Eiermarkt boomt: Was Betriebe jetzt wissen müssen

17 September 2026
Legehenne
Jakobs

Der Eiermarkt bietet Legehennenhaltern derzeit ungewöhnlich gute ökonomische Perspektiven. Beim Fachgespräch Legehenne in Haselünne zeigten konkrete betriebswirtschaftliche Zahlen, was dabei aktuell möglich ist – und wo die Grenzen liegen. 

Hohe Eierpreise machen neue Legehennenställe interessant

Dass der Einstieg in die Legehennenhaltung nach wie vor eine interessante Option für landwirtschaftliche Betriebe ist, zeigte das Fachgespräch Legehenne im niedersächsischen Haselünne. Es war sehr gut besucht. Die hohen Eierpreise sorgen aktuell für erfreuliche Bilanzen beim Betriebszweig Legehennenhaltung. So ist es verständlich, dass es vermehrt Überlegungen und Planungen von Neubauten, aber auch von Umbauten für die Haltung von Legehennen gibt. 

Doch bei Investitionssummen von schnell 1,5 Mio. Euro und mehr sind konkrete Planungszahlen nötig. Die lieferte in Haselünne Dominik Jakobs. Er ist Geflügelfachberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Bei seinem Vortrag waren die Zuhörerplätze restlos belegt. Dominik Jakobs stellte Grundplanungen für einen Feststall mit 15.000 Plätzen in konventioneller Freilandhaltung sowie für 12.000 Plätze in ökologischer Haltung vor. Diese beiden Haltungsformen stehen derzeit im Fokus von Neueinsteigern oder Betrieben mit Erweiterungsplänen. 

Ein Stallplatz kann schnell 130 Euro kosten

Der Berater betonte, dass die Baukosten für einen neuen Stall immer sehr individuell sind. Er setzte für seine Beispielsberechnung eine Investitionssumme von aktuell 110 Euro/Stallplatz bei einem 15.000er Stall für konventionelle Freilandhaltung an. Diese Summe kann sich jedoch schnell in Richtung 120 oder 130 Euro bewegen, so Jakobs. Analog dazu setzte er beim Ökostall mit 12.000 Plätzen etwa 150 Euro/Platz an, Tendenz 160 oder sogar 170 Euro angesichts der laufend steigenden Baukosten. 

Weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Zinshöhe für das Baudarlehen. Ein halbes Prozent mehr Zinsen macht sich bei 18 Jahren Abschreibung beim vermarktungsfähigen Ei mit einer deutlichen Fixkostenerhöhung bemerkbar. Beim Ökostall, 170 Euro Baukosten/Platz und 4,5 Prozent liegt die Fixkostenbelastung pro Ei bei über 5 Cent. 

Die Vorträge beim Fachgespräch stießen auf großes Interesse.

Fünf Arbeitsstunden täglich für 15.000 Legehennen

Für den 15.000er konventionellen Stall rechnete er mit fünf Stunden Arbeitszeitbedarf jeden Tag, davon 2-3 Stunden für Eiersortieren und Abpacken, zwei Stunden für die Tierkontrolle und Stalldurchgänge, für Misten, Auslaufpflege und das Bereitstellen von Beschäftigungsmaterial eine weitere Stunde täglich. Bei -konservativ gerechneten – 290 Eiern je Henne und 25 Euro Stundenlohn sind das Kosten von 1,10 Cent pro Ei. 

Junghennen sind deutlich teurer geworden

Durch das Verbot des Kükentötens sind die Junghennen ein stark gestiegener Kostenfaktor in der Legehennenhaltung. Derzeit kostet eine konventionelle Junghenne ca. 10 Euro, eine Bio-Junghenne das Doppelte. Durch eine längere Haltungsdauer können diese gestiegenen Kosten zum Teil wieder aufgefangen werden. Dominik Jakobs Faustzahl dabei: „Jede Produktionswoche länger senkt die jährlichen Kosten um 1.000 bzw. 2.000 Euro“. 

