Brasilien drängt auf Marktöffnung für Geflügelfleisch doch die EU wartet noch ab

17 September 2026
Markt Geflügelfleisch
Brasilien Schlachterei

Geflügelschlachthof von GTFoods in Maringá im brasilianischen Bundesstaat Paraná.


Brasilien wertet das jüngste EU-Audit zu Geflügelfleisch und Honig als Erfolg und rechnet mit einer baldigen Rückkehr auf den europäischen Markt. Doch Brüssel bremst: Der Abschlussbericht liegt noch nicht vor. 

Brasilien sieht EU-Audit positiv, Brüssel wartet noch ab

Wann darf Brasilien wieder Geflügelfleisch und Honig in die Europäische Union liefern? Darüber gehen die Einschätzungen in Brasília und Brüssel derzeit auseinander. Nach Abschluss eines Audits durch Experten der Europäischen Kommission am 4. September bezeichnete Brasiliens Landwirtschaftsminister André de Paula die Ergebnisse als „zufriedenstellend“.

Die Europäische Kommission bestätigt diese Einschätzung bislang nicht. Eine Sprecherin erklärte am 15. September gegenüber dem Pressedienst AGRA Europe, der Abschlussbericht liege noch nicht vor. Wann mit Ergebnissen zu rechnen sei, wollte sie nicht vorhersagen.

Bereits Anfang September hatte die Kommission darauf hingewiesen, dass die Auswertung des Audits mehrere Wochen oder sogar Monate dauern könne.

Brasilien rechnet mit baldiger Rückkehr auf den EU-Markt

Brasiliens Landwirtschaftsministerium zeigt sich deutlich optimistischer. Nach seiner Darstellung bewerteten die europäischen Prüfer die Kontrollen positiv. Damit sieht das Ministerium Geflügelfleisch und Honig auf dem Weg zurück in den europäischen Markt.

Nun müsse lediglich der weitere bürokratische Prozess abgeschlossen werden. Brasilien erwartet deshalb, bald wieder als zugelassener Lieferant für Geflügelfleisch und Honig in die EU gelistet zu werden.

Für den europäischen Geflügelmarkt ist der Zeitpunkt relevant. Brasilien zählt weltweit zu den größten Produzenten und Exporteuren von Geflügelfleisch. Eine Wiederzulassung würde brasilianischen Anbietern den direkten Zugang zum EU-Markt wieder ermöglichen.

Fehlende Nachweise lösten EU-Importverbot aus

Seit dem 3. September gilt in der EU ein Importverbot für mehrere brasilianische Agrarprodukte. Betroffen sind unter anderem Geflügelfleisch, Honig und Rindfleisch.

Auslöser waren fehlende beziehungsweise zu spät vorgelegte Nachweise. Brasilien musste belegen, dass die Tiere beziehungsweise Bienen während ihrer gesamten Lebensdauer nicht mit antimikrobiellen Wirkstoffen zur Leistungsförderung behandelt wurden. Die EU verbietet den Einsatz solcher Wirkstoffe.

Bei Geflügelfleisch und Honig konnte Brasilien die geforderten Nachweise wegen der vergleichsweise kurzen Produktionszyklen bereits im Sommer nachreichen.

EU-Mitgliedstaaten müssen einer Wiederzulassung zustimmen

Ob die Nachweise ausreichen, müssen nun die europäischen Behörden bewerten. Fällt die Prüfung positiv aus, ist damit jedoch noch nicht automatisch der Weg für neue Lieferungen frei.

Auch die Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) müssen einer Wiederzulassung zustimmen. Erst danach könnte brasilianisches Geflügelfleisch wieder regulär auf den EU-Markt gelangen.

Bei brasilianischem Rindfleisch dauert die Prüfung länger

Für Rindfleisch ist eine schnelle Lösung weniger wahrscheinlich. Wegen der deutlich längeren Produktionszyklen kann Brasilien die geforderten Nachweise nicht so kurzfristig erbringen wie bei Geflügel.

Während sich die Dokumentation bei Geflügelfleisch vergleichsweise schnell auf vollständige Produktionszyklen stützen kann, dauert dies bei Rindern etwa zwei Jahre. Eine Wiederzulassung von brasilianischem Rindfleisch dürfte deshalb später folgen.

Brasilianische Fleischwirtschaft sieht EU-Markt als schwer ersetzbar

Die brasilianische Fleischexportwirtschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Der Branchenverband ABIEC bezeichnet die unterbrochenen Lieferungen in die EU als besonders problematisch.

Nach Angaben des Verbandes lässt sich der europäische Absatzmarkt nicht ohne Weiteres durch andere Abnehmer ersetzen. Das gilt vor allem für hochwertige Teilstücke. China kauft nach Darstellung des Verbandes dagegen vor allem größere Fleischpartien zur weiteren Verarbeitung im eigenen Land.

Für Brasilien bleibt die Rückkehr auf den europäischen Markt deshalb wirtschaftlich wichtig. Wann Geflügelfleisch tatsächlich wieder in die EU geliefert werden darf, hängt nun von der Bewertung der Europäischen Kommission und der Zustimmung der Mitgliedstaaten ab.

Geflügelnews, AgE
Bild: EduardoFP7/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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