieser Legehennenhalter auf Stabilität setzt

Während viele Legehennenhalter in den vergangenen Jahren von außergewöhnlich hohen Eierpreisen profitierten, blieb dieser Effekt für Rolf und Daniëlle Kanninga aus der niederländischen Provinz Drenthe aus. Der Grund: Ihre biologisch-dynamisch erzeugten Eier werden nicht nach Marktpreisen verkauft, sondern zu einem langfristig vereinbarten Festpreis.

Für den Betrieb bedeutet das zwar den Verzicht auf Höchstpreise in Boomphasen. Gleichzeitig bleiben die Erlöse aber auch dann stabil, wenn der Eiermarkt unter Druck gerät.

Planungssicherheit statt Preisschwankungen

„Wir erhalten seit Jahren einen festen Eierpreis. Dadurch wissen wir schon heute ziemlich genau, womit wir am Jahresende rechnen können“, sagt Betriebsleiter Rolf Kanninga.

Während konventionelle Betriebe zuletzt von der weltweit knappen Eierversorgung und den hohen Notierungen profitierten, setzt die Familie bewusst auf kalkulierbare Erlöse.

„Wir haben zwar keine Rekordpreise erzielt. Dafür bleibt unsere Marge auch erhalten, wenn die Eierpreise sinken“, ergänzt seine Frau Daniëlle.

Die fünf biologisch-dynamischen Legehennenbetriebe der Niederlande vermarkten ihre Eier gemeinsam über eine Packstelle, die jährlich einen festen Auszahlungspreis festlegt.

Kleine Bestände, höhere Wertschöpfung

Auf dem Betrieb werden rund 9.000 Legehennen gehalten. Damit gehört die Familie zu den nur fünf biologisch-dynamischen Legehennenhaltern in den Niederlanden.

Der höhere Erlös je Ei ermöglicht trotz der vergleichsweise kleinen Tierzahl ein ausreichendes Familieneinkommen. Nach Angaben der Familie ist der Absatz seit Jahren stabil. Demnächst soll ein sechster Betrieb hinzukommen.

Kreislaufwirtschaft gehört zum Konzept

Ein zentrales Merkmal der biologisch-dynamischen Produktion ist die enge Zusammenarbeit mit regionalen Ackerbaubetrieben.

Die Hälfte der Futtermittel muss aus eigener Erzeugung oder von biologisch-dynamischen Betrieben aus der Region stammen. Im Gegenzug liefert die Familie Kanninga ihren Geflügelmist an diese Betriebe zurück. So entsteht ein regionaler Nährstoffkreislauf.

Außerdem schreibt das Produktionssystem vor, dass mindestens zwei Prozent Hähne mit den Legehennen gehalten werden.

Direktvermarktung gewinnt an Bedeutung

Ein Teil der Eier wird direkt über den Hofladen verkauft. Dort kostet ein Ei 40 Cent, während Verbraucher im Naturkosthandel rund 70 Cent bezahlen.

Die Direktvermarktung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Inzwischen verkauft die Familie zwischen 1.500 und 2.000 Eier pro Woche direkt ab Hof. Besonders gut läuft das Geschäft, wenn die Hennen ihren Auslauf nutzen dürfen. Nach Angaben des Betriebs steigt der Hofverkauf außerhalb von Aufstallungszeiten um rund 30 Prozent.

Banken tun sich mit kleinen Betrieben schwer

Trotz des funktionierenden Geschäftsmodells sehen Banken den Betrieb nach Angaben der Familie kritisch. Wegen der vergleichsweise geringen Tierzahl fehle es an vergleichbaren Referenzbetrieben.

Die Kanningas wünschen sich deshalb mehr Offenheit für kleinere und alternative Betriebsmodelle. Einen Ausbau des Betriebs planen sie jedoch nicht. Stattdessen wollen sie ihren eingeschlagenen Weg mit festen Eierpreisen, regionaler Kreislaufwirtschaft und Direktvermarktung fortsetzen.

Neben Eiern verkauft die Familie in ihrem Hofladen auch Hähnchenfleisch und Honig.
Geflügelnews
Bild: Tom Schotman
Quelle: Sterke Erven Pluimvee, Tom Schotman

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