Morgens anders füttern als abends: Was sagt die aktuelle Forschung zu Split Feeding?

01 September 2026
Nährstoffe
Legehennen

Legehennen brauchen morgens andere Nährstoffe als abends. Split Feeding soll die Fütterung diesem Tagesrhythmus anpassen. Studien zeigen Vorteile bei Futterverwertung und Eischalenqualität – doch für die Praxis gibt es einige Hürden.

Legehennen werden heute meist nach Produktionsphasen gefüttert. Doch ihr Nährstoffbedarf verändert sich nicht nur mit dem Alter, sondern auch innerhalb eines Tages. Genau hier setzt das sogenannte Split Feeding an: Die Hennen erhalten morgens und abends unterschiedliche Futtermischungen, die auf ihren jeweiligen Bedarf abgestimmt sind.

Split Feeding - was sagt die aktuelle Forschung dazu?

Besonders deutlich wird der wechselnde Bedarf beim Calcium. Untersuchungen zeigen, dass Legehennen an Tagen mit Eiablage morgens bevorzugt protein- und energiereiches Futter aufnehmen, während sie am Nachmittag verstärkt calciumreiches Futter wählen. Hennen, die ihre Futterkomponenten selbst wählen konnten, verwerteten Calcium besser und bildeten bei gleichbleibender Leistung stabilere Eischalen.

Bereits im frühen 20. Jahrhundert beobachteten Wissenschaftler, dass Legehennen ihre Nahrungsaufnahme an ihre Legeaktivität anpassen. Muschelschalen wurden vermehrt an Tagen aufgenommen, an denen ein Ei gelegt wurde und weniger an Tagen, an denen kein Ei gelegt wurde. Außerdem folgte die Auswahl an aufgenommenen Futterkomponenten dem 24-Stunden-Rhythmus der Eiablage. In einer Studie wurde dies später besonders deutlich (Abb. 1): Legehennen erhielten entweder ein Alleinfutter oder eine Auswahl an protein-, energie- und calciumreichem Futter zur freien Aufnahme angeboten. Es zeigte sich, dass Hennen an Eiablagetagen das protein- und energiereiche Futter in den Morgenstunden und das calciumreiche Futter am Nachmittag bevorzugten. Im Vergleich zu den Hennen, die das Alleinfutter bekamen, hatten die Hennen der „Cafeteria“-Fütterung dadurch eine geringere Calciumaufnahme bis zum Mittag und eine höhere Calciumaufnahme am Nachmittag. Dies spricht für einen erhöhten Calciumbedarf am Nachmittag, der durch ein Alleinfutter nicht gedeckt werden konnte. Durch die Cafeteria-Fütterung zeigte sich außerdem bei gleichbleibender Leistung eine bessere Calciumverwertung und stärkere Eischalen. 

Aufgenommene Futtermenge, wenn entweder ein Alleinfutter oder eine Auswahl an protein-, energie- und calciumreichem Futter angeboten wurde (nach Chah and Moran1985).

Warum Legehennen abends mehr Calcium brauchen

Eine Legehenne legt heute im Schnitt circa ein Ei pro Tag. Jeder Zyklus beginnt mit der Freisetzung des am weitesten entwickelten Follikels, woraufhin der Dotter in das Infundibulum, den ersten Abschnitt des Eileiters, gelangt. Im Magnum wird über 2-3 Stunden das Eiklar abgeschieden. Im Isthmus werden über etwa 1,5 Stunden die Schalenhäute gebildet. Beides besteht größtenteils aus Protein. Anschließend erfolgen die Verkalkung und Pigmentierung des Eis im Uterus bzw. in der Schalendrüse über etwa 20 Stunden, bevor das Ei durch die Bildung der Kutikula fertiggestellt wird. Die Eiablage erfolgt nach 24-26 Stunden und der nächste Follikel beginnt unmittelbar mit seinem Reifungsprozess.

