Weniger Rohprotein im Hähnchenfutter soll Ammoniak im Stall senken

18 September 2026
Masthuhn
Masthähnchen

Wie weit können Hähnchenmäster Rohprotein und Phosphor im Futter reduzieren, ohne Leistung und Tiergesundheit zu gefährden? Ein Forschungsprojekt lotet die Grenzen aus.

Steigende Anforderungen im Umwelt- und Emissionsrecht erhöhen den Druck auf Hähnchenmäster, Nährstoffüberschüsse und Emissionen weiter zu senken. Die Fütterung bietet dafür einen wichtigen Ansatzpunkt. Doch sie muss zugleich Tiergesundheit, Tierwohl und Leistung sichern und wirtschaftlich bleiben.

Viele Betriebe setzen bereits N- und P-reduzierte Fütterungskonzepte ein. Doch wie viel Spielraum bleibt noch? Kann der Rohproteingehalt weiter sinken, wenn die Tiere ausreichend Aminosäuren erhalten? Wie viel mineralischen Phosphor können Mäster einsparen? Und senkt eine solche Fütterung tatsächlich die Ammoniakemissionen im Stall?

Diese Fragen untersucht das Verbundprojekt „MastOpti(M)Um“. Die Forschenden wollen belastbare Daten liefern, mit denen Geflügelhalter ihre Fütterung künftig noch ressourceneffizienter und emissionsärmer gestalten können.

Weniger Rohprotein soll Stickstoffverluste senken

Masthühner benötigen nicht Rohprotein an sich, sondern eine bedarfsgerechte Versorgung mit Aminosäuren. Freie Aminosäuren ermöglichen es bereits heute, den Rohproteingehalt im Futter deutlich zu senken.

Trotzdem nehmen die Tiere weiterhin Stickstoff auf, den sie nicht vollständig für Wachstum und den Aufbau von Körperprotein nutzen. Diesen überschüssigen Stickstoff scheiden sie aus. Damit steht er für Prozesse zur Verfügung, bei denen Ammoniak entsteht.

Hier setzt „MastOpti(M)Um“ an. Die Forschenden prüfen, wie weit sich der Rohproteingehalt bei einer bedarfsgerechten Versorgung mit Aminosäuren noch senken lässt. Die Tiere sollen weniger Stickstoff ausscheiden und damit weniger Ammoniak verursachen. Gleichzeitig dürfen Tiergesundheit, Tierwohl und Mastleistung nicht leiden.

Forscher prüfen, wie viel Phosphor Hähnchen wirklich brauchen

Auch die Phosphorversorgung nehmen die Projektpartner unter die Lupe. Sie untersuchen, wie stark sich mineralischer Phosphor in der konventionellen Hähnchenmast reduzieren lässt, ohne Wachstum, Knochenstabilität oder Tiergesundheit zu beeinträchtigen.

Das ist auch mit Blick auf die begrenzten Phosphorressourcen relevant. Je genauer die Versorgung dem Bedarf der Tiere entspricht, desto effizienter lässt sich der Rohstoff nutzen.

Für die ökologische Hähnchenmast gelten andere Voraussetzungen. Da Phytase dort derzeit nicht zugelassen ist, untersuchen die Forschenden alternative Wege, um die Tiere möglichst bedarfsgerecht mit Nährstoffen zu versorgen.

Auch die Öko-Hähnchenmast kommt auf den Prüfstand

Das Projekt untersucht sowohl die konventionelle als auch die ökologische Masthühnerfütterung. In der konventionellen Mast kommen schnell wachsende Herkünfte zum Einsatz, im Ökobereich langsam wachsende Linien.

Gerade Ökobetriebe stehen bei der Versorgung mit Aminosäuren vor besonderen Herausforderungen. Die Forschenden prüfen deshalb, mit welchen Futtermittelkombinationen sich der Bedarf der Tiere möglichst genau decken und gleichzeitig der Stickstoffüberschuss verringern lässt.

Eine Besonderheit sind identische Versuchsreihen an zwei Standorten. Die Versuche laufen im Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen sowie im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen.

Die Tiere stammen jeweils aus demselben Schlupf und erhalten identische Futtermischungen. So können die Forschenden untersuchen, welchen Einfluss unterschiedliche Stall- und Umweltbedingungen auf die Ergebnisse haben. Das soll die Übertragbarkeit auf die landwirtschaftliche Praxis verbessern.

Mobile Messhaube erfasst Ammoniak direkt auf der Mistmatratze

Für Hähnchenmäster zählt am Ende vor allem eine Frage: Senkt weniger Stickstoff im Futter tatsächlich die Ammoniakemissionen im Stall?

Um das zu prüfen, entwickelt und erprobt das Projekt eine mobile Messhaube. Sie soll Ammoniak direkt dort erfassen, wo es entsteht – auf der Mistmatratze.

Damit wollen die Forschenden das Emissionspotenzial unter Praxisbedingungen genauer bestimmen. So soll sich besser beurteilen lassen, welche Fütterungsstrategien die Ammoniakbildung tatsächlich messbar verringern.

Weniger Emissionen dürfen nicht zulasten der Tiere gehen

Eine Fütterungsstrategie überzeugt in der Praxis nur, wenn sie nicht allein die Emissionen senkt. Auch Tiergesundheit, Tierwohl und Leistung müssen stimmen. Deshalb erfassen die Projektpartner neben Mast- und Schlachtleistungen zahlreiche Gesundheits- und Tierwohlparameter.

Sie untersuchen unter anderem Gefiederzustand, Fußballengesundheit, Lauffähigkeit und Knochenstabilität. Auch die Einstreu spielt eine wichtige Rolle. Ihre Beschaffenheit beeinflusst sowohl die Tiere als auch das Stallklima.

Zusätzlich analysieren die Forschenden, wie effizient die Masthühner Stickstoff, Phosphor und weitere Nährstoffe im Körper einlagern. Ganzkörperanalysen sollen eine genauere Nährstoffbilanz ermöglichen und Daten für künftige Fütterungsempfehlungen liefern. Zudem bestimmen die Wissenschaftler den Körperfettanteil, der Hinweise auf die Produktqualität geben kann.

Ergebnisse sollen Hähnchenmästern konkrete Grenzen zeigen

„MastOpti(M)Um“ soll zeigen, welches Potenzial eine noch stärker N- und P-reduzierte Fütterung besitzt – und wo die biologischen und praktischen Grenzen liegen. Entscheidend ist dabei, ob sich Nährstoffüberschüsse und Emissionen weiter senken lassen, ohne Tiergesundheit, Tierwohl oder Leistung zu beeinträchtigen.

Für Hähnchenmäster könnten die Ergebnisse gleich mehrfach relevant werden. Sie könnten helfen, Stickstoff und Phosphor effizienter einzusetzen, Fütterungskonzepte genauer auf den Bedarf der Tiere abzustimmen und Ammoniakemissionen zu reduzieren.

Zugleich können die Daten eine Grundlage für Beratung und Genehmigungsverfahren bilden und Betrieben helfen, sich auf künftige Anforderungen des Umwelt- und Emissionsrechts einzustellen.

Erste Ergebnisse des Projekts werden Ende 2026 erwartet.

Geflügelnews
Bild: Cordula Möbius, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Quelle: LfL, Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft, Kitzingen und Schwarzenau

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