Pflanzenkohle im Hähnchenstall: Britische Mäster testen Effekt auf Ammoniak

31 August 2026
Masthuhn
Masthähnchen

Kann Pflanzenkohle in der Einstreu die Ammoniakbelastung im Hähnchenstall senken? Vier britische Masthähnchenbetriebe testen das Verfahren jetzt unter Praxisbedingungen. Sensoren messen dabei kontinuierlich die Ammoniakwerte.

Eine Gruppe britischer Masthähnchenhalter untersucht, ob Pflanzenkohle (Biochar) die Ammoniakemissionen im Stall senken und zugleich die Einstreu verbessern kann. Dafür bringen die Betriebe aufbereitete Pflanzenkohle direkt auf die Einstreu auf. Über das Projekt berichtet das internationale Fachportal „Poultry World“.

Die eingesetzte Pflanzenkohle wird aus Fichtenholz hergestellt. Bei der sogenannten Pyrolyse wird das Holz unter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff erhitzt. Dabei entsteht ein stabiles, stark poröses Material, das Nährstoffe aufnehmen und binden kann. Die Projektpartner wollen nun herausfinden, ob diese Eigenschaften auch dazu beitragen, die Ammoniakbildung im Masthähnchenstall zu begrenzen.

Vier Hähnchenbetriebe messen Ammoniak in Echtzeit

An dem Versuch beteiligen sich vier Masthähnchenbetriebe in den West Midlands in Großbritannien. Dort haben die Forscher Ammoniaksensoren installiert, die während der Mastdurchgänge kontinuierlich Messwerte liefern.

Die Geflügelhalter erfassen zusätzlich den Zustand der Einstreu und beurteilen, wie gut sie sich handhaben lässt. Außerdem dokumentieren sie erkennbare Veränderungen beim Tierwohl.

Pflanzenkohle findet in der Landwirtschaft zunehmend Beachtung. Ihr Einsatz in Geflügelställen ist bislang jedoch vergleichsweise wenig untersucht. Der Praxisversuch soll deshalb zeigen, ob sich das Verfahren unter kommerziellen Bedingungen bewährt.

Pflanzenkohle soll in den Betriebsalltag passen

Landwirt und Projektleiter Rob Collins sieht darin einen entscheidenden Punkt. Geflügelhalter müssten Ammoniakemissionen reduzieren, gleichzeitig aber Tierwohl und Leistungen sichern. Deshalb suche das Projekt nach einer Lösung, die sich ohne zusätzliche Komplexität in das tägliche Stallmanagement integrieren lässt.

Dass vier Betriebe teilnehmen, soll die Aussagekraft erhöhen. Denn Management, Ställe und Bedingungen unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb. Die Forscher können so vergleichen, wie die Pflanzenkohle unter verschiedenen Praxisbedingungen wirkt.

Praxisversuch soll belastbare Ergebnisse liefern

Auch Biochar-Spezialist Kevin Fryer sieht gerade in der Erprobung auf Praxisbetrieben einen wichtigen Schritt. Obwohl das Interesse an Pflanzenkohle seit Jahren wächst, benötigen Landwirte nach seiner Einschätzung belastbare Daten, bevor sie das Verfahren im eigenen Stall einsetzen.

Der Versuch soll deshalb klären, ob sich Vorteile, die frühere Untersuchungen gezeigt haben, auch unter kommerziellen Bedingungen zuverlässig wiederholen lassen.

Der Wissenschaftler Dr. David Redpath hält diesen Schritt ebenfalls für entscheidend. Forschungsergebnisse aus kontrollierten Versuchen seien für die Praxis vor allem dann wertvoll, wenn sie sich auf landwirtschaftlichen Betrieben bestätigen. Das Projekt soll daher zeigen, wie sich die aufbereitete Pflanzenkohle unter realen Produktionsbedingungen verhält.

Ergebnisse zur Ammoniakminderung noch in diesem Jahr

Die Ergebnisse werden im Laufe dieses Jahres erwartet. Dann soll sich zeigen, ob Pflanzenkohle tatsächlich dazu beitragen kann, Ammoniakemissionen zu senken, die Einstreuqualität zu verbessern und günstigere Bedingungen für die Masthähnchen zu schaffen.

Bestätigen sich die Erwartungen, könnte das Verfahren für Geflügelhalter eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Emissionen im Stall zu reduzieren. Entscheidend wird allerdings sein, ob sich die positiven Effekte unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen zuverlässig nachweisen lassen und die Anwendung praktikabel bleibt.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Cordula Möbius
Quelle: Poultry World

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