Eierhandel ohne Integration: Warum Van Zetten auf selbstständige Legehennenhalter setzt

01 August 2026
Eiersortiermaschinen und Transportbänder
Packstelle van Zetten

Blick von oben - die neue, moderne Eierpackstation des Eierhandels Van Zetten in Tiel (Niederlande).

Während andere große Agrarbetriebe auf vertikale Integration setzen, verfolgt der niederländische Eierhändler Van Zetten einen anderen Weg. Das Familienunternehmen arbeitet überwiegend mit selbstständigen Legehennenhaltern zusammen und setzt auf langfristige Partnerschaften. Im zweiten Teil unserer Serie erklärt Geschäftsführer Roel van Zetten, warum dieses Modell aus seiner Sicht erfolgreicher ist.

Der niederländische Eierhändler Van Zetten will seinen Absatz in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Zusätzliche Mengen sollen vor allem aus Deutschland und den Niederlanden kommen. Eine stärkere Einbindung eigener Legehennenbetriebe plant das Unternehmen dagegen nicht.

„Wir glauben an selbstständige Legehennenhalter. Sie verfügen über das notwendige Fachwissen und treffen ihre Entscheidungen eigenverantwortlich“, sagt Geschäftsführer Roel van Zetten.

Deutschland gewinnt als Lieferland an Bedeutung

Während die Legehennenbestände in den Niederlanden und Belgien zuletzt zurückgingen, wächst die Eierproduktion in Deutschland weiter. Nach Angaben von Van Zetten entstehen dort zunehmend neue Legehennenställe mit rund 15.000 Tierplätzen.

Davon profitiert auch das Unternehmen. Immer häufiger wenden sich deutsche Legehennenhalter an Van Zetten und bieten ihre Eier zur Vermarktung an.

„Wir wollen unser Wachstum Schritt für Schritt fortsetzen. Der Neubau unseres Packzentrums schafft dafür die nötigen Kapazitäten“, erklärt Van Zetten.

Zusätzlich sieht das Unternehmen Chancen in neuen Geschäftsfeldern. So könnte künftig auch das Färben von Eiern Teil des Angebots werden – insbesondere für den deutschen Markt.

Verlässlicher Partner auch in schwierigen Marktphasen

Die vergangenen Jahre mit zahlreichen Vogelgrippeausbrüchen haben den Eierhandel stark belastet. Trotzdem habe das Unternehmen alle Liefervereinbarungen eingehalten.

„Teilweise mussten wir wegen Restriktionsgebieten sehr teure Eier zukaufen, um unsere Lieferverpflichtungen gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel zu erfüllen“, berichtet Albart van Zetten.

Diese Verlässlichkeit sei ein wichtiger Baustein der Unternehmensphilosophie.

Im Packzentrum spielt Hygiene eine zentrale Rolle. Deshalb müssen sich alle Besucher und Mitarbeitenden beim Betreten des Gebäudes die Hände waschen.

Biosicherheit endet nicht am Hoftor

Ein zentrales Thema bleibt für Van Zetten die Hygiene entlang der gesamten Lieferkette.Alle Mehrweg-Kunststoffverpackungen werden vor der Rücklieferung an die Legehennenbetriebe gründlich gereinigt. Dafür verfügt das neue Packzentrum über einen eigenen Waschbereich, der kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Zusätzlich desinfiziert das Unternehmen die Räder aller Transportfahrzeuge, bevor diese einen Betrieb anfahren. Auch den Fahrern kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

„Sie kennen unsere Hygienevorschriften genau und wissen, wie empfindlich Eier transportiert werden müssen. Deshalb sind sie für uns wichtige Ansprechpartner auf den Betrieben“, erklärt Albart van Zetten.

Zum Packzentrum gehört eine eigene Lkw-Waschanlage. Sie trägt dazu bei, die hohen Hygienestandards im Betrieb einzuhalten.

Eigene Betriebe bleiben die Ausnahme

Zum Unternehmen gehören derzeit vier eigene Legehennenbetriebe. Eine deutliche Ausweitung dieses Betriebszweigs ist jedoch nicht geplant.