Die Futterkosten machen in der Tierproduktion generell einen hohen Anteil der Kosten aus. In der Legehennenhaltung sind es etwa 43 Prozent und damit der größte Hebel, die Kosten ggf. zu reduzieren. Als weitere variable Kosten sind Wasser, Strom, Heizung, Ausstallen der Althennen, Tiergesundheitskosten, Versicherung, Tierseuchenkasse oder Einstreu und Beschäftigungsmaterial zu nennen. Sie schlagen mit 1 Cent/Ei zu Buche. 

Zwischen 9.000 und 93.000 Euro Gewinn liegen nur wenige Cent je Ei

In seinen Beispielrechnungen kam Dominik Jakobs auf Gesamtkosten von 12,74 -14,78 Cent/vermarktungsfähiges Ei. Bei einem angenommenen Erlös von 15 Cent/Ei liegt der Gewinn beim 15.000er Stall zwischen 9.000 und 93.000 Euro! Allein diese Zahl zeigt, wie groß der Unterschied beim Gewinn sein kann. Hier ist auch unternehmerisches Handeln gefragt! Das Resümee aus den Beispielrechnungen: 

  • Baukosten konsequent vergleichen
  • Lange Nutzungsdauer der Herde anstreben
  • Futtereffizienz im Fokus halten
  • Finanzierung frühzeitig absichern
  • Stallauslastung maximieren
  • Bei Verträgen Sekundawarenregelung prüfen

Gute Eierpreise dürfen Risiken nicht verdecken

Zu Beginn der Veranstaltung hatten sowohl Manfred Tannen als Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als auch Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, gemahnt, angesichts der sehr erfreulichen Aussichten auf dem Eiermarkt nicht die bestehenden Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren. Sie nannten die steigenden Anforderungen in Richtung Tierwohl, Klima- und Umweltschutz oder auch die Gefahr von Seuchen, volatilen Futtermärkten oder die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland. Auf diese Herausforderungen müssten sich die hiesigen Betriebe einstellen.   

Das Fachgespräch Legehenne ist eine Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Zu den Fachvorträgen gab es eine begleitende Ausstellung von Unternehmen der vorgelagerten Branche.

Thomas Moormann (2. v.l.) und sein Team (v. l.): Hubert Baalmann, Marie Böckelmann und Tobias Bippen

„Die Liquidität von Anfang an im Blick haben“

Thomas Moormann ist Leiter des Agrarteams der Oldenburgischen Landesbank am Standort Meppen, das für die veredlungsstarken Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim zuständig ist. Für ihn und sein Team ist das Fachgespräch Legehenne ein Heimspiel. Viele seiner Kunden informieren sich hier. Zu den ausstellenden Firmen der vorgelagerten Branche gibt es gute Kontakte. Der Neubau von Geflügelställen ist derzeit ein Schwerpunkt der Arbeit seines Teams. Über das reine Vermitteln eines Investitionskredits hinaus sieht er seine Aufgabe in der Begleitung und Beratung der Betriebe vor allem in Sachen Liquidität: 

„Preisbewegungen am Markt, sowohl auf der Erlös- als auch auf der Kostenseite, können die Margen in der Produktion sehr schnell und deutlich verändern. Das hat Auswirkungen auf die betriebliche Liquidität“, sagt er. Die Empfehlung seines Hauses ist, sich beim Neustart in die Legehennenhaltung vertraglich für die ersten Durchgänge abzusichern: „Es gibt Eiervermarkter, die dabei eine Kopplung des Futterpreises an den Eierpreis anbieten: Steigt der Futterpreis, steigt auch der Eierpreis.“ 

Thomas Moormann findet das gerade für Neueinsteiger eine gute Sache: „Man kann sich in Ruhe mit dem neuen Arbeitsfeld und seinen Herausforderungen befassen“, sagt er. Koppelverträge böten in diesem Sinne eine Abfederung bei der betrieblichen Liquidität. 




















Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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