Split Feeding als Schlüssel zur längeren Nutzungsdauer von Legehennen

03 Mai 2026
Futter
Henne und Futter

Gezielte Fütterung kann die Leistung von Legehennen deutlich stabilisieren. Alexander Groppe erklärt, wie das Konzept Split Feeding biologische Abläufe nutzt und Betrieben wirtschaftliche Vorteile bringt.

Alexander Groppe, Spezialberater im Geflügelbereich beim international tätigen Mischfutterunternehmen ForFarmers Team Agrar erläuterte bei einer Veranstaltung des Netzwerkes Tierwohl, wie die Haltungsdauer über das Futter stabil und wirtschaftlich verlängert werden kann und welche Vorteile das Konzept »Split Feeding« bietet.

Legehennen reagieren sensibel auf ihr Umfeld

Die Legehenne sei ein kleines, hochsensibles Tier, erklärt Groppe. Dadurch reagiere sie stark auf Umwelt- und Managementfaktoren.

„Die Entwicklung ist einfach schnell vorangeschritten“, so Groppe. Besonders die verlängerte Nutzungsdauer stelle neue Anforderungen an Haltung und Fütterung. Auch Managementprobleme spielen eine Rolle – etwa fehlende Fachkräfte im Stall.

„Ein ausgebildeter Geflügelwirt ist kaum noch zu finden“, beschreibt er eine Entwicklung, die sich direkt auf Tiergesundheit und Versorgungssicherheit auswirken könne.

Futter als Schlüssel: Struktur, Rohstoffe und Timing

Ein zentraler Punkt ist für Groppe das Futter selbst. Legehennen seien „sensorische Fresser“ – sie wählen nach Struktur, Partikelgröße und sogar Farbe. Deshalb spiele die physische Beschaffenheit des Futters eine entscheidende Rolle. Hinzu komme die hohe Dynamik bei Rohstoffen. Deshalb würden regelmäßig Proben genommen und Rezepturen angepasst. Besonders der Getreideanteil – etwa 60 Prozent aus Weizen und Mais – müsse flexibel kalkuliert werden. Auch die Fütterungszeiten seien entscheidend, um die Nährstoffaufnahme über den Tag hinweg optimal zu gestalten.

Split Feeding folgt dem Rhythmus der Eibildung

Der zentrale Ansatz des Vortrags ist das sogenannte Split Feeding – eine Fütterungsstrategie, die sich direkt am biologischen Rhythmus der Eibildung orientiert. Statt eines einheitlichen Alleinfutters wird die Tagesration in zwei Komponenten aufgeteilt:

  • Morgenfutter: energiereich, proteinreich, phosphorreicher, calciumreduziert – Fokus auf den Ei-Inhalt
  • Mittagfutter: calciumreich, energie- und proteinreduziert – Fokus auf die Eischale

Hintergrund ist der genaue Ablauf der Eibildung: Bereits 30 Minuten nach dem Legen beginnt der nächste Zyklus. Über mehrere Stunden entsteht zunächst das Eiweiß, anschließend die Schalenmembran und schließlich über rund 21 Stunden die Schale – ein energie- und calciumintensiver Prozess.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Der Tagesrhythmus der Nährstoffe

Eine zentrale Erkenntnis aus Versuchen zeigt Groppe zufolge, dass klassische Alleinfuttermittel den natürlichen Bedarf der Tiere nicht optimal abbilden. Über den Tag hinweg entstehen Phasen von Über- und Unterversorgung – insbesondere bei Energie, Protein und Calcium. Split Feeding soll genau diese Diskrepanz ausgleichen und die Versorgung an den physiologischen Bedarf koppeln.

Messbare Vorteile im Stall

Die Effekte des Systems beschreibt Groppe klar wirtschaftlich:

  • bessere Eischalenqualität
  • mehr sortierfähige Eier
  • geringere Futterkosten
  • reduzierte Kotmenge und Entsorgungskosten

Versuche zeigen zudem eine um bis zu 1–3 Newton höhere Bruchfestigkeit der Schalen sowie weniger Knick- und Schmutzeier.

Technik und Umsetzung im Stall

Voraussetzung für Split Feeding ist allerdings Infrastruktur, das bedeutet mindestens zwei Silos pro Stall, eine automatische Futterumstellung sowie präzise Dosiersysteme.

„Wir empfehlen sogar drei Silos“, sagt Groppe – bei Neubauten seien auch fünf sinnvoll, um maximale Flexibilität zu erreichen.

Die Umsetzung erfolgt meist über Stallcomputer und Zubringersysteme, die das Morgen- und Mittagfutter getrennt in die Ketten einbringen.

Praxisberichte bestätigen den Ansatz

Aus rund 50 Betrieben berichtet Groppe von durchweg positiven Effekten:

  • geringere Futteraufnahme (3–5 g pro Tier)
  • weniger Wasserverbrauch
  • trockenerer Kot
  • bessere Tiergesundheit
  • kaum Fettleber- oder Darmprobleme
  • weniger Federpicken
  • stabilere Eischalenqualität

„Die Betriebe, die das machen, wollen eigentlich nicht mehr zurück“, fasst er zusammen.

Fazit: Fütterung als Schlüssel für längere Nutzungsdauer

Am Ende bleibt für Groppe eine klare Botschaft: Futter ist nur eine von mehreren Stellschrauben – aber eine entscheidende. Split Feeding ermögliche eine präzisere Nährstoffversorgung, bessere Produktqualität und zugleich wirtschaftliche Vorteile. Und doch ist sein Schluss weniger technisch als praktisch: Landwirte sollten sich Unterstützung holen.

„Nutzen Sie die Form der Beratung“, sagt er – denn gerade bei komplexen Systemen entscheide nicht nur das Futter, sondern auch das Management über den Erfolg.

Magdalena Esterer
Bild: Agrio
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

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