Katzenminzenöl gegen Vogelgrippe? Forscher testen neue Methode im Geflügelstall

05 September 2026
Klima/Lüftung
Vernebelung Katzenminze

Katzenminzenöl könnte Geflügelställe künftig zusätzlich gegen Vogelgrippe schützen. US-Forscher wollen das Öl vernebeln, um HPAI-Viren in der Luft und auf Oberflächen unschädlich zu machen. Erste Laborversuche liefern Hinweise auf eine Wirkung.

Forscher der US-amerikanischen Purdue University arbeiten an einer ungewöhnlichen Methode gegen die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI): Sie wollen Katzenminzenöl in Geflügelställen vernebeln. Das Öl soll Viruspartikel in der Luft und auf Oberflächen inaktivieren und damit eine zusätzliche Barriere gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe schaffen.

Die US-Tiergesundheitsbehörde Animal and Plant Health Inspection Service (APHIS), die zum Landwirtschaftsministerium USDA gehört, fördert das Projekt mit 2 Mio. US-Dollar. Beteiligt sind neben der Purdue University das Biotechnologieunternehmen Entomol, das Agrartechnologieunternehmen 1,4GROUP und die Ohio State University. Darüber berichtet das US-Portal Feed Strategy.

Katzenminzenöl soll Biosicherheit im Stall ergänzen

Die Forscher betonen, dass die Vernebelung bewährte Biosicherheitsmaßnahmen nicht ersetzen soll. Sie könnte vielmehr eine zusätzliche Schutzebene schaffen. Ziel ist es, Viruspartikel zu inaktivieren, die trotz der üblichen Schutzmaßnahmen in die Stallluft oder auf Oberflächen gelangen.

Dr. Ekramy Sayedahmed, Assistenzprofessor für Geflügelmedizin an der Purdue University, verweist darauf, dass bei einem Ausbruch einzelne Viruspartikel bestehenden Schutzmaßnahmen entgehen können. Eine zusätzliche Technik könnte deshalb helfen, die weitere Verbreitung von HPAI einzudämmen.

Die Forscher halten es zudem für denkbar, die Vernebelung künftig mit einer Impfung zu kombinieren. Langfristig könnte dies nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, die Zahl der notwendigen Keulungen bei Vogelgrippeausbrüchen zu verringern. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, müssen die weiteren Versuche allerdings erst zeigen.

Erste Tests: Öl macht Vogelgrippeviren unschädlich

Katzenminzenöl ist in den USA bereits als Insektenabwehrmittel zugelassen und gilt für die Anwendung in der Umgebung von Menschen als sicher.

Erste Laboruntersuchungen an der Purdue University zeigen nach Angaben der Forscher, dass das Öl Partikel des Vogelgrippevirus inaktivieren kann. Die behandelten Viruspartikel konnten anschließend keine lebenden Zellen mehr infizieren.

Damit ist jedoch noch nicht geklärt, ob das Verfahren auch im Geflügelstall funktioniert. In einer weiteren Versuchsphase wollen die Wissenschaftler deshalb untersuchen, ob verdünntes Katzenminzenöl das Virus unter Laborbedingungen zuverlässig inaktiviert.

Geflügelbetriebe sollen Verfahren in der Praxis testen

Mit den Fördermitteln des USDA sind anschließend auch Versuche auf Geflügelbetrieben geplant. Dort wollen die Wissenschaftler unter anderem prüfen, wie sich die Vernebelung auf die Gesundheit der Hühner auswirkt und ob sich die Technik praktikabel in den Stallalltag integrieren lässt.

Gerade dieser Schritt dürfte für Geflügelhalter entscheidend sein. Denn neben der Wirkung gegen das Virus muss sich zeigen, ob sich das Verfahren unter Praxisbedingungen sicher und zuverlässig einsetzen lässt.

Ergebnisse werden in zwei bis drei Jahren erwartet

Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, müssen sich Geflügelhalter noch gedulden. Das Forscherteam rechnet damit, innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre Ergebnisse veröffentlichen zu können. Parallel laufen bereits Gespräche mit möglichen kommerziellen Partnern, die die Technik weiterentwickeln könnten.

Die Wissenschaftler sehen über die Vogelgrippe hinaus weiteres Potenzial. Sayedahmed hält es für möglich, die Vernebelung künftig auch gegen andere Atemwegserkrankungen bei Tieren in geschlossenen Haltungssystemen einzusetzen.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Agrio
Quelle: Tom Schotman, Sterke Erven Pluimvee

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