Der tageszeitliche Rhythmus hat zwei wesentliche Konsequenzen. Zum einen benötigen Legehennen in den frühen Stadien der Eibildung möglicherweise mehr Protein als später im Zyklus. Zum anderen erreicht ihr Calciumbedarf während der Phase der Schalenverkalkung seinen Höhepunkt. Diese Phase ist in der Regel nachts, wenn die Hennen nicht fressen. Daher muss das für die Schalenbildung benötigte Calcium auch aus den medullären Knochenreserven mobilisiert werden. Diese locker organisierte Struktur in den langen Röhrenknochen ermöglicht eine schnelle Einlagerung und Mobilisierung von Calcium. Insgesamt verdeutlichen diese Dynamiken, dass eine statische, gleichbleibende Nährstoffkonzentration über 24 Stunden hinweg suboptimal ist, nicht nur im Hinblick auf die Effizienz, sondern auch auf das Tierwohl.

Split Feeding passt zwei Rationen an den Tagesrhythmus an

Es gibt drei Möglichkeiten, dem variablen Bedarf der Legehenne gerecht zu werden:

  • Die bereits oben vorgestellte „Cafeteria“-Fütterung: Den Hennen werden getrennte Protein-, Energie- und Calciumquellen angeboten, aus denen sie entsprechend ihrem Bedarf frei wählen können. Hier ist allerdings die Praktikabilität fraglich.
  • Split Feeding: Es werden zwei unterschiedliche Mischfutter bereitgestellt, eines am Morgen und eines am Abend, deren Nährstoffgehalte jeweils an den Bedarf der Hennen zu diesem Tageszeitpunkt angepasst sind.
  • Variation der Calciumpartikelgröße: Die Verteilung von feinem und grobem Calciumcarbonat wird zwischen Morgen- und Abendfutter angepasst, teilweise im Rahmen eines Split Feeding-Konzepts. Dies wird üblicherweise schon in der Praxis angewandt.

Feines Calcium morgens, grobes abends

Letzteres basiert auf den unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften von verschiedenen Calciumcarbonatquellen. Die meisten Calciumcarbonatquellen mit einer als „fein“ definierten Partikelgröße (in der Regel < 1000 µm Durchmesser) lösen sich schnell auf und stehen rasch zur Verfügung, während „grobe“ Calciumcarbonatquellen (in der Regel > 1000 µm Durchmesser) länger im Verdauungstrakt verbleiben und Calcium allmählicher freisetzen. Diese verzögerte Freisetzung ist besonders während der Nacht  während der Eierschalenverkalkung vorteilhaft. 

Wenn Legehennen im Alter von 75 bis 92 Wochen morgens grobes und abends feines Calciumcarbonat erhielten, waren Körpergewicht, Futteraufnahme, Eigewicht und Legeleistung signifikant reduziert. Im Gegensatz dazu führte die Gabe von feinen Calciumcarbonatpartikeln am Morgen und groben am Abend zu einer erhöhten Futteraufnahme und Legeleistung, obwohl beide Gruppen die gleiche tägliche Gesamtmenge an Calcium erhielten. Die schnellere Verfügbarkeit von feinen Partikeln kann zu einer besseren Remineralisierung der Knochen nach Eiablage führen, während die langsamere Verfügbarkeit von groben Partikeln zur Kalzifizierung der Eischale in der Nacht beiträgt. Ein zu hoher Anteil grober Partikel (> 70%) über den Tagesverlauf war jedoch beim Split Feeding nicht vorteilhaft. Der Schutz der Knochenintegrität ist insbesondere im Kontext verlängerter Legeperioden wichtig, da ältere Hennen häufig große Eier mit dünner Schale produzieren und gleichzeitig unter einer geschwächten Skelettstruktur leiden. Sobald die medullären Reserven erschöpft sind, kann die Mobilisierung von Calcium aus dem strukturellen Knochen zu Osteoporose führen. Die Bereitstellung grober Calciumcarbonatpartikel vor der Nacht kann daher die Mobilisierung der Knochensubstanz reduzieren und die Bruchfestigkeit der Tibia bei Legehennen erhöhen.

Ein im Tagesverlauf angepasstes Fütterungsprogramm würde Legehennen genau dann die Nährstoffe zur Verfügung stellen, wenn sie es gerade brauchen. Dies würde einer Überversorgung und damit einer Ausscheidung ungenutzter Nährstoffe entgegenwirken. Gleichzeitig könnte ein übermäßiger Abbau von Knochenmasse durch exzessive Nutzung des Knochencalciumspeichers reduziert werden. In der Theorie klingt dies logisch, aber was sagt die Wissenschaft dazu? Tatsächlich findet man bisher nicht allzu viel Literatur zu diesem Thema, die Tendenz ist allerdings steigend (Abb. 2). 

