Getreide bleibt teuer – und damit ein entscheidender Kostenfaktor für Geflügelhalter. Trockenheit, höhere Energiepreise und geringere Exporte aus der Schwarzmeerregion treiben den Markt. Martin Koch von TiBa Kraftfutter erklärt, warum er vorerst nicht mit deutlich sinkenden Preisen rechnet.
Die derzeit hohen Getreidepreise sind eine Mischung aus realer Angebotsverknappung, höheren Energiekosten, Ernteausfällen und geopolitischen Risiken. Gleichzeitig sollten Marktteilnehmer Nachrichten kritisch prüfen, bevor sie aufgrund einzelner Schlagzeilen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen treffen.
Martin Koch, Einkaufsleiter und Prokurist bei TiBa Kraftfutter, erklärt die wichtigsten Entwicklungen am Getreidemarkt der vergangenen Monate.
1. Höhere Energiepreise verteuern auch den Transport
Die Entwicklungen rund um den Iran haben zu höheren Energiepreisen geführt. Dadurch sind auch die Transportkosten gestiegen, was sich auf die Preise für Agrarprodukte auswirkt.
2. Trockenheit lässt das Getreideangebot schrumpfen
Die große Trockenheit von Ende Juni bis Mitte August, insbesondere in Frankreich und Deutschland, hat die Maisernte deutlich beeinträchtigt. Gleichzeitig war die Getreideernte zwar ordentlich, aber schwächer als in den Vorjahren. Das knappe Angebot sorgt für steigende Preise.
3. Weniger Getreide aus Russland und der Ukraine erreicht den Markt
Durch Angriffe auf Häfen und Getreide-Infrastruktur können aktuell weniger Mengen aus der Ukraine und Russland exportiert werden. Dadurch entsteht kurzfristig eine Verknappung auf dem Weltmarkt. Koch geht allerdings davon aus, dass diese Mengen später wieder auf den Markt kommen könnten.
4. Warum eine Schlagzeile die Getreidepreise bewegen kann
Ein wichtiger Kritikpunkt: Nachrichten und Schlagzeilen können die Börsenpreise stark bewegen, auch wenn die zugrunde liegende Information wenig Neues enthält. Als Beispiel nennt Koch die Meldung über mögliche Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine sowie angeblich neu eingeführte Exportzölle von null Prozent. Bei genauerer Recherche stellte sich jedoch heraus, dass die russischen Exportzölle bereits zuvor bei null Prozent lagen und diese Regelung lediglich verlängert wurde. Trotzdem hatte die Schlagzeile unmittelbar deutliche Auswirkungen auf den Markt.
Getreidepreise dürften vorerst auf hohem Niveau bleiben
Für die kommenden Monate erwartet Koch ein relativ stabiles, weiterhin erhöhtes Getreidepreisniveau. Sobald die aktuell zurückgehaltenen Mengen aus Russland und der Ukraine wieder stärker auf den Markt kommen, besteht die Hoffnung auf eine Beruhigung der Preise im kommenden Jahr. Die derzeit hohen Getreidepreise sind eine Mischung aus realer Angebotsverknappung, höheren Energiekosten, Ernteausfällen und geopolitischen Risiken. Gleichzeitig sollten Marktteilnehmer Nachrichten kritisch prüfen, bevor sie aufgrund einzelner Schlagzeilen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen treffen.
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