In der Produktionshalle des Eierpackzentrums Van Zetten in Tiel (Niederlande) stehen zwei Sortieranlagen des Herstellers Moba. Noch im Laufe dieses Jahres soll eine dritte Anlage hinzukommen.
Wie lange bleiben die Eierpreise auf ihrem hohen Niveau? Welche Rolle spielt die NOP-Notierung, und welche Folgen hätte eine Impfpflicht gegen Vogelgrippe? Im dritten Teil unserer Serie erläutert Eierhändler Roel van Zetten seine Einschätzung zur Entwicklung des Eiermarktes und blickt auf die Zukunft der europäischen Legehennenhaltung.
NOP-Notierung aus Sicht des Eierhandels
Die niederländische NOP-Eiernotierung steht regelmäßig in der Kritik. Viele Legehennenhalter und die Unie van Pluimvee Producenten (UPP) halten sie für wenig aussagekräftig. Sie verweisen auf hohe Zuschläge im Handel sowie auf Spotmarktpreise, die zum Teil deutlich über der offiziellen Notierung liegen.
Roel van Zetten bewertet die Situation anders.„Die NOP ist eine verlässliche Marktorientierung. In einem Markt mit starken Preisschwankungen lässt sich nicht vermeiden, dass sie zeitweise etwas über oder unter dem tatsächlichen Marktpreis liegt.“
Preisvergleiche führen häufig in die Irre
Nach Ansicht des niederländischen Eierhändlers werden unterschiedliche Preisnotierungen häufig miteinander verglichen, obwohl sie verschiedene Marktsegmente abbilden.
Die Barneveld-Notierung basiere auf einem vergleichsweise kleinen Markt für braune Eier und lasse sich deshalb nicht auf den gesamten niederländischen Eiermarkt übertragen. Hinzu komme, dass der Lebensmitteleinzelhandel heute überwiegend weiße Eier nachfrage.
Auch die deutsche Weser-Ems-Notierung hält Van Zetten nur eingeschränkt für vergleichbar. Sie beziehe sich auf Eier aus der OKT-Produktion (ohne Kükentöten), während die NOP-Notierung weiterhin Eier aus der MKT-Produktion (mit Kükentöten) abbilde.
Spotmarkt zeigt keine durchschnittliche Marktlage
Dass auf dem Spotmarkt teilweise deutlich höhere Preise gezahlt werden, bestreitet Van Zetten nicht. Diese Geschäfte seien jedoch meist kurzfristige Ergänzungskäufe kleiner Mengen.
„Solche Preise entstehen häufig, wenn Packstellen kurzfristig Ware benötigen, um Lieferverträge mit dem Lebensmitteleinzelhandel zu erfüllen. Sie spiegeln deshalb nicht die allgemeine Marktlage wider.“
Weiße Eier haben braune weitgehend verdrängt
Auch bei den Verbraucherwünschen hat sich nach Einschätzung des Unternehmens ein deutlicher Wandel vollzogen. „Früher verlangte der Handel überwiegend braune Eier. Heute dominieren weiße Eier eindeutig“, berichtet Albart van Zetten.
Nach Angaben des Unternehmens entfallen nur noch rund fünf Prozent des vermarkteten Sortiments auf braune Eier. Roel van Zetten schätzt, dass lediglich noch etwa ein Fünftel bis ein Viertel der niederländischen Legehennen braune Eier legt.
Viele Direktvermarkter hätten anfangs befürchtet, mit weißen Eiern Kunden zu verlieren. Diese Sorge habe sich nach seinen Erfahrungen jedoch kaum bestätigt.
Eierpreise bleiben nicht dauerhaft auf Rekordniveau
Seit Ende 2022 bewegen sich die Eierpreise auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Hauptursache seien die weltweiten Vogelgrippeausbrüche und die dadurch eingeschränkte Produktion.
Langfristig rechnet Van Zetten jedoch mit einer Normalisierung.„Niemand kann die Marktentwicklung sicher vorhersagen. Grundsätzlich bin ich für die Zukunft aber optimistisch.“ Die Legehennenbranche habe in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie sich schnell auf neue Anforderungen einstellen könne. Als Beispiele nennt Van Zetten die Umstellung auf käfigfreie Haltung, den Verzicht auf das Schnabelbehandeln, VLOG-Programme sowie die Produktion ohne Kükentöten (OKT).
Käfigeier verlieren weiter an Bedeutung
Für die kommenden Jahre erwartet Van Zetten eine weitere Verlagerung der Käfigeierproduktion aus der Europäischen Union.
Sollten Käfighaltungssysteme künftig verboten werden, werde sich die Produktion nach seiner Einschätzung stärker nach Osteuropa und Asien verlagern. Betriebe in den Niederlanden und anderen EU-Staaten müssten dann auf Boden-, Freiland- oder Biohaltung umstellen oder die Produktion aufgeben.
Deutschland bleibt wichtiger Absatzmarkt
Trotz wachsender Legehennenbestände in Deutschland sieht Van Zetten keine Gefahr für den Absatz niederländischer Konsumeier.
Nach seiner Einschätzung wird Deutschland auf absehbare Zeit nicht selbst genügend Eier produzieren können.
„Das niederländische Ei genießt in Deutschland einen sehr guten Ruf. Davon kann unsere Branche auch künftig profitieren – vorausgesetzt, die Betriebe erfüllen dauerhaft die Anforderungen des KAT-Systems.“
Impfpflicht gegen Vogelgrippe bereitet wenig Sorgen
Die niederländische Regierung arbeitet gemeinsam mit der Branche an einem Konzept für eine mögliche verpflichtende Impfung von Legehennen gegen die Vogelgrippe.
Roel van Zetten rechnet allerdings nicht mit einer kurzfristigen Einführung. Selbst wenn eine Impfpflicht komme, erwartet er keine wesentlichen Auswirkungen auf den Absatz von Konsumeiern in Deutschland und den Niederlanden.
Anders bewertet er die Situation beim Export von Eiprodukten. Unternehmen, die Eipulver in Drittländer liefern, könnten durch unterschiedliche Importvorgaben stärker betroffen sein.
Früher Ausstieg aus dem Käfigeiergeschäft
Bereits 1999 zog sich Van Zetten vollständig aus dem Handel mit Käfigeiern zurück. Stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen frühzeitig auf Eier aus Boden-, Freiland- und Biohaltung.
Diese Entscheidung bewertet Roel van Zetten heute als richtungsweisend.
Inzwischen stammen nahezu alle vermarkteten Eier aus alternativen Haltungsformen. Viele Lieferbetriebe erzeugen zusätzlich nach Programmen wie Beter Leven, IKB oder KAT. Rund 98 Prozent der von Van Zetten vermarkteten Eier stammen heute aus der Produktion ohne Kükentöten (OKT).
Serie abgeschlossen
Mit dem dritten Teil endet unsere Serie über den niederländischen Eierhändler Van Zetten. Nach dem Neubau des hochmodernen Packzentrums (Teil 1) und der Zusammenarbeit mit selbstständigen Legehennenhaltern (Teil 2) stand diesmal die Einschätzung des Unternehmens zur Entwicklung des Eiermarktes, zu Preisnotierungen und zu den Perspektiven der europäischen Legehennenhaltung im Mittelpunkt.




































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