Steigerung , Minderung , oder kein Effekt  durch Anwendung des Split Feedings in sechs Studien seit 2018. Ein Symbol repräsentiert das Ergebnis einer Studie.

Was Studien zu Leistung und Eischalenqualität zeigen

Zwei Studien zeigten Verbesserungen der Futterverwertung durch Split Feeding von 0,1 kg/kg (Woche 29–41) sowie von 0,21 bzw. 0,26 kg/kg (Woche 34–53 und Woche 44–53). Die Eimasse stieg zwischen den Wochen 34–43 um 1,5 g an, war jedoch zwischen den Wochen 43–53 nicht beeinflusst. Insgesamt hatte das Split Feeding auf die Leistungsmerkmale von Legehennen meist nur geringe oder keine Auswirkungen.

In Bezug auf die Eischalenqualität erhöhte das Split Feeding in einem Versuch die Schalendicke um 0,03 mm. Während in einigen Fällen kein Unterschied in der Schalenbruchfestigkeit festgestellt wurde, berichteten andere Studien über Zunahmen von 0,11 kg/cm² bis 0,28 kg/cm². Auch das relative Schalengewicht war tendenziell höher bei Split Feeding und der Anteil aussortierter Eier wurde um bis zu 0,6 Prozentpunkte reduziert.

Das Split Feeding erhöhte die Verdaulichkeit einiger Aminosäuren, verbesserte die Phosphor- und Calciumverdaulichkeit und führte in einigen Fällen zu einem höheren Aschegehalt sowie zu einer höheren Bruchfestigkeit der Tibiaknochen. Gleichzeitig verringerten sich die Protein- und Stickstoffaufnahme, die Stickstoffausscheidung und gasförmige Emissionen.

Split Feeding kann Futterkosten senken

In Versuchen, die sich mit der Ökonomie des Split Feeding-Konzepts befassten, konnten die Futterkosten pro Eimasse oder vermarktungsfähigem Ei reduziert werden. Dies gelang entweder durch eine verbesserte Eischalenqualität oder durch eine gezieltere und dadurch reduzierte Nährstoffversorgung bei gleichbleibender oder erhöhter Leistung.

Da diese Ergebnisse alle unter Versuchsbedingungen entstanden sind, ist eine Validierung unter Praxisbedingungen nötig und noch ausstehend.

Umsetzung in der Praxis

Ein Split Feeding-System mit Fütterung von zwei Rationen am Tag setzt eine uniforme Hennenherde voraus. Nur so können alle Tiere und schlussendlich der Hennenhalter davon profitieren. Es zeigte sich in zwei Versuchen allerdings auch eine Anpassung der Tiere an das Split Feeding durch eine Konzentration der Eiablage in die Morgenstunden. In einem der Versuche erhöhte sich die Anzahl an am Vormittag (bis 10:30 Uhr) gelegten Eiern bei Split Feeding-Programmen (61%) im Vergleich zur Standardfütterung (38%).

Technisch kann ein Split Feeding-System relativ einfach umgesetzt werden, wenn Geflügelställe bereits mit Futterlinien und zwei Silos ausgestattet sind. Zusätzliche Investitionen können ein System zum Wiegen des Futters sowie zur Automatisierung des zweimal täglichen Futterwechsels umfassen. Fortschritte in der Technik und in IT-Lösungen werden die praktische Anwendung solcher Systeme weiter erleichtern.

Der kritische Punkt in der Praxis besteht darin, eine Vermischung oder Fehlzuteilung der beiden Futtermischungen zu verhindern. Wird beispielsweise abends ein calciumarmes Futter angeboten, kann dies die Eierschalenqualität und die Knochengesundheit erheblich beeinträchtigen. Daher müssen die Fütterungssysteme regelmäßig überwacht werden, und Anpassungen der Futteraufnahme, die durch Temperaturschwankungen, Stress, Aktivität oder andere Faktoren verursacht werden können, sollten zeitnah bemerkt werden, damit entsprechend gehandelt werden kann.

Die Liste der verwendeten Literatur kann bei der Autorin angefordert werden. Vera Sommerfeld <v.sommerfeld@uni-hohenheim.de>

Dr. Vera Sommerfeld
Bild: AdobeStock_HelgaQ
Quelle: Dr. Vera Sommerfeld, Universität Hohenheim

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