Wann müssen Legehennen wirklich entwurmt werden? Belgische Forscher entwickeln Schwellenwerte und testen, wie Reinigung und Prävention den Wurmdruck senken können. Davon könnten auch deutsche Betriebe profitieren.
Wurminfektionen bleiben besonders in Legehennenhaltungen mit Auslauf eine Herausforderung. Gleichzeitig wächst der Druck, Arzneimittel möglichst gezielt einzusetzen. Forscher aus Belgien suchen deshalb nach einem anderen Weg: Statt Legehennen routinemäßig zu festgelegten Zeitpunkten zu entwurmen, wollen sie den tatsächlichen Infektionsdruck im Bestand zur Grundlage der Behandlung machen.
Das Forschungsprojekt Integriworm konzentriert sich zwar besonders auf Bio-Legehennen. Die beteiligten Wissenschaftler sehen jedoch auch Potenzial für die konventionelle Haltung.
Nicht nach Kalender entwurmen, sondern den Wurmdruck messen
Ein zentraler Ansatz des Projekts ist für die Praxis besonders interessant: Die Forscher wollen Indikatoren finden, mit denen Betriebe den Wurminfektionsdruck einfach und effizient verfolgen können.
Legehennenhalter sollen dadurch erkennen, wie sich die Belastung ihres Bestandes entwickelt und wann tatsächlich eine Behandlung erforderlich ist. An die Stelle einer Entwurmung zu festen Terminen könnte damit eine gezielte Behandlung treten, die sich am tatsächlichen Infektionsgeschehen orientiert.
Die Wissenschaftler untersuchen zudem, wie der Wurmdruck mit Produktionskennzahlen und der allgemeinen Tiergesundheit zusammenhängt. So soll deutlicher werden, welche Folgen eine zunehmende Belastung für den Bestand hat.
Nur zwei Wirkstoffe erhöhen das Resistenzrisiko
Ein gezielter Einsatz von Entwurmungsmitteln ist auch mit Blick auf mögliche Resistenzen wichtig. Für Legehennen stehen in der Europäischen Union derzeit nur Flubendazol und Fenbendazol zur Verfügung. Beide Wirkstoffe gehören zu den Benzimidazolen.
Werden dieselben Wirkstoffgruppen häufig eingesetzt, steigt das Risiko von Resistenzen. Die Forscher wollen deshalb Wege finden, Wurminfektionen stärker über eine Kombination aus Kontrolle, Prävention und gezielter Behandlung zu beherrschen.
Für Bio-Betriebe kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wartezeiten nach dem Einsatz bestimmter Entwurmungsmittel können wirtschaftliche Folgen haben, weil Eier in dieser Zeit nicht als Bio-Ware vermarktet werden dürfen. Zugleich gehört ein möglichst geringer Einsatz chemischer Arzneimittel zu den Grundsätzen der ökologischen Erzeugung.
Junghennen möglichst ohne hohe Wurmbelastung starten lassen
Die Forscher setzen nicht erst bei der Behandlung erkrankter Tiere an. Frühere Untersuchungen zeigen nach ihren Angaben, dass Legehennen, die sich bereits in jungem Alter mit Würmern infizieren, während der Legeperiode häufiger gesundheitliche Probleme bekommen können.
Das Projekt untersucht deshalb, welche Faktoren das Infektionsrisiko erhöhen und wie Geflügelhalter gegensteuern können. Für die Praxis bedeutet das: Nicht allein die Entwurmung entscheidet über den Wurmdruck. Entscheidend ist auch, wie stark die Tiere überhaupt mit infektiösen Stadien in Kontakt kommen.
Reinigung im Leerstand soll Wurmeier reduzieren
Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf dem Zeitraum zwischen zwei Herden. Neue Legehennen sollen möglichst nicht in einen Stall einziehen, in dem noch zahlreiche Wurmeier der vorherigen Herde vorhanden sind.
Die Wissenschaftler testen verschiedene Reinigungsverfahren und prüfen anschließend, wie stark diese den Infektionsdruck senken. Dabei nehmen sie nicht nur den Stall, sondern auch den Auslauf in den Blick.
Gerade für deutsche Legehennenhalter mit Freiland- oder Biohaltung ist dieser Ansatz interessant. Das Projekt betrachtet Stallhygiene und Auslaufmanagement als Bestandteile einer gemeinsamen Strategie gegen Wurminfektionen.
Schwellenwerte sollen Entscheidung über Entwurmung erleichtern
Am Ende wollen die Forscher aus den einzelnen Erkenntnissen konkrete, betriebsspezifische Behandlungsstrategien ableiten. Dazu sollen praxistaugliche Schwellenwerte entstehen.
Sie sollen Geflügelhaltern zeigen, ab welchem Anstieg des Wurminfektionsdrucks eine Behandlung notwendig wird. Bevor Arzneimittel zum Einsatz kommen, sollen Betriebe zunächst geeignete vorbeugende oder alternative Maßnahmen nutzen.
Damit verfolgt Integriworm einen Ansatz, der auch deutschen Legehennenhaltern Orientierung bieten könnte: Wurmdruck regelmäßig erfassen, Risiken im Betrieb reduzieren, Stall und Auslauf in die Bekämpfung einbeziehen und erst dann gezielt entwurmen, wenn die Belastung dies erforderlich macht.
Das Projekt Integriworm wird von der flämischen Agentur für Landwirtschaft und Fischerei finanziert. Beteiligt sind ILVO, das Proefbedrijf Pluimveehouderij, die veterinärmedizinische Fakultät der Universität Gent, Bioforum und Pluimveeloket.







































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