Neuer Betriebszweig Bio-Junghennenaufzucht
10 September 2025
Junghenne
Vor drei Jahren stand bei Familie Raming eine wichtige Entscheidung an: Sauen behalten und dafür neu bauen oder aussteigen und einen anderen Betriebszweig finden. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Neuausrichtung. Jetzt gab es einen Tag der offenen Tür im neuen Aufzuchtstall für Bio-Junghennen.
Stephan Raming und seine Frau Bernadette bewirtschaften einen landwirtschaftlichen Betrieb in Geeste-Osterbrock, Landkreis Emsland (Niedersachsen), mit 135 ha Fläche. Bis vor drei Jahren war die Sauenhaltung mit 320 Tieren wichtiger Betriebszweig neben der Biogasanlage mit 680 KW installierter Leistung und Photovoltaik. „Wir hätten zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben unter anderem den Abferkelbereich und Wartebereich komplett neu bauen müssen“, berichtet Bernadette Raming.
Brütereien und Junghennenvermarkter suchen Betriebe
Der Familienrat tagte und am Ende stand die Entscheidung, aus der Ferkelerzeugung auszusteigen und in die Geflügelhaltung zu investieren. „Wir haben mit Legehennen geliebäugelt, eine Freilandhaltung war aufgrund der fehlenden Fläche jedoch nicht realisierbar“, so Bernadette Raming. So kam die Familie auf die Junghennenaufzucht. Brütereien und Junghennenvermarkter sind derzeit verstärkt auf der Suche nach Aufzuchtkapazitäten.
Weil die Sauenhaltung aufgegeben wurde und damit Emissionen im Betrieb wegfielen, wurde die Baugenehmigung für den neuen Bio-Aufzuchtstall mit knapp 30.000 Plätzen zügig erteilt. Diese Größe benötigt keine Genehmigung nach BImSch-Gesetz. Der neue Stall, der direkt am Hof errichtet wurde, teilt sich auf in getrennte Abteile mit 2x3.000 Plätzen und 4x6.000 Plätzen. Diese Aufzuchtgruppen können dann getrennt abgegeben werden an die Legehennenbetriebe.
Zahlreiche Interessierte informierten sich auf dem Tag der offenen Tür.
Das Kükenpapier ist schon ausgelegt für die erste Aufzuchtherde.
An beiden Stallseiten befindet sich ein Wintergartenbereich.
Die Kothalle neben dem Stall ist einfach anfahrbar.
Der Auslaufbereich muss den Tieren ab dem 56. Tag zur Verfügung stehen.
Auch ein neues Standbein auf dem Betrieb Raming: Die öffentliche 300-kW-Schnellladesäule für E-Autos.
Für Kunden der Schnellladesäule gibt es die „Coffee Box“.
Zahlreiche Interessierte informierten sich auf dem Tag der offenen Tür.
Das Kükenpapier ist schon ausgelegt für die erste Aufzuchtherde.
An beiden Stallseiten befindet sich ein Wintergartenbereich.
Die Kothalle neben dem Stall ist einfach anfahrbar.
Der Auslaufbereich muss den Tieren ab dem 56. Tag zur Verfügung stehen.
Auch ein neues Standbein auf dem Betrieb Raming: Die öffentliche 300-kW-Schnellladesäule für E-Autos.
Für Kunden der Schnellladesäule gibt es die „Coffee Box“.
Auslauf ab dem 56. Tag in der Bio-Aufzucht
Aufgeteilt ist der Stall in Volierenbereich, beidseitigen Wintergarten und Auslauf. Ein Auslauf von 1 qm je Tier ist in der neuen Bio-Junghennenaufzucht-Verordnung vorgeschrieben. Ab dem 56. Tag muss der Auslauf geöffnet werden. Aufgezogen werden die Junghennen im Betrieb Raming bis etwa zur 17. Lebenswoche.
Für die nötige Wärme im Stall sorgt die Biogasanlage des Betriebes. Der neue Stall wurde ebenfalls mit Photovoltaik bestückt, so dass im Betrieb jetzt insgesamt 466 KWp zur Verfügung stehen. Neu installiert wurde ebenfalls ein Speicher mit 230 kW Kapazität.
Öffentliche Schnellladesäule mit Strom vom Betrieb
Der Betrieb ist damit energieautark bzw. hat angefangen, Strom nicht nur mehr einzig und allein flexibel ins öffentliche Netz einzuspeisen. Seit Mai 2024 wird Strom auch selbst vermarktet – in spezieller Form: Auf dem Betriebsgelände befindet sich seit einem Jahr eine öffentliche Schnellladesäule mit 300 kW Leistung.
Laut Stephan Raming ist diese Schnellladesäule die einzige in der Gemeinde Geeste. Sie wird gut angenommen. Und während der Ladezeit kann man sich seit neuestem im nett eingerichteten Container „Raming Coffie Box“ mit Kaffee oder Tee und kleinen Snacks versorgen.
Stimmen vom Tag der offenen Tür
Michael Hemker, Baarlink Agrarsysteme: „Die Auftragsbücher sind mehr als voll“
Michael Hemker, Baarlink Agrarsysteme.
