Campylobacter zählt weltweit zu den häufigsten bakteriellen Erregern von Durchfallerkrankungen. Eine neue Studie des Ineos Oxford Institute zeigt nun, wie die stark gewachsene Geflügelhaltung die Verbreitung und Entwicklung des Bakteriums beeinflusst. Die Forschenden sehen darin neue Herausforderungen für Biosicherheit, Tiergesundheit und Verbraucherschutz.
Neue Studie: 31 Milliarden Hühner verändern die Ausbreitung von Campylobacter
Die weltweite Hühnerpopulation ist seit den 1960er-Jahren rasant gewachsen. Heute leben rund 31 Milliarden Hühner auf der Erde. Damit stellen sie nach Angaben der Forschenden inzwischen rund 70 Prozent der gesamten Vogelbiomasse.
Diese Entwicklung hat die Versorgung mit preiswertem tierischem Eiweiß ermöglicht. Gleichzeitig könnte sie jedoch die Ausbreitung bestimmter Krankheitserreger begünstigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Ineos Oxford Institute (IOI).
Große Geflügelbestände fördern die Verbreitung
Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler knapp 2.800 Campylobacter-Genome aus 30 Ländern. Die Auswertung zeigt: Mit dem Ausbau der modernen Geflügelhaltung hat sich die Verbreitung des Bakteriums deutlich beschleunigt.
Nach Berechnungen der Forschenden zirkuliert Campylobacter heute etwa 100-mal häufiger zwischen Geflügelbeständen als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Bakterienstämme, die früher überwiegend bei Wildvögeln vorkamen, finden in großen Geflügelbeständen günstige Bedingungen vor. Dort können sie sich leichter etablieren und weiterentwickeln.
Geflügelbestände wirken wie ein „ökologischer Schwamm“
Die Autoren beschreiben große Geflügelpopulationen als eine Art „ökologischen Schwamm“.
Ab einer bestimmten Bestandsgröße nehmen die Populationen Campylobacter-Stämme aus unterschiedlichen Quellen auf und verstärken deren Verbreitung. Selbst Erreger, die ursprünglich nur schlecht an Hühner angepasst waren, können sich nach den Modellrechnungen dauerhaft in den Beständen etablieren.
Campylobacter passt sich an moderne Haltungssysteme an
Besonders aufmerksam verfolgen die Forschenden die genetische Entwicklung des Erregers.
Die Genomanalysen zeigen mehrere Eigenschaften, die Campylobacter in modernen Produktionssystemen Vorteile verschaffen:
- Antibiotikaresistenzen (AMR): Resistente Bakterien erschweren die Behandlung menschlicher Infektionen.
- Höhere Widerstandsfähigkeit gegen oxidativen Stress: Dadurch übersteht der Erreger die Verarbeitungskette besser.
- Verbesserte Beweglichkeit: Diese Eigenschaften erleichtern die Besiedlung des Hühnerdarms.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler sprechen diese Veränderungen dafür, dass sich Campylobacter zunehmend an die Bedingungen moderner Geflügelhaltung anpasst.
Geflügelfleisch bleibt wichtigste Infektionsquelle
Campylobacter gilt weltweit als häufigste bakterielle Ursache für Durchfallerkrankungen beim Menschen.
Bereits frühere Untersuchungen aus Oxfordshire kamen zu dem Ergebnis, dass rund 80 Prozent der menschlichen Campylobacter-Infektionen mit Geflügelfleisch in Zusammenhang stehen. Viele der nachgewiesenen Bakterien zeigten zudem Resistenzen gegenüber Antibiotika.
Studie sieht Handlungsbedarf bei der Biosicherheit
Die Autoren betonen ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keine Schuldzuweisung an die Geflügelhaltung darstellen.
Vielmehr zeige die Studie, dass die moderne Geflügelproduktion einen der größten zusammenhängenden Lebensräume für Vögel geschaffen habe. Dadurch veränderten sich auch die ökologischen Bedingungen für Krankheitserreger.
Für Geflügelhalter und die Branche insgesamt leiten die Forschenden daraus einen klaren Auftrag ab: Biosicherheitsmaßnahmen, Hygieneprogramme und das Verständnis der evolutionären Entwicklung von Krankheitserregern müssen weiterentwickelt werden, um Zoonosen und antimikrobiellen Resistenzen wirksam entgegenzuwirken.
Einordnung für die Praxis
Die Studie beschreibt vor allem Zusammenhänge auf globaler Ebene. Sie bewertet weder einzelne Haltungsformen noch einzelne Betriebe. Für die Praxis unterstreicht sie jedoch die Bedeutung konsequenter Biosicherheitsmaßnahmen entlang der gesamten Produktionskette – vom Stall über die Schlachtung bis zur Verarbeitung. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Forschung und Monitoring eine zentrale Rolle spielen, um Campylobacter und andere Zoonoseerreger künftig besser kontrollieren zu können.




































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