Hühner, Hof und Direktvermarktung: Das Konzept von Ceres-Award Finalist Eike Alswede

24 August 2026
Deutschland
Eike Alswede

Direktvermarktung ist für Familienbetriebe ein interessantes Standbein. Wie das funktionieren kann, zeigt CeresAward-Finalist Eike Alswede aus dem niedersächsischen Gehrde: Gemeinsam mit seinem Bruder und seinen Eltern hat der 28-Jährige ein bemerkenswertes Konzept aufgebaut – die Eiervermarktung gehört dazu. 

Der idyllische Ort Gehrde liegt im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen. Die gut 2.800 Einwohner können seit dem vergangenen Jahr wieder im Ort einkaufen. Vorher mussten sie für den nächsten Supermarkt zumindest bis ins benachbarte Bersenbrück fahren. Heute bietet der „Landmarkt Gehrde“ ein Vollsortiment für den täglichen Bedarf - und die gesamte Palette der eigenen Erzeugnisse vom Hof Alswede. Familie Alswede ist nämlich Betreiber vom „Landmarkt Gehrde“.

Direktvermarktung hat lange Tradition

„Die Direktvermarktung hat eine lange Tradition auf unserem Hof. Der Bau des Landmarktes war für uns auch eine Konsequenz daraus, dass es im Ort keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt“, erzählt Eike Alswede. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder Arne und Vater Frank den Hof Alswede bereits in der fünften Generation.

Vor gut einem Jahr wurde der „Landmarkt Gehrde“ eröffnet – vorangegangen waren rund drei Jahre für Planung, Genehmigung und Umbau des früheren Kuhstalles zum neuen Einkaufsmarkt. Rund 70 Prozent der hofeigenen Erzeugnisse vermarktet die Familie direkt hierüber und zusätzlich über den Wochenmarkt. Vom Hof gibt es Gemüse, Obst, Eier sowie Schweine- und Rindfleisch.

Transparente Tierhaltung gehört dazu

Ein Herzstück des Konzepts ist die Transparenz in der Tierhaltung. Für die Schweine entstand ein komplett neues, geschlossenes Haltungssystem – vom Deck- und Wartestall über die Ferkelaufzucht bis zur Mast. Besucherinnen und Besucher können sich jederzeit die Ausläufe anschauen, zusätzlich werden regelmäßig Führungen angeboten. „Wir möchten, dass unsere Kundinnen und Kunden sehen können, was sie kaufen. Die Tiere werden hier geboren, wachsen hier auf und werden auch lokal geschlachtet. Dieses Vertrauen ist die Grundlage unserer Direktvermarktung“, betont Eike Alswede.

Auch der Stall für die 1.000 Legehennen in Freilandhaltung befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Landmarkt. Die Althennen werden auf dem Hof im Schlachtmobil geschlachtet und als Suppenhühner direkt vermarktet: „Es gibt hierfür immer viele Vorbestellungen, der Rest wird später gefroren vermarktet“, informiert der Hofnachfolger.

Der "Landmarkt Gehrde" überzeugt mit seiner Produktauswahl und Wohlfühl-Atmosphäre.

Bei den Schweinen setzten Alswedes zunächst auf die alte Rasse „Bunte Bentheimer“. Sie wurde jedoch inzwischen durch eine Herkunft ersetzt, die deutlich fettärmer ist: „Die Bunten Bentheimer Schweine haben einen recht hohen Fettanteil, das war bei den Kundinnen und Kunden nicht so gefragt,“ so der Junglandwirt. Außerdem gehören Angus- und Galloway-Weiderinder zum Hof.

Landmarkt wird sehr gut angenommen

Seit dem Start im April 2025 werde das Landmarkt-Angebot sehr gut angenommen, insbesondere die Fleischtheke erfreue sich im Sommer großer Beliebtheit. Inzwischen sind zwei Fleischer fest angestellt, die Schweine- und Rinderhälften zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeiten.

Hinzu kommen mehr als 30 Gemüsekulturen, von Wirsing, Brokkoli und Blumenkohl bis hin zu Kartoffeln, Zwiebeln und Roter Bete. Der Familienbetrieb bewirtschaftet rund 120 Hektar sowie weitere 40 Hektar nach EU-Bio-Standard. Die Basis bildet der Ackerbau mit Weizen, Roggen, Zuckerrüben und Mais.

Ein Café gehört ebenfalls dazu

„Diese Vielfalt macht unseren Betrieb zukunftsfähig“, sagt Eike Alswede. Dazu gehört auch das Café im „Landmarkt Gehrde“, das wie der Markt auch sonntags geöffnet ist. „Wir sehen unser Konzept als Win-Win-Situation für den Ort und für uns als Betrieb“, so der 28jährige.

Dass er es beim Ceres-Award ins Finale der Kategorie „Junglandwirt“ geschafft hat, sieht er als eine besondere Wertschätzung: „Es ist schön, Anerkennung für die tägliche Arbeit, den Einsatz und die vielen Gedanken zu bekommen, die wir jeden Tag in unseren Hof investieren.“ Die Siegerinnen und Sieger des Ceres Award werden am 21. Oktober 2026 in Berlin ausgezeichnet.

LPD, Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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