Junghennenaufzucht: Tag der offenen Tür im neuen Stall

11 April 2024
Junghenne
Tag der offenen Tür Krüssel

Freuen sich auf viele interessierte Besucher: Heinrich und Henning Krüssel.

Familie Krüssel aus dem emsländischen Twist-Hebelermeer bei Meppen (Niedersachsen) wagt den Einstieg in einen neuen Betriebszweig. Dafür wurde ein Biojunghennen-Aufzuchtstall gebaut. Interessierte können ihn am Freitag, den 19. April, von 14 bis 17 Uhr besichtigen.

Henning Krüssel und sein Vater Heinrich haben derzeit viel zu tun: Es geht in den Endspurt bei ihrem neuen Biojunghennen-Aufzuchtstall mit knapp 30.000 Plätzen. Baubeginn war im November 2023. Bedingt durch den regenreichen Winter gab es ein paar Verzögerungen. So konnten Zufahrt und Stallvorplatz noch nicht befestigt werden.

„Bis zum 19. April wird das aber erledigt sein“, ist Henning Krüssel sich sicher. Dann findet für Interessierte ein Tag der offenen Tür im neuen Stall statt. „Die Eiererzeugung ist in Deutschland einer der wenigen Bereiche der landwirtschaftlichen Tierhaltung, die noch wachsen“, berichtet Lars Raterink, Verkaufsleiter vom Geflügelvermehrer „ab ovo“. Das Unternehmen mit Sitz im westfälischen Ahlen ist Partner von Familie Krüssel – und sucht auch weiterhin nach Aufzuchtbetrieben, sowohl für konventionelle als auch für Biojunghennen.

Der neue Stall hat knapp 30.000 Biojunghennen-Aufzuchtplätze, theoretisch könnte man auf konventionelle Aufzucht umsteigen.
Die Kothalle ist groß, das gibt Spielraum bei der Abgabe des Hühnertrockenkots.
Am Standort des neuen Stalles war nur an einer Seite Platz für die erforderliche Auslauffläche.
Die vier Gruppen im neuen Stall müssen blickdicht voneinander getrennt sein.
Umluftventilatoren sorgen für eine gute Luftverteilung und damit Luftqualität im Stall.
Die Volieren sind aufgeständert, die alukaschierte Decke lässt sich gut reinigen.
Die Gaskanonen mit Rauchgasabführung sorgen für ausreichend Wärme zu Beginn der Aufzucht.

Absatz an Bioeiern läuft wieder gut

Nach einem zwischenzeitlich deutlichen Rückgang der Bioeierproduktion infolge des Ukrainekriegs ist die Nachfrage und ebenso die Produktion hierzulande nämlich wieder gestiegen. Biobetriebe, die auf konventionelle Produktion umgestiegen waren, sind aktuell wieder zurückgeswitcht.

Henning und Heinrich Krüssel werden im September dieses Jahres den ersten „Nachschub“ hierfür liefern. Bei 17 Wochen Aufzuchtdauer und etwa zwei Wochen Servicezeit schaffen sie knapp drei Durchgänge im neuen Stall.  
Bislang werden auf dem Betrieb unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden nur Mastschweine gehalten. Krüssels nehmen an der Initiative Tierwohl (ITW) teil. Das beinhaltet u.a. 20 % mehr Platz, strukturierte Buchten und eine Sprühkühlung im Stall für heiße Sommertage. Weitere Hauptstandbeine sind die Saatgutvermehrung (Raps, Gräser) und mit rund 100 Hektar der Kartoffelanbau. „Für die Schweineproduktion gibt es aktuell weder Planungssicherheit noch günstige Prognosen, das hat uns davon abgehalten, dort zu investieren“, sagt Heinrich Krüssel.

