Stallbesichtigungen gehören für Geflügelhalter zu den wichtigsten Informationsquellen. Doch strenge Biosicherheitsmaßnahmen machen Besuche zunehmend schwieriger. Landmeco hat deshalb einen neuen Weg gewählt: Erstmals stellte das Unternehmen sein High Raise-Volierensystem per Livestream vor - direkt aus einem Praxisbetrieb in Polen. Im Mittelpunkt standen Aufbau, Funktionsweise und die Frage, wie sich eine durchdachte Aufzucht auf die spätere Legeleistung auswirken kann.
Stallbesichtigung per Livestream statt vor Ort
Das war eine gelungene Premiere: Statt zu einer klassischen Stallführung lud Landmeco Interessenten erstmals per Livestream dazu ein, das High Raise Aufzucht-Volierensystem kennenzulernen. Hintergrund sind die steigenden Anforderungen an die Biosicherheit. Krankheiten wie die Aviäre Influenza und die Newcastle Disease erschweren Besuche in Geflügelbetrieben zunehmend.
Mit dem neuen Format wollte Landmeco trotzdem einen möglichst realistischen Einblick in einen laufenden Aufzuchtbetrieb geben. Dafür reiste Angelika Jürgens, Director of Business Development bei Landmeco, nach Polen. Per Videoschalte führte sie die Zuschauer durch einen Stall, in dem das High Raise-System bereits seit mehreren Jahren im Einsatz ist.
Im Anschluss an die Stallführung konnten die Teilnehmer nicht nur Angelika Jürgens, sondern auch dem Farmmanager des polnischen Betriebs, Piotr Krystek, sowie dem Vertreter von Landmeco Polen, Tomasz Wróblewski, ihre Fragen stellen.
Praxisbetrieb mit fast 500.000 Bio-Legehennen
Die Live-Präsentation fand bei einem der größten Bio-Legehennenhalter Polens statt, dem Betrieb Wysoka Grzęda. Dort werden rund eine halbe Million Bio-Legehennen gehalten. Landmeco hat den Betrieb sowohl mit Legehennenvolieren als auch mit Aufzuchtanlagen ausgestattet.
Vier Aufzuchtställe arbeiten bereits mit dem High Raise-System. Ein weiterer Stall für rund 40.000 Junghennen soll noch in diesem Jahr entstehen und ebenfalls mit der Anlage ausgestattet werden.
Der während des Livestreams gezeigte Stall verfügt über zwei Reihen mit jeweils 26 Sektionen. Der Tierbereich ist rund 65 Meter lang und zwölf Meter breit. Eingestallt wurden dort 20.400 Küken. Nach Angaben des Betriebes lag die Mortalität zum Zeitpunkt der Vorstellung bei lediglich 1,2 Prozent und damit im üblichen Bereich des Unternehmens zwischen 0,7 und 1,4 Prozent.
Während des Rundgangs demonstrierte Angelika Jürgens unter anderem die Funktionsweise der Türen, Rampen und weiteren beweglichen Elemente der Anlage.
Aufzucht entscheidet über den späteren Erfolg
Warum rückte Landmeco ausgerechnet die Junghennenaufzucht in den Mittelpunkt der Veranstaltung?
"Weil wir mehr über die Aufzucht sprechen müssen", erklärte Angelika Jürgens. Denn die Aufzucht lege den Grundstein für den späteren Erfolg im Legehennenstall. Entscheidend sei, dass sich Aufzucht- und Haltungssystem möglichst ähneln. Je früher die Tiere lernen, sich sicher zwischen verschiedenen Ebenen zu bewegen, desto leichter finden sie sich später in mehrstöckigen Legevolieren zurecht.
Davon profitieren sowohl Tierwohl als auch Management. Gleichzeitig kann die Zahl der Bodeneier im späteren Produktionsabschnitt geringgehalten werden.
Zweietagensystem mit bewusst einfachem Aufbau
Das High Raise-System setzt bewusst auf zwei Ebenen. Diese Bauweise erleichtert die Tierkontrolle und die täglichen Arbeiten im Stall. Da beide Ebenen jederzeit gut einsehbar und erreichbar sind, lassen sich auch Impfungen, Gesundheitskontrollen und das Einfangen der Tiere einfacher durchführen.
Die untere Ebene ist etwas schmaler ausgeführt als die obere. Gleichzeitig bietet die obere Ebene mehr Raum. Damit trägt die Konstruktion dem natürlichen Verhalten der Tiere Rechnung: Junghennen suchen bevorzugt höher gelegene Bereiche auf.
Jede Anlagenreihe verfügt über zwei Futterlinien und vier Tränkelinien. Unter jeder Ebene verlaufen zudem Kotbänder, die den Kot direkt auffangen.
Nach Angaben des Herstellers lässt sich das System damit für verschiedene Haltungsprogramme bis hin zur ökologischen Erzeugung einsetzen. Um die Belastung der Kotbänder zu verringern und einen zuverlässigen Transport zu gewährleisten, treiben Motoren die Bänder sowohl am vorderen als auch am hinteren Ende an.
Balkone und Rampen fördern das Verhalten in der Voliere
Ein zentrales Element der High Raise-Voliere sind verstellbare Anflugbalkone, Rampen und zahlreiche Sitzstangen in verschiedenen Höhen. Sie sollen die Küken früh dazu anregen, zu springen, aufzubaumen und unterschiedliche Höhen zu nutzen.
Die Eintagsküken werden zunächst auf beide Etagen des Systems verteilt. Dort finden sie ausreichend Platz und erreichen Futter und Wasser auf kurzen Wegen. Zugleich kann das Stallpersonal die Temperatur gut kontrollieren und die Tiere einfach betreuen.
Etwa ab der zweiten bis dritten Lebenswoche werden die Systemfronten geöffnet. Die Tiere erhalten Zugang zum Scharrraum und erschließen sich nach und nach die gesamte Anlage. Rampen, Balkone und klappbare Sitzstangen helfen ihnen dabei, zwischen den verschiedenen Bereichen und Höhen zu wechseln. Insbesondere die Balkone mit verstellbaren Neigungswinkeln ermöglichen einen einfacheren Wiedereinstieg in die Anlage.
Bis zur Ausstallung im Alter von 16 bis 18 Wochen sollen die Junghennen gelernt haben, sich sicher im gesamten System zu bewegen und alle Ebenen zu nutzen.
Bedienung mit einer Hand
Eine einfache Bedienung spielte bei der Entwicklung der Voliere eine wichtige Rolle. Nach Angaben von Landmeco lassen sich die Frontgitter mit einer Hand öffnen und schließen. Dabei unterscheiden sich die Mechanismen der beiden Ebenen.
In der unteren Etage klappt das Frontgitter nach oben. In der oberen Ebene kommen dagegen Schiebetüren zum Einsatz, die sich nach oben oder unten bewegen lassen.
Die Konstruktion ermöglicht dem Stallpersonal einen schnellen Zugang zu den Tieren und gibt den Junghennen nach dem Öffnen den Weg aus dem System frei. Das erleichtert Arbeitsabläufe wie das Einstallen, Impfen und spätere Einfangen der Tiere.
Entwicklung gemeinsam mit Praktikern
Das High Raise-System entstand nach Angaben des Unternehmens in enger Zusammenarbeit mit europäischen Geflügelhaltern. Auch der polnische Farmmanager Piotr Krystek, dessen Stall im Livestream vorgestellt wurde, war an der Entwicklung beteiligt.
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