Von der Aufzucht bis zur Legephase: Worauf es bei Junghennen ankommt

25 Februar 2025
Junghenne
Tobis Ferling

Tobias Ferling, Geschäftsführer der Lohmann Deutschland GmbH & Co. KG, sprach auf der Veranstaltung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) zu „Aktuellen Entwicklungen in der Legehennenhaltung: Braunleger oder Weißleger? Geschlechtsbestimmung oder Bruderhahnaufzucht?“ über die Herausforderungen beim Junghenneneinkauf. Dabei beleuchtete er sowohl die Perspektive der Aufzüchter als auch die der Legehennenhalter und machte auf die Komplexität des gesamten Prozesses aufmerksam. Besonders wichtig sei es, Stolpersteine frühzeitig zu erkennen, um langfristig erfolgreiche Herden zu etablieren.

Junghennenaufzucht: Diese Faktoren beeinflussen den Erfolg

Moderne Legehennen zeichnen sich laut Ferling durch ein hohes Leistungspotenzial aus. Eine frühe Legereife sei entscheidend, denn die Herden gehen schnell in Produktion und erreichen eine hohe Legespitze. „Heutzutage staunt keiner mehr, wenn eine braune Herde eine Legespitze von 96 Prozent erreicht“, erklärte er. 

Neben einer guten Legepersistenz, die eine langgezogene Plateauphase der Produktion ermöglicht, spiele auch die Sortierfähigkeit der Eier eine entscheidende Rolle. Ein optimales Eigewicht und eine stabile Eischale seien oft wichtiger als die reine Legeleistung

Ebenso sei Robustheit eine essenzielle Eigenschaft. Die Tiere müssten einfach zu managen sein und kleinere Fehler im Management verzeihen. Auch Aspekte wie eine geringe Mortalität und eine gute Befiederung gehörten zu den Qualitätsmerkmalen. Allerdings würden sich Managementfehler spätestens nach einer langen Legeperiode von 100 Wochen deutlich zeigen.

Gewichtsentwicklung und Uniformität – warum sie so wichtig sind

Die Junghennenaufzucht sei eine anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere bei Hochleistungsgenetik. Eine altersgemäße Gewichtsentwicklung und Uniformität seien essenziell, um den Tieren ausreichend Stabilität zu bieten. Besonders wichtig sei dies bei der Nadelimpfung, da diese das Wachstum vorübergehend beeinträchtigen könne. „Manche Tiere reagieren empfindlich und stellen für eine Woche das Wachstum ein“, warnte Ferling. 

Nach der Einstallung in den Legehennenstall beginne die sogenannte verlängerte Aufzucht, die bis zur 32. Woche reiche. In dieser sensiblen Phase müssten sich die Junghennen an neue Bedingungen anpassen, Futter und Wasser in der Anlage finden und möglicherweise ein geschmacklich neues Futter akzeptieren.

Eine altersgemäße Gewichtsentwicklung und Uniformität sind wichtig, damit aus Küken gesunde und leistungsfähige Junghennen werden.

Legemanagement: So erreichen Herden eine stabile Produktion

Ein gezieltes Legemanagement sei unverzichtbar, sagt Ferling. Jede Zeit, die in dieser Phase in die Herde investiert werde, zahle sich langfristig aus. Besonders wichtig sei es, das Gewicht, die Uniformität und die Futteraufnahme genau zu beobachten und regelmäßig zu analysieren. „Wenn ich nicht weiß, was meine Tiere fressen und wie sie sich entwickeln, kann ich nicht angemessen reagieren“, betonte Ferling. 

Er kritisierte außerdem, dass Legehennenhalter oft zu zögerlich mit der Lichtstimulation umgehen. Gerade zu Beginn benötigten die Tiere eine ausreichend lange Lichtperiode, um genügend Zeit für die Futteraufnahme zu haben. „Mit zu großer Vorsicht kann man viel kaputt machen, wenn es darum geht, die Tiere in eine saubere Legespitze zu bringen“, so der Experte.

