Die in Folge des Irankrieges gestiegenen Energiekosten wirken sich gleich zweifach auf die Futtermittelkosten aus: Die Produktion selbst wird teurer, zudem steigen die Logistikosten. Tierhalterinnen und Tierhalter müssen also mit steigenden Futterkosten rechnen. Das sagte DVT-Präsident Cord Schiplage auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes.
Die Futtermittelwirtschaft sieht sich aktuell mit einer Phase hoher Unsicherheit konfrontiert. Geopolitische Konflikte, volatile Rohstoffmärkte und neue regulatorische Anforderungen wirken gleichzeitig auf Märkte und Lieferketten. In diesem Umfeld gewinnen stabile Handelsstrukturen und verlässliche politische Rahmenbedingungen besondere Bedeutung. Das führte Cord Schiplage, Präsident des Deutschen Verband Tiernahrung e.V. (DVT) auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes aus. Er informierte dort über die Entwicklung der deutschen Mischfutterproduktion.
Zuwachs bei Geflügelmast- und Legehennenfutter
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Mischfutterproduktion in Deutschland 2025 von 21,8 auf rund 22,5 Mio. t, das sind 640.000 t oder 2,9 Prozent Zuwachs. Der Produktionsanstieg zeigte sich bei nahezu allen Tierarten. Die Menge an Mastgeflügelfutter wuchs leicht von 4,02 Mio. t auf 4,09 Mio. t (+1,79 %). Beim Legehennenfutter stieg die Menge von 2,37 Mio. t auf 2,46 Mio. t (+4,04 %). Deutlich sagte der DVT-Präsident, dass der massive Vogelgrippe-Zug im vergangenen Herbst/Winter nicht ohne Spuren in der Futtermittelbranche geblieben sei. Infolge von Ausbrüchen gab es gerade in der Veredlungsregion Nord-West-Deutschland viele Stall-Leerstände. Im DVT sind die Futtermittelhersteller aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zur „Region Nord“ zusammengefasst. Hier finden rund 72 Prozent der Futtermittelproduktion Deutschlands statt.
Geopolitische Risiken und drohende Abhängigkeit
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Futtermittelwirtschaft werden zunehmend von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst. Internationale Konflikte und politische Spannungen wirken sich auf Energiepreise, Logistik und Lieferketten aus. Schiplage betont: „Insbesondere Produkte, die in Asien hergestellt und über internationale Seehandelsrouten nach Europa transportiert werden, könnten bei einer weiteren Eskalation von Verzögerungen oder Preissteigerungen betroffen sein. Für Mischfutterhersteller bestätigt sich damit die zusätzliche Unsicherheit bei der Versorgung mit wichtigen Zusatzstoffen wie Vitaminen oder Aminosäuren.“ Der DVT forderte deshalb die EU auf, Maßnahmen zur einer höheren Eigenversorgung Europa zu ergreifen.
Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt ein prägender Faktor für die internationalen Agrarmärkte. Die Exportströme von Getreide und Ölsaaten bewegen sich derzeit weitgehend im normalen Rahmen, jedoch kommt es zeitweise zu Einschränkungen bei einzelnen Rohstoffen. „Wir sind weiterhin besorgt über das Risiko von Lieferkettenstörungen in wichtigen Teilmärkten, insbesondere „non-GM“ und Bio-Soja für Futtermittel, die aus Regionen wie Indien, China und Westafrika (Nigeria) stammen“, führte Schiplage aus.
Regulierung und Bürokratiebelastung
Neben geopolitischen Entwicklungen stellen auch regulatorische Vorgaben eine wachsende Herausforderung für die Futtermittelwirtschaft dar. Dazu zählen unter anderem europäische Nachhaltigkeitsregelungen wie die Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) sowie verschiedene Berichtspflichten im Bereich Nachhaltigkeit. Futtermittelhersteller sehen sich dadurch mit zusätzlichen Anforderungen an Dokumentation, Rückverfolgbarkeit und Lieferkettenmanagement konfrontiert. Die europäische Futtermittelindustrie schätzt die zusätzlichen Kosten nur der Beschaffung von Soja auf rund 1,6 Mrd. Euro für den Verwaltungsaufwand.
Der DVT möchte trotzdem keine Verschiebung der Anwendung, wie sie verschiedentlich diskutiert wurde. Die noch bestehenden Probleme müssten konsequent und zeitnah gelöst werden, damit die EUDR planbar, praktikabel und rechtssicher umgesetzt werden könne.
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