Neuer Hofladen, neue Verarbeitung – und eine klare Forderung an die Politik

18 Juli 2026
Deutschland
Hof Pleus

Christina Backhus (re.) im Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte.


Christina Backhus ist 2023 in den Familienbetrieb eingestiegen und hat mit einer geförderten neuen Verarbeitung direkt eigene Akzente gesetzt. Beim Besuch von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte machte die junge Landwirtin aus Niedersachsen deutlich, warum große und kleine Betriebe aus ihrer Sicht unterschiedliche politische Antworten brauchen.

Hinter Christina Backhus liegen anstrengende Monate. Die junge Mutter von zwei kleinen Kindern ist vor ca. drei Jahren mit in den elterlichen Betrieb in Prinzhöfte (Landkreis Oldenburg) eingestiegen. Schon vor 25 Jahren setzten ihre Eltern, damals noch mehr eine Ausnahme, mit Hähnchen-, Rind- und Schweinefleisch auf Direktvermarktung. 

Direktvermarktung der Eltern weiterentwickelt

Diese Tradition wollte Christina Backhus nicht nur fortführen, sondern zu einem ganzheitlichen Konzept mit Fokus Regionalität weiterentwickeln. Dieses Konzept lautet: Vermarktung der eigenen Fleisch- und Wurstwaren nur direkt an den Endverbraucher, an Direktvermarkter-Kollegen oder an die Gastronomie vor Ort. Das Fleisch der Tiere wird komplett genutzt, es wird nichts weggeworfen. Die eigenen Produkte werden im Hofladen ergänzt mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen von anderen Betrieben der Region wie Käse, Joghurt, Quark etc. Region heißt dabei ein Radius von maximal 75 km. 

Der gut frequentierte Smart Store am Hof sieht sehr einladend aus.

Für die Umsetzung ihres Konzeptes hat die Landwirtin eine neue Verarbeitung gebaut, die seit einigen Monaten in Betrieb ist. Parallel zum Bau mussten Produktion und Vermarktung natürlich weiterlaufen - eine zeitliche, organisatorische und, wie sie zugibt, auch nervliche Herausforderung. Jetzt freut sich nicht nur Christina Backhus über die neuen, funktionalen Räume, die klimatisiert und hell sind und optimale Hygiene ermöglichen. Auch ihre sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen ihre neuen Arbeitsplätze zu schätzen. 

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte zu Gast

Heute hat sich ein besonderer Besuch auf dem Betrieb Pleus (Geburtsname von Christina Backhus) angekündigt: Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) ist auf politischer Sommertour und möchte sich die neue Verarbeitung anschauen. Der Hintergrund: Es gab eine Förderung des Landes im Rahmen der Maßnahme „Regionale Wertschöpfung landwirtschaftlicher Produkte“. Hiermit sollen Investitionen in Vermarktung oder Verarbeitung auf landwirtschaftlichen Betrieben unterstützt werden. Dadurch soll mehr Wertschöpfung auf den Betrieben bleiben. 

Für Christina Backhus kam die Fördermaßnahme genau zum richtigen Zeitpunkt: „Meine Eltern hatten in die Diele unseren Hofladen eingerichtet. Die Verarbeitung befand sich in zwei Raum hinter dem Laden. Größe und Ausstattung etc. waren nicht mehr zeitgemäß“, so die Hofnachfolgerin. Verarbeitet werden nun in den neuen Räumen pro Woche rund 100 geschlachtete Hähnchen, ein Rind und zwei Schweine. 

Um das komplette Hähnchen zu verwerten, werden Frikasee oder Hühnersuppe hergestellt.

Hähnchen im umgebauten Maststall mit Wintergarten

Die Hähnchen werden im älteren Maststall auf dem Hof gehalten, ca. 1.000 Tiere in zwei Gruppen sind es. Ein Teil des Stalles ist aufgemacht worden, sodass den Tieren nicht nur reichlich Platz, sondern auch Außenklima zur Verfügung steht. Die Hähnchen kommen erst im Alter von drei Wochen auf den Betrieb, sie werden woanders aufgezogen. Gemästet wird bis zu einem Schlachtgewicht von bis zu 3,5 kg und bis zu zwölf Wochen: „Zu uns kommt jede Woche eine mobile Hähnchenschlachtung. Wir schlachten jeweils bis zu 100 Hähnchen je nach Bedarf“, erzählt Christina Backhus. 

Auf dem Betrieb gibt es außerdem 60 Rinder. Geschlachtet wird nach Bedarf bei einem Metzger im ca. 10 km entfernten Wildeshausen. Dieser liefert die Hälften zurück. Schweine gibt es aktuell nicht mehr auf dem Hof Pleus, dafür fehlten die Arbeitskapazitäten. Ihre „Strohschweine“ bezieht Christina Backhus von einem ebenfalls in der Nähe befindlichen Betrieb. 

Mit dem Verkaufswagen geht es an drei Tagen auf Wochenmärkte.

Neuer Smart Store am Hof jeden Tag geöffnet

Fehlende Arbeitskapazitäten haben auch dazu geführt, dass die Direktvermarktung heute nicht mehr nur über den Hofladen und den Verkaufswagen läuft, sondern durch einen „Smart Store“ am Hof ergänzt wird. Mit ihrem Verkaufswagen steht die Familie jede Woche auf drei Wochenmärkten, was enorme Zeit bindet. Der Hofladen ist wegen Personalknappheit nur noch an einem Tag in der Woche geöffnet. Die vielen Stammkunden können jedoch sogar sieben Tage die Woche im neuen Smart Store einkaufen. Dieser ist nur nachts zur Sicherheit geschlossen. 

In den Verkaufscontainer kommt man per Bankkarte, kann dann in Ruhe seine Waren aussuchen, scannt sie und bezahlt auch mit der Karte. „Das wird wirklich super gut angenommen“, freut sich Christina Backhus. Gerade im ländlichen Raum, wo der nächste Supermarkt weiter entfernt ist, sieht sie in den Smart Stores eine Chance für landwirtschaftliche Direktvermarkter. Für den Verkaufscontainer gab es im Übrigen Zuschüsse aus dem EU-Leader-Programm. 

Alles in allem ist das Thema Arbeitskräfte und Entlohnung etwas, das ihr durchaus Sorgen macht. Sie möchte ihre Mitarbeiter gut bezahlen, gutes Personal zu finden sei ohnehin schwierig. Die Kosten muss sie aber auch weitergeben an die Kunden, ebenso die Kosten für die eher extensive Mast der Tiere. Sie hofft, dass ihre treue Kundschaft es wertschätzt, dass gute Qualität ihren Preis hat. 

Ein Teil des älteren Hähnchenstalles ist heute Wintergarten.

Mehr Ermessensspielraum für kleine Betriebe 

Ein für sie sehr wichtiges Anliegen hat sie in Richtung Politik und die Ministerin: Selbstverständlich müssten kleine Betriebe Gesetze und Vorschriften genauso einhalten wie große Betriebe. Aber bei manchen Regelungen, Vorgaben oder Kontrollen gebe es Ermessensspielräume, dort sollte von den Behörden mit etwas mehr Augenmaß gearbeitet werden: „Alle sagen, dass sie kleine und mittlere Betriebe behalten wollen. Dann wünsche ich mir manchmal etwas mehr wohlwollende Begleitung und nicht nur kostentreibende Auslegungen“, sagt sie. Sonst gebe es immer weniger kleinere landwirtschaftliche Betriebe, was dem ländlichen Raum nicht gut tue.  

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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