Fütterung und Management in den ersten Lebenswochen prägen die spätere Leistungsfähigkeit von Legehennen. Auf der 30. Internationalen Bioland Geflügel-Fachtagung in Kiel stellte Arndt Schröder von der Universität Rostock Ergebnisse eines Langzeitversuchs mit Junghennen vor. Im Zentrum stehen der Fasergehalt der Ration und der Zeitpunkt der Volierenöffnung.
Auf der 30. Internationalen Geflügel-Fachtagung, die Bioland am 5. und 6. Februar 2026 in Kiel veranstaltete, berichtete Arndt Schröder von der Universität Rostock von einem Forschungsprojekt, bei dem der Einfluss des Fasergehalts im Futter und des Öffnungszeitpunkts der Voliere auf Leistungs- und Gesundheitsparameter von Junghennen untersucht wurden. Der Versuch mit Junghennen der Genetik Lohmann Brown-Classic startete im Januar 2024, die Tiere werden bis zur 84. Lebenswoche begleitet. Die Aufzucht erfolgt in Kitzingen, die Legeperiode auf Haus Düsse; ergänzend werden Bonituren sowie Untersuchungen zu Muskelmagen, Knochenmerkmalen und N- und P-Ansatz durchgeführt.
Faser als funktioneller Faktor
Faserhaltige, voluminöse Futterkomponenten stehen seit Jahren im Fokus der Forschung. Sie können Größe und Ausprägung des Muskelmagens positiv beeinflussen und damit die Futteraufnahmekapazität steigern – ein möglicher Vorteil in der sensiblen Transitphase nach der Umstallung.
Die Ergebnisse differenzieren jedoch: Höhere Körpermassen und Lebendmassezunahmen zeigten Tiere, die mit praxisüblichen Fasergehalten gefüttert wurden. Gleichzeitig lag hier auch der Futterverbrauch höher. Über die gesamte Aufzucht betrachtet ergaben sich jedoch keine Unterschiede im Futteraufwand. Auch Parameter wie Knochenbruchfestigkeit, Seedor-Index oder Robustizitätsindex blieben unbeeinflusst. Die Muskelmagenentwicklung zeigte insgesamt keine klaren futterbedingten Effekte.
Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass die Ausgangsvarianz bei den Fasergehalten vergleichsweise gering sei, da das „praxisübliche“ Niveau schon einen relativ hohen Fasergehalt aufweise, zu dem noch 20 % addiert wurden. Damit werde ein gutes mit einem noch besseren Fütterungskonzept verglichen, allerdings sei es spannender eine mittelmäßige oder schwächere Variante einer optimierten gegenüberzustellen. Die Unterschiede würden dadurch vermutlich deutlicher ausfallen und sich am Ende prägnanter sowie anschaulicher vermitteln lassen.
Streitpunkt Volierenöffnung
Ein zweiter Hebel liegt im Management. Aufzuchtküken werden in den ersten Lebenswochen meist in Volieren gehalten. Der Öffnungszeitpunkt ist politisch und fachlich umstritten: Ein Eckpunktepapier fordert Tag 21, derzeit ist eine Öffnung bis Tag 35 zulässig.
Eine zu frühe Öffnung birgt das Risiko, dass Tiere den Rückweg zu Futter und Wasser nicht finden. Gleichzeitig gilt eine frühe Öffnung als erstrebenswert, um die Beweglichkeit zwischen Scharrraum und Voliere zu fördern und die Tiere frühzeitig an die Struktur des Stalls zu gewöhnen.
Im Versuch zeigte sich: Eine frühere Volierenöffnung war mit höheren Körpermassen verbunden – und überraschenderweise auch mit einem höheren relativen Muskelmagengewicht. Auf klassische Knochenparameter hatte der Zeitpunkt hingegen keinen Einfluss.
Gefieder als Frühindikator
Besonders relevant für Praxis und Tierwohl: Sowohl erhöhte Fasergehalte als auch eine frühere Volierenöffnung reduzierten das Auftreten von Gefiederschäden. Damit rückt die Aufzuchtphase als präventives Zeitfenster gegen Federpicken in den Mittelpunkt.
Schröder vermutet, dass höhere Fasergehalte ein höheres oder vermehrtes Sättigungsgefühl bewirken, das länger anhält. Dadurch zeigen die Tiere weniger andere Verhaltensweisen und so treten weniger Gefiederschäden auf.
Frühe Weichenstellung im Stall
Wie stark Federpicken bereits in der Aufzucht auftritt, prägt maßgeblich die folgende Legeperiode. Die Erzeugung hochwertiger Junghennen ist damit nicht nur eine Produktionsstufe, sondern eine Investition in die Zukunft der Herde – sowohl aus ökonomischer als auch aus Tierschutz-Sicht.
Ergebnisse zu den langfristigen Auswirkungen in der Legephase werden folgen. Schon jetzt zeigte sich: Management und Fütterung in den ersten Lebenswochen sind keine Detailfragen, sondern strategische Entscheidungen mit Langzeitwirkung.
































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