Junghennenaufzucht passt gut zum Betrieb

Auf der Suche nach einer Alternative, die längerfristig eine Perspektive für Junior Henning Krüssel bietet, kam die Familie bald auf die Eierproduktion, die in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim stark ist. „Und die Junghennen hierfür müssen schließlich irgendwo herkommen“, so Henning Krüssel. Die Junghennen-Aufzucht passt vom allgemeinen Arbeitszeitbedarf und Arbeitszeitverteilung gut auf ihren Betrieb, sagt er. Im Schnitt wird der junge Landwirtschaftsmeister etwa 1,5 Stunden/Tag im neuen Stall beschäftigt sein. Arbeitsspitzen sind das Einstallen der Küken, die ersten Tage der Aufzucht, dann die Phase, in der die Junghennen nach draußen kommen (ab der 7. Lebenswoche) und das Ausstallen mit Servicezeit danach.  

Die Baugenehmigung für den neuen Stall gab es in einer „rekordverdächtigen Zeit“ von weniger als einem Jahr, die Zusammenarbeit mit der Baubehörde war unkompliziert. Der neue Stall ist 80 x 20 m groß, in Stallmitte befindet sich eine Reihe mit einer dreietagige Voliere, an der Außenseitenbefindet sich je eine zweietagige Anlage. In jeder Etage der Volieren wird den Tieren Futter und Wasser angeboten. „Wir haben dadurch deutlich mehr Futter- und Tränkeplätze als nötig. Dadurch sind wir sehr flexibel, was das Training der Junghennen angeht“, so Krüssel senior. Die Kunden bekommen eine sehr mobile Junghenne, freut sich auch Lars Raterink.

Gut durchdachtes Lichtmanagement

Das gut durchdachte Lichtmanagement im neuen Stall sorgt dafür, dass die Tiere nachts in der Anlage bleiben: „Der Stall verfügt über dimmbare Deckenleuchten. Diese werden abends heruntergedimmt. In den Etagen gibt es LED-Stränge, die erst kurz nach der Deckenbeleuchtung ausgehen. Dies gibt auch den letzten Hennen die Möglichkeit. ihren Schlafplatz in der Anlage zu finden.

Die Anflugstangen werden in den letzten Minuten der Dimmphase automatisch an das System gefahren, so dass die Tiere auch nur in dem Volierensystem nächtigen.

Gemäß den rechtlichen Vorgaben ist der Stall in vier Segmente unterteilt, die Gruppengröße beträgt jeweils knapp 7.500 Tiere. Die Abtrennung muss laut Bio-Vorgaben blickdicht sein. Für Biojunghennen ist ein Auslauf ab der 7. Woche vorgeschrieben. Beim Stall Krüssel konnte der Auslauf nur an einer Seite angebaut werden. In etwa 4,40 m Breite ist der Auslauf überdacht: „Dort wird Sand eingestreut. So bringen die Tiere bei nasser Witterung nicht so viel Feuchtigkeit mit in den Stall“, erklärt Henning Krüssel. Ein 1,50 m breiter Dachüberstand bietet zusätzlichen Schutz. Die Volieren im Stall sind aufgeständert, so dass die Tiere darunter her nach draußen gelangen.

Da der Bio-Hühnertrockenkot nicht auf den eigenen (konventionellen) Flächen ausgebracht wird, wird er abgegeben. In der Firma Anton Knoll, die in der Region ansässig ist und über lange Erfahrung im Bereich Wirtschaftsdünger verfügt, haben Krüssels einen kompetenten Partner gefunden.  

Bei einem Berufskollegen viel gelernt

Im Stall selbst sorgen vier Gaskanonen (mit Rauchgasabzug) für die nötige Wärme in den ersten zwei bis maximal vier Wochen der Aufzucht. Umluftventilatoren unterstützen eine gute Luftverteilung im Stall. Letzteres war ein Tipp eines Berufskollegen in der Grafschaft Bentheim. Dort haben Heinrich Krüssel und sein Sohn eine komplette Aufzuchtperiode jeweils einen Tag pro Woche im Stall mitgearbeitet. Davon haben sie sehr profitiert, sind sich die Beiden einig. Sicherheit, dass mit dem neuen Betriebszweig am Anfang alles gut läuft, geben aber auch die Berater von ab ovo, so Henning Krüssel. Sie begleiten die Aufzüchter sehr intensiv.   

Standort des neuen Stalles: Heinrich-Krüssel-Str. 5, 49767 Twist 

 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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