Kalziumversorgung und Parasitenkontrolle nicht unterschätzen

Ein weiteres zentrales Thema sei die Kalziumversorgung. Der Kalziumgehalt im Futter müsse frühzeitig an die Legetätigkeit angepasst werden, da sonst der Kalziumspeicher der Tiere irreparabel geschädigt werde. „Eine Herde, die zu Beginn der Legephase nicht optimal mit Kalzium versorgt wurde, wird man nach 100 Wochen nicht mehr in einem guten Zustand haben“, warnte Ferling.

Auch Parasitenbefall sei eine Herausforderung, insbesondere in der ökologischen Haltung, wo vorgeschriebene Wartezeiten oft dazu führen, dass Entwurmungen hinausgezögert werden. „Wenn eine Entwurmung zu spät kommt, kann der Darm so geschädigt sein, dass wichtige Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden – und dann bekommt man das Kalzium nicht mehr in die Legehenne rein“, erläuterte er.

Eine erfolgreiche Legehennenhaltung erfordert schon bei den Junghennen eine präzise Planung und ein vorausschauendes Management.

Junghenneneinkauf: Warum eine strategische Planung entscheidend ist

Beim Junghenneneinkauf sei eine strategische Planung entscheidend. Es gebe für jeden Markt das richtige Ei und für jede Haltungsform die passende Henne. Die Wahl zwischen Braun- oder Weißlegern, verschiedenen Eigrößen und Impfprogrammen müsse gezielt getroffen werden. 

Junghennen würden nicht auf Vorrat produziert, sondern seien das Ergebnis eines präzisen Planungs- und Produktionsprozesses. Besonders in Hochzeiten wie Ostern oder Weihnachten sei es essenziell, frühzeitig mit Brütereien zu sprechen, um die Verfügbarkeit zu sichern. „Heute reicht es nicht mehr, erst sechs Monate vorher Bescheid zu sagen, dass man Junghennen braucht“, betonte Ferling.

5xD-System ab 2026: Neue Anforderungen

Ab dem 1. Januar 2026 werde außerdem das sogenannte 5xD-System im Eiermarkt eingeführt. Das bedeutet, dass alle Produktionsschritte – vom Schlupf über die Aufzucht bis hin zur Verpackung – in Deutschland stattfinden müssen. „Wer das nicht glaubhaft nachweisen kann, wird im Lebensmitteleinzelhandel und bei Discountern ein Problem bekommen“, erklärte Ferling. 

Inzwischen habe die ZKHL klargestellt, dass mit dem Begriff „Schlupf in Deutschland“ auch die durchgängige Brut in Deutschland gemeint sei.

Zum Thema Verbandsbio: Um sicherzustellen, dass ausreichend verbandszertifizierte Junghennen zur Verfügung stehen, müssten Landwirte rechtzeitig planen. Mindestens 21 Wochen vor der geplanten Einstallung sollten Anfragen an mehrere namhafte Aufzüchter gestellt werden. Laut Ferling sei die Versorgungslage in diesem Bereich jedoch stabil. Die Verbände seien sensibilisiert und arbeiteten eng mit den Aufzüchtern zusammen, um den Bedarf zu decken.

Insgesamt machte Ferling deutlich, dass eine erfolgreiche Legehennenhaltung eine präzise Planung und ein vorausschauendes Management erfordert. Von der Auswahl der richtigen Genetik über eine sorgfältige Junghennenaufzucht bis hin zur optimalen Fütterung und Gesundheitsvorsorge seien viele Faktoren entscheidend für eine leistungsfähige Herde. Wer frühzeitig plant und gezielt auf die Bedürfnisse der Tiere eingeht, kann langfristig hohe Legeleistungen und eine stabile Eiqualität sicherstellen.

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Dieter Theyssen, Cordula Möbius, Big Dutchman

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