Michael Hemker ist Verkaufsleiter bei Baarlink Agrarsysteme. Das Unternehmen hat den neuen Aufzuchtstall von Familie Raming ausgestattet. Baarlink Agrarsysteme ist schwerpunktmäßig in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland unterwegs. Beim Geflügelstall-Spezialisten sind die Auftragsbücher voll. Michael Hemker: „Das verteilt sich derzeit ziemlich gleichmäßig auf Legehennen- und Masthähnchenställe“, berichtet er. Bei den Masthähnchen ist der Standard der 30.000er Stall, für den keine große BImSch-Genehmigung nötig ist. Auch durch die Nähe zu den Niederlanden werden neue Ställe mit Wintergarten ausgestattet. So kann man in das dortige Tierwohl-Programm „Beter leven“ liefern.
Ebenso werden bei älteren Ställen Wintergärten nachträglich angeschleppt, sagt Michael Hemker. Dass im Moment in der Geflügelhaltung gutes Geld verdient wird, spüre man auch daran, dass derzeit in vielen älteren Legehennen- und Mastställen Optimierungen und Renovierungen der Einrichtung durchgeführt würden.
Rene Rambags, Geflügelzucht ter Heerdt: „Die Nachfrage bei Eiern wächst über alle Haltungsformen“
Rene Rambags und Remco Huizing (l.) sind Verkaufsberater bei der Geflügelzucht ter Heerdt.
Rene Rambags und Remco Huizing (l.) sind Verkaufsberater bei der Geflügelzucht ter Heerdt. Die neue Bio-Junghennenaufzucht bei Ramings erfolgt in Kooperation mit ter Heerdt/Verbeek. Der niederländische Junghennenspezialist ter Heerdt verkauft etwa 30 Prozent seiner Junghennen in Deutschland. Die Nachfrage nach Bioeiern boomt, entsprechend ist man auf der Suche nach Aufzuchtbetrieben für Bio-Junghennen.
In den Niederlanden gibt es bekanntlich ein Ausstiegsprogramm für tierhaltende Betriebe. Dabei sind nach Einschätzung von Rambags durchaus auch Legehennenbetriebe. Diese Eier fehlen am Markt, der sehr stark Richtung Deutschland orientiert ist.
Ter Heerd liefert jedoch nicht nur Nachschub für deutsche Bio-Legehennenbetriebe. Partner sind auch konventionelle Freilandhaltungsbetriebe oder Betriebe mit Bodenhaltung. Auch diese Eiermärkte stehen aktuell gut da, die Nachfrage ist beständig gewachsen. Deshalb ist ter Heerd auch für diese Bereiche auf der Suche nach Aufzuchtbetrieben in Deutschland.
In Deutschland haben Lebensmittelhandel und Verbände der Landwirtschaft das Siegel „5xD“ ins Leben gerufen, um die Wettbewerbssituation deutscher Produkte zu stärken. Für Eier bedeutet „5xD“, dass Schlupf und Aufzucht der Hennen in Deutschland erfolgt sein muss. „Ter Heerdt arbeitet mit Brütereien in Deutschland. Mit dem Aufzuchtbetrieb Raming können wir bei Bedarf für unsere Kunden `5xD´sicherstellen“, sagt Rene Rambags.
Josef Herbers, Norddeutsche Bauernsiedlung: „Es gibt 2025 Fördermittel auch für Geflügel“
Josef Herbers (Foto) und seine Kollege Manfred Meyering sind Mitarbeiter der Norddeutschen Bauernsiedlung, NBS
Josef Herbers (Foto) und seine Kollege Manfred Meyering sind Mitarbeiter der Norddeutschen Bauernsiedlung, NBS. Die NBS betreut vom Standort Meppen aus die Region Weser-Ems und ist hier Dienstleister für die Bereiche Stallbau, Bauantragstellung, Bauleitung sowie Förderung. Die NBS war Partner von Familie Raming beim Bau des neuen Bio-Junghennen-Aufzuchtstalles. Manfred Meyering begleitete das Projekt von der Bauantragstellung bis zur Fertigstellung des Stalles.
Laut Josef Herbers stehen Geflügelställe derzeit obenan bei der Arbeit der NBS in Meppen. Sein Bereich sind hierbei die Fördermöglichkeiten. Wie er berichtet, gab es in Niedersachsen im Förderjahr 2025 auch AFP-Mittel für den Bau von Legehennen-, Junghennen- und Mastgeflügelställen. Bei Bewilligung liegt die Förderhöhe bei 20 Prozent der Baukosten.
Wie Josef Herbers bedauert, ist die AFP-Förderung in Niedersachsen leider stark überzeichnet gewesen: „Die Landesregierung hat 16 Mio. Euro an AFP-Mitteln zur Verfügung gestellt, beantragt wurden Förderungen in Höhe von 38 Mio. Euro“, berichtet er. Die AFP-Förderung erfolgt nach einem Punktesystem. Das Punkteranking entscheidet dann darüber, ob man den Zuschlag bekommt. Extrapunkte gibt es in diesem Jahr zum Beispiel für Betriebe, die aus der Schweinehaltung aussteigen und in einen anderen Betriebszweig investieren wollen.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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