Deutschland erzeugt 88 Prozent des Futterproteins selbst – doch wichtige Importe bleiben

11 September 2026
Deutschland
Cord_Schiplage

DVT-Präsident Cord Schiplage


Deutschland deckt 88 Prozent des Rohproteinbedarfs in der Tierernährung mit heimischen Futtermitteln. Trotzdem bleiben Tierhalter bei wichtigen Rohstoffen indirekt vom Weltmarkt abhängig. Der DVT warnt vor neuen Handelshemmnissen und zusätzlichen Kosten.

Die deutsche Tierernährung kann einen großen Teil ihres Rohproteinbedarfs aus heimischen Quellen decken. Nach Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) liegt der Anteil bei rund 88 Prozent. Trotzdem bleibt die Futtermittelwirtschaft bei wichtigen Rohstoffen und Zusatzstoffen auf internationale Lieferketten angewiesen.

Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) fordert deshalb von Bundesregierung und EU politische Rahmenbedingungen, die Lieferketten sichern und die europäische Produktion stärken. Zusätzliche Bürokratie dürfe die Versorgung dagegen nicht erschweren, sagte DVT-Präsident Cord Schiplage auf der 26. DVT-Jahrestagung in Berlin.

Bei Vitaminen und Aminosäuren bleibt Europa abhängig

Besonders deutlich zeigt sich die Importabhängigkeit bei Vitaminen und Aminosäuren. Europa bezieht diese in erheblichem Umfang aus Drittländern, vor allem aus China.

Der DVT fordert deshalb, die Produktion solcher Stoffe in Europa zu fördern. Das soll die Versorgung stabilisieren, wenn internationale Lieferketten ins Stocken geraten.

Auch bei Proteinpflanzen will die EU unabhängiger werden. Ihre Proteinstrategie sieht vor, den Selbstversorgungsanteil bis 2035 von zuletzt 25 auf 35 Prozent zu steigern.

Der DVT warnt jedoch davor, kurzfristig zu viel von einer höheren europäischen Eigenversorgung zu erwarten. Wetterextreme und geopolitische Krisen könnten den Importbedarf weiterhin beeinflussen.

Europa könnte sieben Millionen Tonnen Mais zusätzlich benötigen

Wie schnell sich die Versorgungslage verändern kann, zeigt nach Angaben des Verbands der Maismarkt. Der europäische Mischfutterverband FEFAC rechnet für dieses Jahr mit einem zusätzlichen Importbedarf von rund sieben Millionen Tonnen Mais. Insgesamt könnten die Importe damit bei etwa 26 Millionen Tonnen liegen.

Der DVT hält deshalb offene Handelswege für entscheidend. Bilaterale Abkommen, etwa mit der Ukraine, könnten aus Sicht des Verbands zur Versorgung beitragen und gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen.

Dr. Hermann-Josef Baaken (rechts) erhält den DVT-Award 2026 für seine langjährige Arbeit für die Tierernährungsbranche. Der DVT-Geschäftsführer geht Ende 2026 in den Ruhestand.

DVT kritisiert Kosten der EU-Entwaldungsverordnung

Kritisch sieht der Verband die EU-Entwaldungsverordnung. Nach zwei Verschiebungen soll sie zum 31. Dezember 2026 in Kraft treten.

Nach Erhebungen des DVT sind bereits rund 90 Prozent des in Deutschland eingesetzten Sojaschrots entwaldungsfrei. Gleichzeitig beziffert der Verband die direkten Mehrkosten für Soja nach jüngsten Schätzungen auf rund 1,05 Milliarden Euro bei einem Verbrauch von etwa 35 Millionen Tonnen.

DVT-Präsident Schiplage hält die geplante Regulierung deshalb für einen zusätzlichen Belastungsfaktor in einer ohnehin unsicheren Marktlage.

Auch bei geplanten Änderungen der Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel fordert der Verband Augenmaß. Die Politik solle weiterhin das tatsächliche Risiko berücksichtigen und vor neuen Vorgaben prüfen, wie diese die Futter- und Lebensmittelversorgung beeinflussen.

Niedrigwasser zeigt Schwachstellen der Futterversorgung

Nicht nur Rohstoffe entscheiden darüber, ob Tierhalter zuverlässig mit Futter versorgt werden. Mischfutterwerke benötigen Energie und funktionierende Transportwege. Rohstoffe müssen zu den Werken und fertiges Futter anschließend zu den landwirtschaftlichen Betrieben gelangen.

Die jüngsten Niedrigwasserstände auf den Bundeswasserstraßen haben nach Einschätzung des DVT gezeigt, wie anfällig diese Lieferketten sein können. Wasserstraßen, Schiene und Straße müssten deshalb zuverlässig zusammenspielen.

Gemeinsam mit weiteren Verbänden der Agrar- und Ernährungswirtschaft fordert der DVT von der Bundesregierung, die Verkehrs- und Logistikinfrastruktur kurzfristig zu stabilisieren und langfristig zu stärken.

Futtermittelbranche will sich stärker auf Krisen vorbereiten

Zugleich gewinnt die Krisenvorsorge an Bedeutung. Ausfälle kritischer Infrastruktur könnten auch die Futterversorgung landwirtschaftlicher Betriebe treffen.

Der DVT begrüßt deshalb, dass sich das Bundeslandwirtschaftsministerium intensiver mit der Krisen- und Ernährungsvorsorge beschäftigt. Die Futtermittelwirtschaft will ihre Erfahrungen in entsprechende Krisenpläne einbringen. Ziel ist, dass Unternehmen auch bei Störungen weiter produzieren und landwirtschaftliche Betriebe beliefern können.

Geflügelnews, DVT
Bild: DVT, DVT_Herre

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