Bio-Geflügel: So erkennen und behandeln Sie Wurmbefall richtig

19 Juni 2025
Stallmanagement
Lasse Brandt

Eine erfolgreiche Entwurmung in der Bio-Geflügelhaltung erfordert systematische Vorbeugung, gezielte Kontrolle und den verantwortungsvollen Einsatz natürlicher und medikamentöser Mittel.

Die Öko-Feldtage (ÖFT) sind seit Jahren ein zentraler Treffpunkt für Landwirtinnen und Landwirte, die sich für ökologische Landwirtschaft interessieren oder ihren Betrieb umstellen möchten. Vom 18. bis 19. Juni 2025 finden die ÖFT erstmals in Sachsen statt – auf den Flächen des Biolandbetriebes Wassergut Canitz GmbH. Der Veranstaltungsort steht exemplarisch für die Verbindung zwischen ökologischer Landwirtschaft und dem Schutz von Trinkwasser.

Welche Parasiten gefährden Bio-Geflügel?

Neben zahlreichen Fachvorträgen zu Pflanzenbau und Tierhaltung gab es auch einiges Informatives zur Geflügelhaltung zu erfahren. Einer der Fachvorträge dreht sich um die praktische Entwurmung in der biologischen Geflügelhaltung. In einem praxisnahen Vortrag erläuterte der Bioland-Geflügelberater Lasse Brandt, wie ein Wurmbefall der Herde frühzeitig erkannt und wirksam bekämpft werden kann.

Laut Brandt zählen verschiedene Wurmarten zu den häufigsten Parasiten in der ökologischen Geflügelhaltung. Dazu gehören unter anderem Spulwürmer, Haarwürmer und Bandwürmer. Die Tiere nehmen die Wurmeier zum Beispiel über verunreinigte Einstreu auf. Je nach Parasit kann ein Zwischenwirt nötig sein.

So erkennen Landwirte einen Wurmbefall frühzeitig

Der sicherste Weg zur Diagnose ist die Untersuchung von Kotproben. Brandt empfiehlt, über mehrere Tage frische Kothaufen aus unterschiedlichen Stallbereichen zu sammeln, zu kühlen und als Sammelprobe einzuschicken. Dies erlaubt eine repräsentative Einschätzung des Verwurmungsgrades.
Typische Symptome eines Wurmbefalls sind: nachlassende Legeleistung, kleinere Eier, blasse Kämme, Gewichtsverlust, geringere Futteraufnahme und Wachstumsverzögerungen. In gravierenden Fällen lassen sich Würmer sogar im Ei oder auf dem Kotband erkennen – dann ist der Befall bereits weit fortgeschritten.

Vorbeugen, natürlich behandeln oder entwurmen: Was wirklich hilft

Brandt unterteilt das Parasitenmanagement in drei Bereiche: Vorbeugung, Austreiben mit natürlichen Mitteln und Bekämpfung mit Medikamenten.

1. Vorbeugung als Schlüsselstrategie

Im Ökolandbau ist die Vorbeugung besonders wichtig. Grundlage dafür ist ein gutes Verständnis des Lebenszyklus der Parasiten – inklusive Umweltfaktoren wie Temperatur und Feuchtigkeit. Maßnahmen wie trockene und regelmäßig erneuerte Einstreu, Einstreuzusätze, gute Lüftung sowie gezielte Auslaufpflege schaffen ein ungünstiges Umfeld für Wurmeier.
Auch bewährte Biosicherheitsmaßnahmen – etwa das Vermeiden von Wildvogeleinträgen oder das konsequente Rein-Raus-Prinzip bei Stallzugängen – tragen zur Reduktion des Infektionsrisikos bei.

2. Natürliche Mittel zur Parasitenkontrolle

Wenn die Prävention nicht ausreicht, kommen im Biobereich phytomedizinische Mittel zum Einsatz. Ein Beispiel ist „Vermistop“, ein Futterzusatz auf Basis von Knoblauch, Granatapfel, Nelken und Propolis. Die Anwendung erfolgt einmal monatlich über sieben Tage hinweg. Auch „Askarom“ oder Kräutermischungen, die manche Futtermühlen präventiv beimengen, sind verbreitet.

Weitere Hausmittel wie Wermuttee, Apfelessig, Eichenrinde oder Karotten können ergänzend genutzt werden. In jedem Fall empfiehlt Brandt einen Blick in die FiBL-Betriebsmittelliste, um die Öko-Zulässigkeit der Mittel zu prüfen. Wichtig: Ein Gewöhnungseffekt ist möglich – daher sollte regelmäßig das Präparat gewechselt werden.

3. Medikamentöse Behandlung als letzte Option

Wenn natürliche Mittel versagen, bleibt die chemisch-synthetische Entwurmung. Hierbei kommen in der Regel die Wirkstoffe Flubendazol oder Fenbendazol zum Einsatz – beide über einen Zeitraum von fünf bis sieben Tagen. Zu beachten ist dabei die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit von 48 Stunden nach der letzten Anwendung. Während dieser Zeit dürfen die Eier nicht als Öko-Produkte vermarktet werden.

Brandt rechnete anhand eines Beispielbetriebs mit 6.000 Legehennen und einer Legeleistung von 85 Prozent vor, welche wirtschaftlichen Folgen das haben kann: Rund 35.000 Eier fallen in sieben Tagen aus der Bio-Vermarktung. Bei einem Preisunterschied von rund 10 Cent pro Ei im Vergleich zum konventionellen Produkt ergibt das einen Verlust von etwa 3.500 Euro. Trotzdem rät er allen Erzeugern, ihre Bestände rechtzeitig zu behandeln. „Dies ist allemal besser als sich wochenlang mit Leistungseinbußen herumzuquälen.“

Entwurmung erfordert Systematik

Die Entwurmung in der Bio-Geflügelhaltung ist keine punktuelle Maßnahme, sondern muss in ein umfassendes Gesundheitsmanagement eingebettet sein. Vorbeugung durch saubere Haltungsbedingungen, regelmäßige Kotkontrollen und gezielter Einsatz natürlicher Mittel sind entscheidend. Nur wenn all diese Maßnahmen nicht greifen, sollte auf chemische Mittel zurückgegriffen werden – dann aber mit voller Transparenz über die wirtschaftlichen Folgen.

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Dieter Theyssen

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