Doppelnutzung des Freiland-Auslaufs: Die Kurzumtriebsplantage

01 September 2022
Legehenne
Waldstreifen für den Auslauf von Freiland-Hühnern

"Die Hühner schätzen diese Waldstreifen sehr", berichtete Henner Schönecke, Geschäftsführer der Geflügelhof Schönecke GmbH, beim zweiten Ankumer Bio Legehennen Forum von seinen Erfahrungen mit Kurzumtriebsplantagen (KUP) in Ausläufen von Freiland-Hühnern.  

Schönecke betont den Umstand, dass Hühner Waldtiere sind, die sich zum Schutz vor Greifvögeln bevorzugt unter Bäumen aufhalten. Dieser Vorliebe folgend entschied sich der Betrieb für Kurzumtriebsplantagen-Streifen, die sternförmig vom Stall bis zu den Rändern der Auslauffläche angelegt wurden. Die Kosten seiner Pflanzung im Februar/März 2020 beziffert Schönecke mit 1.500 Euro pro Hektar Auslauffläche. Er pflanzte eine Mischung aus Pappelruten und -stecklingen. Nach einer Vegetationsperiode betrug der Aufwuchs bereits ein bis zwei Meter. Bäume und Büsche werden übrigens nicht vom Auslauf des Huhnes abgezogen - eine Wiese, die für jedes Tier 4 Quadratmeter bietet, wird daher nicht kleiner, wenn Bäume gepflanzt werden, außer wenn die Bäume eingezäunt werden.

Waldstreifen werden geschätzt

Die Hühner schätzen die angelegten Waldstreifen Schönecke zufolge sehr und nutzen die komplette Auslauffläche (was sie, ihrem natürlichen Fluchtinstinkt folgend, auf einer offenen Wiese nicht tun). Aus Tierschutzsicht habe diese Form der Doppelnutzung Vorbildcharakter.

Vermarktungsnorm ändern

Die erste Holzernte wird wahrscheinlich nach fünf Jahren möglich sein. Üblicherweise kommen für die KUP-Ernte entsprechend umgerüstete Feldhäcksler oder an Traktoren montierte Anbauhacker zum Einsatz und erzeugen Holz-Hackschnitzel. Bei der Ernte werden nun die Einschränkungen der Vermarktungsnorm deutlich: Das Holz darf geerntet werden, allerdings muss das Substrat auf der Fläche verbleiben. Sollte die EU-Vermarktungsnorm in diesem Punkt nicht geändert werden, können die Holz-Hackschnitzel nicht wirtschaftlich genutzt werden. Im Hinblick auf die aktuelle Energiekrise stellt das eine absolut absurde Situation dar; Schönecke hofft, dass die EU-Vermarktungsnorm nächstes Jahr geändert wird. Klima und Tierschutz würde es nützen, wenn artgerechte Tierhaltung und wirtschaftliche Nutzung der Auslaufflächen keinen Widerspruch darstellen.

Magdalena Esterer
Bild: Geflügelnews

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