Die niederländische Geflügelwirtschaft muss ihre Fangmethoden bis Anfang 2027 umstellen. Das höchste Wirtschaftsverwaltungsgericht untersagt jede Ausnahme vom Verbot, Hühner an den Beinen zu fangen und zu tragen. Der Deutsche Tierschutzbund hat nun Landwirtschaftsminister Alois Rainer aufgefordert, diese Fangmethode auch in Deutschland zu verbieten.
Nach dem Gerichtsurteil in den Niederlanden müssen die betroffenen Ausstallunternehmen dort ihre Arbeitsabläufe bis zum 1. Januar 2027 umstellen. Danach drohen bei Verstößen Zwangsgelder von bis zu 60.000 Euro. Die bisher geduldete Ausnahme des Fanges an den Beinen und des Kopfüber-Tragens verstößt nach Ansicht des Gerichts gegen europäisches Recht.
Nicht vereinbar mit EU-Recht
Das niederländische Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die bislang geduldete Praxis nicht mit den europäischen Tierschutzvorgaben vereinbar sei. Deshalb sieht der Deutsche Tierschutzbund nun auch die Bundesregierung in der Pflicht, die geltenden Vorgaben konsequent umzusetzen.
„Das Urteil hat eine wichtige Signalwirkung für Deutschland“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Bundesminister Alois Rainer muss jetzt dafür sorgen, dass europäische Tierschutzvorgaben auch hierzulande konsequent durchgesetzt werden.“
Tierschutzgerechtere Alternativen
Beim sogenannten Kopfüberfangen werden Hühner für die Verladung und den Transport an den Beinen gegriffen, kopfüber getragen und in Transportkisten verbracht. Der Deutsche Tierschutzbund argumentiert, dass wissenschaftliche Untersuchungen seit Jahren zeigen, dass diese Fangmethode erheblichen Stress verursacht und das Risiko für Schmerzen und Verletzungen erhöht.
Dabei stünden tiergerechtere Alternativen, bei denen die Tiere aufrecht getragen werden, bereits zur Verfügung und würden in verschiedenen Ländern erfolgreich eingesetzt. Der Deutsche Tierschutzbund sieht mit dem Urteil in den Niederlanden die Position von Tierschutzorganisationen gestärkt, die einen Umstieg auf schonendere Fangmethoden fordern.
Praxisprojekt in Niedersachsen
In Niedersachsen läuft derzeit ein Forschungsprojekt der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und der Universität Osnabrück. Koordinatorin ist Dr. Birgit Spindler. Ziel dieses Vorhabens ist es, die praktische Umsetzbarkeit des tierschonenden Fangens und Verladens von Althennen tierschutzfachlich, unter Berücksichtigung von Aspekten der Arbeitsbelastung und Ökonomie, einzuordnen und zu bewerten.
Anhand der Ergebnisse und praktischen Erfahrungen auf Praxisbetrieben sollen weitere Optimierungsmaßnahmen (baulich/Management) abgeleitet werden, um den Fang- und Verladeprozess weiter zu verbessern. Erste Zwischenergebnisse des Projekts werden für kommenden Herbst/Winter erwartet.




































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