Die niederländische NVWA betont, dass Geflügel auch tagsüber verletzungsfrei gefangen werden kann. Warum die Branche dennoch skeptisch bleibt und welche neuen Überwachungsmethoden geplant sind.
NVWA: Verletzungsfreies Fangen von Geflügel ist jederzeit möglich
Die Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA) stellt klar: Masthähnchen, Legehennen, Elterntiere und Enten können sowohl nachts als auch tagsüber schonend gefangen und transportiert werden – unabhängig von Betriebsgröße oder Fangmethode.
Diese Einschätzung basiert auf einem Audit mit 91 Herden, deren Ergebnisse im Juli veröffentlicht wurden. Ziel sei es, Tierschutzstandards beim Geflügeltransport konsequent einzuhalten.
Branche zweifelt: Nachtfänge schonender als Tagesfänge
Vertreter von LTO/NOP (Land- en Tuinbouw Organisatie Nederland / Nederlandse Organisatie van Pluimveehouders) und NVP (Nederlandse Vakbond Pluimveehouders) äußern Zweifel an der Einschätzung der NVWA.
Peter van de Pas (LTO/NOP) betont, dass es praktisch kaum möglich sei, unter einer Fangverletzungsquote von 1 % zu bleiben. Der Grund: Hühner sind nachts deutlich ruhiger, was den Fang einfacher und schonender macht.
Keine Erfassung von Fangzeit und Betriebsgröße
Auf Nachfrage erklärte NVWA-Sprecherin Marloes van Kessel, dass die Kontrolle ausschließlich rückwirkend im Schlachthof erfolgt. Dort werden während einer achtstündigen Stichprobe Verletzungen wie Blutungen gezählt.
Fangzeit (Tag oder Nacht) und Betriebsgröße werden in den Datensätzen nicht erfasst – obwohl kleinere Bestände tendenziell leichter verletzungsfrei gefangen werden können.
Gerichtsurteil bremst Sanktionen – neue Überwachung geplant
Ein Urteil des College van Beroep voor het bedrijfsleven (CbB) hat dazu geführt, dass die NVWA derzeit keine Sanktionen bei Fangverletzungen verhängen kann.
Hinter den Kulissen arbeitet die Behörde jedoch an einer neuen, effektiveren Überwachungsmethode. Ziel ist, künftig gezielter gegen Verstöße vorzugehen und die Tierschutzstandards beim Geflügelfang zu verbessern.
Importierte Herden mit höheren Verletzungsraten
Laut NVWA zeigen Messungen zur Einhaltung der Vorschriften höhere Verletzungsraten bei ausländischen Geflügelherden.
Zwar seien die Werte im Vergleich zu 2023 gesunken, dennoch bleibe das Problem bestehen. Die NVWA kann keine direkten Strafen gegen ausländische Fangteams verhängen, meldet Verstöße jedoch an die zuständigen Behörden der Herkunftsländer.
Fazit: Einheitliche Standards für alle Fangzeiten nötig
Ob nachts oder tagsüber – die NVWA sieht verletzungsfreies Fangen von Geflügel als möglich an. Die Branche bleibt jedoch skeptisch, solange Unterschiede in Fangbedingungen und -zeiten nicht transparent erfasst werden.

































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