KI im Putenstall: Heidemark bringt Kamerasystem in die Fläche

01 September 2026
Pute
Puten im Stall

Nach mehr als einem Jahr Praxiserprobung geht KI im Putenstall den nächsten Schritt: Heidemark und VetVise haben einen Rahmenvertrag geschlossen. Das KI-gestützte Kamerasystem BarnBuddy soll nun schrittweise in weiteren Putenaufzucht- und -mastställen zum Einsatz kommen.

Künstliche Intelligenz (KI) wird auch bei Puten künftig fester Bestandteil des täglichen Herdenmanagements. Die Idee dahinter ist einfach: Die Tiere liefern jeden Tag wertvolle Informationen über ihr Befinden. Entscheidend ist, Verhaltensänderungen frühzeitig sichtbar zu machen – denn diese treten häufig auf, lange bevor sich Probleme in den klassischen Leistungskennzahlen niederschlagen.

Ergänzung der klassischen Stallkontrolle

Hier setzt der BarnBuddy von VetVise an. Kameras erfassen das Stallgeschehen kontinuierlich rund um die Uhr, während KI-basierte Modelle Parameter wie Aktivität, Bewegungsverhalten und Tierverteilung analysieren. Dieser digitale Blick auf die Herde ergänzt die klassischen Stallkontrolle, die naturgemäß immer nur eine Momentaufnahme darstellen kann. So lassen sich Abweichungen in der Nutzung von Stallzonen oder Futter- und Tränkebereichen lückenlos verfolgen.

„Ein erfahrener Tierhalter sieht sehr viel. Aber niemand kann 24 Stunden am Tag an jedem Punkt des Stalls gleichzeitig sein“, erklärt Svenia Paul, Head of Poultry bei VetVise. „Unsere Technologie liefert genau diesen kontinuierlichen, objektiven Blick. Wenn wir Verhaltensänderungen frühzeitig sichtbar machen, gewinnen wir wertvolle Zeit – und genau dieser Vorsprung ist entscheidend.“ Die Verarbeitung der Kameradaten erfolgt über lokale Rechentechnik (Edge-Computing) direkt am Stall, sodass keine hohe Internet-Bandbreite nötig ist.

Landwirte und Vermarkter profitieren

Für den Putenverarbeiter Heidemark steht der praktische Nutzen im Vordergrund: Die Technologie soll Tierhaltern helfen, Abläufe effizienter zu gestalten und gezielt dort hinzuschauen, wo Handlungsbedarf besteht. Nach den Erfahrungen aus der Pilotphase soll das System nun schrittweise weiteren Partnerbetrieben zugänglich gemacht werden. Bernd Wiegmann, Geschäftsführer bei Heidemark, betont: „Als Marktführer sehen wir uns in der Pflicht, bei digitalen Neuerungen ganz vorne mit dabei zu sein. Wir wollen diese Chancen für uns nutzen und sie unseren Landwirten zugänglich machen. Am Ende profitieren alle: der Landwirt, der Vermarkter – und ganz besonders das Tier.“

Künftig Integration weiterer Stalldaten 

Für VetVise geht die Entwicklung dabei über die reine Verhaltensanalyse hinaus. Perspektivisch sollen weitere Stallinformationen wie Klima-, Fütterungs- und Tränkedaten zusammengeführt und gemeinsam bewertet werden. „Unser Anspruch ist nicht, einfach nur Kameras in Ställe zu hängen“, führt Svenja Paul aus. „Wir wollen aus Tierverhalten, Stallinformationen und künstlicher Intelligenz ein echtes Managementwerkzeug machen. Der Nutzer soll schneller verstehen, was in seinem Stall passiert, um zielgerichtet agieren zu können. Mit Heidemark haben wir den idealen Partner, um diesen Ansatz in einer großen Struktur umzusetzen.“

Die VetVise GmbH mit Sitz in Hannover entwickelt KI-basierte Systeme für das datenbasierte Management in der Nutztierhaltung. Kameratechnologie und künstliche Intelligenz ermöglichen es, Tierverhalten und Veränderungen innerhalb einer Herde kontinuierlich und objektiv zu erfassen. VetVise entwickelt Lösungen für die Geflügel- und Schweinehaltung.

Die Heidemark GmbH mit Sitz im niedersächsischen Ahlhorn ist europäischer Marktführer für Putenerzeugnisse. Das ursprüngliche Familienunternehmen wurde vor kurzem vom britischen Investor Boparan Private Office übernommen.

Heidemark, Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Heidemark

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