Brasilien ist der wichtigste Geflügelfleisch-Lieferant der EU. Trotzdem dürfen die Lieferungen vorerst nicht mehr in den europäischen Markt. Entscheidend sind jetzt Kontrollen von EU-Experten vor Ort. Bis Ergebnisse vorliegen, könnten allerdings Wochen oder sogar Monate vergehen.
Die Europäische Union setzt die Einfuhr von Geflügelfleisch aus Brasilien vorerst aus. Betroffen sind auch Rindfleisch und Honig. Hintergrund sind fehlende Nachweise zum Einsatz antimikrobieller Wachstumsförderer.
Wie eine Sprecherin der EU-Kommission mitteilte, konnte Brasilien bislang nicht ausreichend belegen, dass für den europäischen Markt bestimmte tierische Erzeugnisse die Anforderungen der EU erfüllen. Der Importstopp gilt ab Donnerstag, 3. September 2026.
EU-Experten prüfen Geflügelfleisch in Brasilien
Für Geflügelfleisch könnte der Einfuhrstopp allerdings vergleichsweise schnell wieder aufgehoben werden. EU-Experten führen derzeit Audits in Brasilien durch. Die Prüfungen vor Ort könnten noch bis Freitag, 4. September, dauern.
Fallen die Ergebnisse aus Sicht der EU-Kommission zufriedenstellend aus, könnte Brüssel Geflügelfleisch wieder zur Einfuhr zulassen. Eine schnelle Entscheidung ist jedoch nicht garantiert. Nach Angaben der Kommissionssprecherin könnten mehrere Wochen oder sogar Monate vergehen, bis die Ergebnisse der Prüfung vorliegen.
Zudem müssen die Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) einer Wiederzulassung zustimmen.
Brasilien ist wichtigster Geflügelfleisch-Lieferant der EU
Für den europäischen Geflügelfleischmarkt ist der Importstopp relevant. Brasilien war zuletzt der mit Abstand wichtigste Lieferant von Geflügelfleisch aus Drittstaaten.
Nach Angaben von Eurostat lieferte Brasilien 2024 insgesamt 624.713 t Geflügelfleisch in die EU, gerechnet in Schlachtgewichtäquivalenten. Neuere Eurostat-Zahlen liegen nach Angaben der Quelle bislang nicht vor.
Zusätzliche Bedeutung erhält der Handel durch das Mercosur-Abkommen, das seit dem 1. Mai vorläufig in Kraft ist. Danach dürfen die vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay jährlich 180.000 t Geflügelfleisch zollfrei in die EU liefern.
Ob die anderen Mercosur-Länder ausbleibende brasilianische Lieferungen kompensieren können, ist bislang offen.
Bei Rindfleisch könnte der Importstopp länger dauern
Deutlich unklarer ist die Situation bei brasilianischem Rindfleisch. Nach Angaben der EU-Kommission konnte Brasilien bislang nicht nachweisen, dass die Masttiere während ihrer gesamten Lebensdauer von rund 24 Monaten ohne die betreffenden antimikrobiellen Wachstumsförderer gehalten wurden.
Dabei geht es sowohl um Wirkstoffe, die in der EU verboten sind, als auch um Mittel, die nach EU-Recht als Reserveantibiotika für die Humanmedizin eingestuft sind. Wann die EU den Importstopp für Rindfleisch wieder aufheben könnte, sei derzeit nicht absehbar.
Brasilien spielt auch auf diesem Markt eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr importierte die EU nach Eurostat-Angaben 119.637 t brasilianisches Rindfleisch in Schlachtgewichtäquivalenten. Das entsprach 26,5 Prozent aller EU-Rindfleischeinfuhren. 2024 waren es 87.603 t gewesen. Damit stiegen die Lieferungen innerhalb eines Jahres um rund 37 Prozent.
Das Mercosur-Abkommen sieht für Rindfleisch ein Kontingent von 99.000 t zu einem ermäßigten Zollsatz von 7,5 Prozent vor. Ob Argentinien, Paraguay und Uruguay einen möglichen längerfristigen Ausfall brasilianischer Lieferungen ausgleichen könnten, ist noch offen.
Auch brasilianischer Honig fällt vorerst unter den Importstopp. Für die EU-Einfuhren spielt Brasilien hier jedoch nur eine geringe Rolle.






































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