Noch bevor eine Junghenne ihr erstes Ei legt, stellt sich ihr Knochenstoffwechsel grundlegend um. Neue Studien zeigen, welche Rolle Calcium und Phosphor dabei spielen.
Wer die Knochen von Legehennen möglichst lange stabil halten will, muss bereits vor dem ersten Ei ansetzen. Denn mit Beginn der Legetätigkeit verändert die Henne ihren Mineralstoffwechsel grundlegend. Ihr Körper muss von nun an kontinuierlich große Mengen Calcium für die Eierschalen bereitstellen.
Für Legehennenhalter bedeutet das: Die Tiere müssen genügend Calcium über das Futter aufnehmen. Gleichzeitig gilt es, die körpereigenen Reserven möglichst zu schonen. Dabei spielt eine besondere Knochenstruktur eine zentrale Rolle – der sogenannte Markknochen (medullary bone).
Markknochen dient der Legehenne als Calciumdepot
Der Markknochen entsteht rund um die Geschlechtsreife in den Hohlräumen der Röhrenknochen. Er unterscheidet sich deutlich vom strukturellen Knochen, der dem Skelett Stabilität verleiht.
Die Henne kann Markknochen schnell auf- und wieder abbauen. Dadurch steht ihr ein kurzfristig verfügbares Depot für Calcium zur Verfügung. Dieses benötigt sie insbesondere für die Bildung der Eierschale.
Damit erfüllt der Markknochen während der Legeperiode eine wichtige Aufgabe: Er hilft der Henne, den hohen und regelmäßig wiederkehrenden Calciumbedarf für die Eierproduktion zu decken.
Knochenstoffwechsel verändert sich schon vor dem ersten Ei
Wie früh sich der Organismus auf die Legeperiode vorbereitet, zeigen Untersuchungen des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf und der Universität Hohenheim. Die Wissenschaftler untersuchten kommerzielle Legehennenlinien zwischen der 16. und 24. Lebenswoche. Dabei analysierten sie unter anderem Knochen, Blut und Nieren.
Die Veränderungen beginnen bereits vor dem ersten Ei. Zunächst baut der Organismus vorhandenes Knochenmark um. Gleichzeitig verändert sich der Hormonhaushalt. Auch die Nieren passen den Umgang mit Calcium und Phosphor an die bevorstehende Legetätigkeit an.
Bei Legehennen mit hoher Legeleistung zeigte sich zwischen der 20. und 21. Lebenswoche eine deutliche Anpassung der Nieren an die beginnende Eierproduktion. Dadurch blieb ausreichend Calcium im Blut verfügbar – eine wichtige Voraussetzung für die Bildung stabiler Eierschalen.
Legehennen bauen gezielt Calciumreserven auf
Erst nach diesen Anpassungen beginnt der gezielte Aufbau des Markknochens. Innerhalb weniger Wochen entsteht ein schnell mobilisierbares Depot aus Calcium und Phosphor.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Menge der verfügbaren Mineralstoffe. Darm, Nieren, Knochen und Legeapparat müssen zeitlich aufeinander abgestimmt arbeiten.
Für die Henne ist dieses Zusammenspiel von großer Bedeutung. Schließlich muss sie während der Legeperiode regelmäßig erhebliche Mengen Calcium für die Eierschalen bereitstellen, ohne dabei die Stabilität ihres Skeletts übermäßig zu beeinträchtigen.
Auch Phosphor spielt für den Markknochen eine wichtige Rolle
In der Legehennenfütterung steht häufig Calcium im Mittelpunkt. Doch auch Phosphor gehört zum Mineralstoffwechsel des Knochens.
Eine weitere Studie untersuchte deshalb, wie der Markknochen reagiert, wenn Legehennen vorübergehend keinen mineralischen Phosphor über das Futter erhalten. Die Forschenden untersuchten Lohmann-Genetiken in zwei Lebensphasen – unmittelbar vor und kurz nach Beginn der Legetätigkeit.
Trotz der zeitweise ausbleibenden Supplementierung mit mineralischem Phosphor fanden die Wissenschaftler keine Hinweise auf eine beeinträchtigte Entwicklung von Knochen- und Immunzellen. Mit zunehmendem Alter der Hennen nahm die Zahl verschiedener Immunzelltypen zu.
Die Ergebnisse zeigen, wie genau sich der Markknochen auf molekularer Ebene an die physiologischen Anforderungen während des Legebeginns anpasst.
Darauf sollten Legehennenhalter rund um den Legebeginn achten
Für die Praxis rückt damit besonders der Übergang von der Aufzucht in die Legephase in den Fokus. Futteraufnahme, Körperentwicklung, Mineralstoffversorgung, Stoffwechsel und beginnende Legeleistung müssen möglichst gut zusammenspielen.
Dabei gilt es auch, Unterschiede zwischen einzelnen Tieren und Genetiken zu berücksichtigen. Nicht jede Henne erreicht zum gleichen Zeitpunkt die Geschlechtsreife oder beginnt im selben Alter mit der Eiablage.
Die neuen Erkenntnisse können deshalb dazu beitragen, Fütterungsstrategien künftig noch genauer an diese sensible Phase anzupassen. Auch für die Zucht liefern die Untersuchungen neue Ansatzpunkte, um die Knochengesundheit von Legehennen langfristig zu verbessern.
Knochengesundheit beginnt bereits in der Aufzucht
Für Betriebsleiter lautet die zentrale Botschaft: Erst mit dem Beginn der Legeperiode auf die Knochen zu schauen, greift zu kurz. Der Umbau des Stoffwechsels beginnt bereits Wochen vor dem ersten Ei.
Eine stabile Aufzucht und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen schaffen wichtige Voraussetzungen für die spätere Legeperiode. Fütterung, Körperentwicklung und Haltung sollten dabei zusammenpassen. So lässt sich die Henne dabei unterstützen, trotz hoher Legeleistung ihr Skelett möglichst lange stabil zu halten.
Interdisziplinäres Konsortium: Dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert (Projektnummer: 322916021).
Referenzen:
“Cell population dynamics revealed by transcriptome deconvolution from femoral medullary tissue of laying hens subjected to mineral phosphorus depletion” (Molecular and Cellular Endocrinology, 2026. DOI: 10.1016/j.mce.2026.112868)
“Transcriptional and endocrine orchestration of medullary bone formation and mineral turn-over in female chickens” (Poultry Science, 2025. DOI: 10.1016/j.psj.2025.105798)






































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