Wohin mit den Althennen wenn immer mehr spezialisierte Schlachtereien schließen?

12 September 2026
Niederlande
Althennen

Wohin mit den Legehennen am Ende der Legeperiode? Nach der Schließung spezialisierter Schlachtereien in den Deutschland und den Niederlanden wird diese Frage drängender. Branchenanalyst Harm Kiezebrink fordert deshalb, die gesamte Verwertungskette für Althennen neu zu denken.

Für Legehennenhalter gehört die Ausstallung am Ende einer Legeperiode zum festen Betriebsablauf. Doch genau dieser Schritt könnte schwieriger werden. In Deutschland und den Niederlanden sind zuletzt spezialisierte Schlachtkapazitäten für Althennen weggefallen.

Neben der Schließung des Geflügelschlachthofs Buckl in Wassertrüdingen und des Geflügelschlachters Geti Wilba aus Bremervörde stellte Ende August auch die Geflügelschlachterei Van der Meer im niederländischen Dronryp ihren Betrieb ein. Das Unternehmen schlachtete täglich rund 40.000 Hennen und nach Schätzungen etwa die Hälfte der niederländischen Althennen. Damit verschwand die letzte niederländische Schlachterei, die sich auf Althennen spezialisiert hatte.

Weniger Schlachtereien werden zum Risiko für Legehennenhalter

Für Harm Kiezebrink, Gründer von The Pivot, Poultry Industry Visionaires & Operational Thinkers, zeigen die Schließungen ein grundsätzliches Problem. Aus seiner Sicht reicht es nicht mehr aus, lediglich nach einer anderen Schlachterei zu suchen.

In seiner unabhängigen Branchenanalyse „De uitgelegde hen in Europa“ betrachtet er deshalb das Ende der Legeperiode als eigenen Teil der Wertschöpfungskette. Seine zentrale Frage: Wie lassen sich ausgediente Hennen künftig verlässlich, wirtschaftlich und verantwortungsvoll ausstallen und verwerten, wenn Schlachtkapazitäten sinken, Transportwege länger werden und sich Absatzmärkte verändern?

Für Legehennenhalter hat das unmittelbare Folgen. Eine neue Herde kann erst einziehen, wenn die alte ausgestallt, der Stall gereinigt und für die nächste Herde vorbereitet wurde. Verfügbare Kapazitäten für die Abnahme der Althennen sind damit Voraussetzung für einen planbaren Produktionsrhythmus.

Lange Transporte können Kostenvorteile wieder aufzehren

Je weniger spezialisierte Schlachtereien zur Verfügung stehen, desto stärker wächst die Abhängigkeit von weiter entfernten oder ausländischen Betrieben. Damit können Transportwege und Kosten steigen. Gleichzeitig nimmt die Planungssicherheit ab.

Hinzu kommt, dass sich mit einer ausgedienten Legehenne nur begrenzte Erlöse erzielen lassen. Dem verkaufsfähigen Fleisch stehen Kosten für Fangen, Transport, Untersuchung, Schlachtung, Personal, Energie, Kühlung, Verarbeitung und weitere Logistik gegenüber.

Kiezebrink schlägt deshalb vor, nicht allein auf den Erlös für die Henne oder die reinen Schlachtkosten zu schauen. Entscheidend sei vielmehr die gesamte Wertschöpfung je Tier: sämtliche Erlöse abzüglich aller Kosten vom Fangen bis zur endgültigen Verwertung.

Müssen alle Althennen für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden?

Damit stellt sich für Kiezebrink eine grundsätzliche Frage: Muss jede gesunde ausgediente Legehenne über die bisherige Schlachtkette für den menschlichen Verzehr vermarktet werden?

Die Nutzung als Lebensmittel bleibt für ihn ausdrücklich eine Möglichkeit. Seine Analyse stellt daneben aber weitere denkbare Verwertungswege zur Diskussion. Nach einer dafür geeigneten Schlachtung könnten Materialströme anderen zulässigen Verwendungen zugeführt werden.

Kiezebrink untersucht zudem, ob sich regional ein zweiter Verarbeitungskanal außerhalb der Lebensmittelkette entwickeln ließe. Dafür würden allerdings andere rechtliche Voraussetzungen gelten. Auch Status und wirtschaftlicher Wert der gewonnenen Materialien könnten sich unterscheiden.

Nach seiner Auffassung sollte die Branche deshalb zunächst klären, welche Produkte und Absatzmärkte infrage kommen. Erst danach sollte entschieden werden, welche Verarbeitungstechnik dafür notwendig ist. Neben Fleisch könnten dabei auch Protein-, Fett- und andere Materialströme eine Rolle spielen.

Regionale Verarbeitung könnte Transportwege für Legehennen verkürzen

Eine regionale Verarbeitung könnte unter bestimmten Voraussetzungen eine Alternative sein. Große ausländische Verarbeiter können zwar niedrigere Verarbeitungskosten je Henne erreichen. Lange Transporte lebender Tiere können einen Teil dieses Kostenvorteils jedoch wieder aufzehren.

Kleinere regionale Lösungen könnten höhere Verarbeitungskosten verursachen, gleichzeitig aber Transportwege verkürzen und die Verfügbarkeit von Abnahmekapazitäten verbessern.

Kiezebrink will deshalb verschiedene regionale Modelle durchrechnen. Dabei sollen unter anderem Tierzahlen, Entfernungen, notwendige Kapazitäten, Investitionen, Arbeits- und Verarbeitungskosten sowie die Erlöse der gewonnenen Produkte berücksichtigt werden.

Ausstallung und Transport sollen als ein System betrachtet werden

Neben der Wirtschaftlichkeit spielt das Tierwohl eine wichtige Rolle. Kiezebrink schlägt vor, Fangen, innerbetrieblichen Transport, Straßentransport und die ersten Verarbeitungsschritte stärker zusammenzudenken.

Das Ziel: Die lebenden Hennen sollen möglichst selten in die Hand genommen werden. Gerade vor dem Hintergrund veränderter Fangverfahren sieht die Analyse hier weiteren Untersuchungsbedarf.

Branche soll handeln, bevor weitere Schlachtkapazitäten verschwinden

Für Legehennenhalter wird damit die Frage wichtiger, was am Ende einer Legeperiode mit ihren Tieren geschieht. Sie brauchen ausreichend Abnahmekapazität, kalkulierbare Kosten und eine zuverlässige Logistik, damit der Wechsel zur nächsten Herde planbar bleibt.

Kiezebrink möchte deshalb Unternehmen und weitere Akteure der Geflügelwirtschaft zusammenbringen. Gemeinsam sollen sie prüfen, ob sich eine regionale Verarbeitung ausgedienter Legehennen wirtschaftlich und praktisch tragen könnte.

Ein fertiges Investitionskonzept liegt damit noch nicht vor. Vielmehr fordert die Analyse die Branche dazu auf, verschiedene Möglichkeiten durchzurechnen – bevor weitere Schlachtkapazitäten verschwinden und die Ausstallung für Legehennenhalter zum Engpass wird.

Geflügelnews, Monique van Loon
Bild: Gerald Burgers

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