Das aufrechte Fangen von Masthähnchen und Legehennen verbessert in mehreren Aspekten den Tierschutz, verursacht jedoch erheblich höhere Kosten und körperliche Belastung für die Fangteams. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Doktorarbeit von Femke Delanglez an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gent, wie aus einer Veröffentlichung der Hochschule hervorgeht.
Studie vergleicht drei Methoden beim Fangen von Geflügel
In ihrer dreijährigen Studie (2021–2023) verglich Delanglez bei Masthähnchen die konventionelle Methode (CONV), das aufrechte Einfangen (RECHT) und das maschinelle Verfahren (MACH). Bei Legehennen standen CONV und RECHT gegenüber. Insgesamt wurden 12 Masthähnchen- und 7 Legehennenherden untersucht. Bewertet wurden neben dem Tierschutz auch die Arbeitsbelastung und die Wirtschaftlichkeit.
Deutlich kürzere Fixierungszeiten bei aufrechtem Fangen
Laut Universität Gent verringerte sich die Fixierungszeit pro Tier beim aufrechten Einfangen deutlich: Bei Masthähnchen von 6,5 Sekunden (CONV) auf 3,3 Sekunden (RECHT), bei Legehennen sogar von 20,3 auf 8,6 Sekunden. Dennoch wurde aus der Branche eingewandt, dass bei CONV oft mehrere Tiere gleichzeitig gefangen werden, was die Gesamtzeit je Stall relativieren könnte.
Geringere Stressanzeichen bei aufrechtem Fangen
Ein weiteres Kriterium war die Schlagfrequenz, also das Flattern der Tiere. Diese war beim aufrechten Fangen signifikant geringer (z. B. 2,0 statt 5,4 bei Masthähnchen). Auch die Bewertung der Tierbehandlung fiel beim RECHT-Verfahren besser aus. Die Bewertungsskala reichte von 1 (schonend) bis 7 (grobe Behandlung), wobei RECHT durchweg niedrigere (bessere) Werte erzielte.
Höhere Fehlerquote trotz schonenderem Vorgehen
Trotz dieser Verbesserungen fiel auf, dass beim aufrechten Einfangen Fehler häufiger auftraten, insbesondere bei der korrekten Fixierung der Flügel. Bei Masthähnchen lag die Fehlerquote bei RECHT bei 22,4 %, bei CONV dagegen nur bei 0,4 %. Bei Legehennen zeigte sich dagegen CONV mit einer Fehlerquote von 45,4 % besonders problematisch – vor allem durch das Tragen von mehr als drei Tieren pro Hand.
Fangdauer bei RECHT bis zu 80 % höher
Ein erheblicher Nachteil des aufrechten Einfangens liegt im Zeitaufwand: Während 1.000 Masthähnchen bei CONV in 1,09 Stunden gefangen wurden, benötigte RECHT 1,69 Stunden – also rund 55 % mehr Zeit. Bei Legehennen stieg der Zeitaufwand von 4,85 auf 8,17 Stunden (+68 %).
Kostensteigerung um bis zu 80 %
Die höheren Arbeitszeiten schlagen sich auch wirtschaftlich nieder. Die Fangkosten für 20.000 Masthähnchen lagen bei 1.242 € (CONV), 1.880 € (RECHT) und 1.570 € (MACH). Das entspricht einer Steigerung um das 1,5-Fache bei RECHT. Bei Legehennen betrugen die Fangkosten 4.506 € (CONV) gegenüber 7.984 € (RECHT) – ein Plus von rund 77 %.
Laut Delanglez bedeutete dies Mehrkosten von 0,012 € pro kg Lebendgewicht (Masthähnchen) bzw. 0,0005 € pro gelegtem Ei (Legehennen). Vertreter der Branche kritisierten diese Darstellung als irreführend, da der Personalbedarf stark ansteige, geeignete Arbeitskräfte jedoch schwer zu finden seien.
Höhere körperliche Belastung für Fangteams
Beide manuellen Methoden gelten als körperlich belastend. Laut einem Ergonomie-Gutachten war RECHT zwar etwas angenehmer, da weniger Gewicht auf der Hand lastet, dennoch berichteten viele Fänger von stärkeren Schmerzen – vor allem im Rücken und in den Knien. 87 bis 90 % der befragten Fänger empfanden RECHT als körperlich anstrengender und im Volierensystem zudem als weniger sicher.
Geringfügige Unterschiede bei Schlachtkörperqualität
Im Schlachthof wurden DOAs, Verletzungen und Ausschussraten untersucht. Bei Legehennen unterschieden sich die Verletzungsraten kaum: 7,9 % (CONV) vs. 7,1 % (RECHT). Nur bei Quetschungen an den Flügeln schnitt RECHT signifikant besser ab. Bei Masthähnchen zeigte das maschinelle Verfahren (MACH) die geringste Verletzungsrate (15,1 %), gefolgt von RECHT (15,4 %) und CONV (16,8 %).
Praktikabler Mittelweg zwischen Tierwohl und Effizienz gesucht
Delanglez plädiert zum Abschluss ihrer Arbeit für eine sachliche Diskussion. Anstatt sich zwischen Tierschutz und Wirtschaftlichkeit zu polarisieren, sei es notwendig, einen praktikablen Mittelweg zu finden. Ihr Ziel: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tierwohl, Effizienz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

































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