Stattdessen setzt Van Zetten weiterhin auf die Zusammenarbeit mit unabhängigen Familienbetrieben.

„Der überwiegende Teil unserer Eier stammt von selbstständigen Legehennenhaltern“, betont Roel van Zetten.

Keine vertikale Integration wie in der Broilerbranche

Modelle mit einer vollständigen vertikalen Integration, wie sie in der Broilerproduktion verbreitet sind, sieht Van Zetten kritisch.

Dort geben häufig Schlachtunternehmen oder Futtermittelhersteller vor, aus welchen Brütereien oder von welchen Futtermittelherstellern die Betriebe ihre Tiere und ihr Futter beziehen.

„In der Legehennenhaltung ist das aus unserer Sicht nicht notwendig. Die Betriebe verfügen über ausreichend Know-how, um diese Entscheidungen selbst zu treffen.“

Gemeinsam Risiken reduzieren

Auf einzelnen Vertragsbetrieben übernimmt Van Zetten die Finanzierung der Herde und beschafft auch das Futter.

Dadurch sinkt das wirtschaftliche Risiko für die Legehennenhalter. Gleichzeitig erhalten die Betriebe ein verlässliches Einkommen und profitieren am wirtschaftlichen Ergebnis.

Nach Ansicht des Unternehmens stärkt dieses Modell die Zusammenarbeit langfristig.

Fokus liegt auf Deutschland und den Niederlanden

Sein weiteres Wachstum will Van Zetten ausschließlich im niederländischen und deutschen Markt erzielen. Eine Expansion nach Polen schließt das Unternehmen derzeit aus.

Eingekauft werden Eier überwiegend in einem Umkreis von rund 400 Kilometern um den Standort Tiel.

Familienunternehmen denkt langfristig

Ein Verkauf des Unternehmens kommt für die Familie nicht infrage.

„Unsere Leidenschaft gilt dem Eierhandel und der Zusammenarbeit mit unseren Legehennenhaltern und Kunden. Das möchten wir auch in Zukunft fortführen“, sagt Roel van Zetten.

Direkte Beziehungen statt Zwischenhandel

Nahezu alle Eier bezieht Van Zetten direkt von den Erzeugerbetrieben. Auf Zwischenhändler verzichtet das Unternehmen weitgehend.

Langfristige Lieferbeziehungen, individuelle Vereinbarungen und gegenseitiges Vertrauen stehen dabei im Mittelpunkt. „Wir stellen hohe Anforderungen an Qualität und Hygiene, bieten unseren Partnern dafür aber auch Sicherheit und Verlässlichkeit.“

UPP ergänzt den Markt

Seit 2022 vermarktet die Unie van Pluimvee Producenten (UPP) die Eier ihrer Mitgliedsbetriebe und spielt inzwischen eine wichtige Rolle auf dem niederländischen Eiermarkt.

Van Zetten bezieht jedoch nur einen kleinen Teil seiner Eier über diese Vermarktungsorganisation. Das Unternehmen setzt weiterhin überwiegend auf langjährige Direktbeziehungen zu den Legehennenhaltern.

Den schnellen Erfolg der UPP erklärt Roel van Zetten vor allem mit der außergewöhnlich angespannten Marktlage der vergangenen Jahre.

„Die UPP startete in einer Phase hoher Nachfrage. Unter anderen Marktbedingungen hätte sich die Entwicklung möglicherweise anders dargestellt.“

Trotz unterschiedlicher Vermarktungsstrategien pflegt Van Zetten nach eigenen Angaben ein gutes und respektvolles Verhältnis zur UPP.

Teil 3 der Serie beschäftigt sich mit der Entwicklung des Eiermarktes. Roel van Zetten erläutert seine Einschätzung zu Eiernotierungen, der Zukunft weißer und brauner Eier, den Auswirkungen einer möglichen Vogelgrippe-Impfung sowie den Perspektiven der europäischen Legehennenhaltung.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Quinton Hermsen
Quelle: Sterke Erven Pluimvee, Tom Schotman

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