60.000 Tonnen Geflügelmist: Niederländischer Betrieb setzt auf Biomethan statt Entsorgung

28 August 2026
Niederlande
Biogasanlag Kuipers

Aus Geflügelmist Energie gewinnen und gleichzeitig wertvolle Nährstoffe zurückgewinnen: Der niederländische Masthähnchenbetrieb Kuijpers Kip investiert in eine großtechnische Biogasanlage. Jährlich sollen dort rund 60.000 Tonnen Geflügelmist verarbeitet und zu Biomethan sowie organischen Düngern aufbereitet werden.

Masthähnchenmist soll zu grünem Gas werden

Der niederländische Geflügelbetrieb Kuijpers Kip aus Grubbenvorst in der Provinz Limburg investiert in eine großtechnische Biogasanlage. Künftig will das Unternehmen den Mist seiner Masthähnchen zur Erzeugung von grünem Gas nutzen. Darüber berichtete das flämische Forschungszentrum Inagro.

Die geplante Anlage soll aus mehreren Fermentern bestehen und jährlich rund 60.000 Tonnen Geflügelmist verarbeiten. Damit zählt das Projekt zu den größeren Biogasvorhaben in der niederländischen Geflügelwirtschaft.

Strom, Wärme und Biomethan aus Geflügelmist

Ein Teil des erzeugten Biogases wird direkt auf dem Betrieb genutzt. In einem Blockheizkraftwerk (BHKW) entstehen daraus Strom und Wärme für den Eigenbedarf.

Das übrige Biogas bereitet der Betrieb zu Biomethan auf. Anschließend speist er das grüne Gas in das öffentliche Erdgasnetz ein.

Gärreste sollen als Dünger genutzt werden

Neben der Energiegewinnung setzt Kuijpers Kip auf eine möglichst vollständige Nutzung der anfallenden Nährstoffe. Ein Teil der Gärreste soll zu einem RENURE-Produkt verarbeitet werden. Dabei handelt es sich um aufbereitete organische Dünger, die unter bestimmten Voraussetzungen Mineraldünger ersetzen können.

Das verbleibende Digestat wird hygienisiert und anschließend weiterverarbeitet.

Geflügelmist macht die Vergärung anspruchsvoll

Nach Angaben von Inagro eignet sich Geflügelmist grundsätzlich sehr gut für die Biogaserzeugung. Aufgrund seiner hohen Energiedichte liefert er viel Biogas.

Gleichzeitig stellt das Substrat die Betreiber jedoch vor besondere Herausforderungen. Geflügelmist enthält deutlich mehr Stickstoff und Trockensubstanz als Rinder- oder Schweinegülle. Dadurch wird der Vergärungsprozess komplexer.

Damit die Anlage dauerhaft stabil arbeitet, sind zusätzliche Verfahrensschritte erforderlich. Dazu zählt unter anderem das Stickstoffstrippen, bei dem überschüssiger Stickstoff aus dem Prozess entfernt wird.

Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung

Mit dem Projekt verfolgt der niederländische Geflügelbetrieb das Ziel, Energie und Nährstoffe möglichst vollständig im Betriebskreislauf zu nutzen. Gleichzeitig kann die Aufbereitung von Geflügelmist dazu beitragen, fossile Energieträger zu ersetzen und den Einsatz mineralischer Düngemittel zu verringern.

Das Vorhaben zeigt, welche Rolle Geflügelmist künftig nicht nur als Wirtschaftsdünger, sondern auch als Energieträger und Rohstoff für die Kreislaufwirtschaft spielen kann.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Sterke Erven Pluimvee, Tom Schotman, Inagro

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.