Importstopp für Brasilien? Rabobank erwartet steigende Geflügelfleischpreise

23 Juli 2026
Markt Geflügelfleisch
Flagge von Brasilien

Brasilien muss bis zum 3. September 2026 nachweisen, dass seine Geflügelproduktion die EU-Vorgaben zum Antibiotikaeinsatz erfüllt. Gelingt das nicht, droht ein Importstopp. Die niederländische Rabobank rechnet in diesem Fall mit steigenden Geflügelfleischpreisen in Europa.

Importstopp für Brasilien? Rabobank erwartet steigende Geflügelfleischpreise

Der europäische Geflügelmarkt könnte vor einer wichtigen Veränderung stehen. Die Europäische Union hat Brasilien eine Frist bis zum 3. September gesetzt. Bis dahin muss das Land nachweisen, dass in der Geflügelproduktion keine als Wachstumsförderer eingesetzten Antibiotika mehr in die Lieferkette gelangen. Gelingt dieser Nachweis nicht, tritt ein Importstopp für brasilianisches Geflügel- und Rindfleisch in Kraft.

Nach Einschätzung der Rabobank könnte ein solcher Schritt das Angebot in Europa verknappen und die Preise für Geflügelfleisch steigen lassen.

Fehlendes Kontrollsystem gefährdet Exporte

Brasilien hat den Einsatz antimikrobieller Wachstumsförderer bereits im April 2026 verboten. Nach Einschätzung der Rabobank fehlt jedoch weiterhin ein flächendeckendes Kontroll- und Überwachungssystem, mit dem sich die Einhaltung der Vorschriften lückenlos belegen lässt.

Die brasilianischen Behörden arbeiten zwar daran, die EU-Anforderungen zu erfüllen. Die Analysten der Rabobank halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass bis Anfang September ein landesweit funktionierendes Kontrollsystem aufgebaut werden kann.

Brasilien liefert deutlich mehr Geflügelfleisch in die EU

Der drohende Importstopp zeigt nach Einschätzung der Rabobank bereits Wirkung. Brasilien hat seine Lieferungen in die Europäische Union in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet.

Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Geflügelfleischexporte in die EU gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent. Die Ausfuhren von Rindfleisch nahmen um 7 Prozent zu.

Die Bank führt diese Entwicklung nicht allein auf den drohenden Importstopp zurück. Auch das seit Mai 2026 umgesetzte EU-Mercosur-Abkommen dürfte zusätzliche Anreize für höhere Exportmengen geschaffen haben.

Brasilien ist wichtigster Geflügelfleischlieferant der EU

Mit rund 211.000 Tonnen Geflügelfleisch pro Jahr ist Brasilien der wichtigste Lieferant für den europäischen Markt. Exportiert werden vor allem Hähnchenbrustfilets und andere Standardprodukte.

Fallen diese Mengen weg, dürfte sich das Angebot auf dem europäischen Markt spürbar verknappen.

Rabobank rechnet mit höheren Preisen

Nach Einschätzung der Rabobank würde ein Importstopp die Preise für Geflügelfleisch in Europa steigen lassen. Ein ähnlicher Effekt war bereits im Mai und September des vergangenen Jahres zu beobachten, als Brasilien wegen Ausbrüchen der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) vorübergehend kein Geflügelfleisch in die EU liefern konnte.

Europäische Importeure dürften in diesem Fall verstärkt auf Ware aus der Ukraine, Thailand und China ausweichen. Ob diese Länder ausreichend Mengen liefern können, die alle EU-Anforderungen erfüllen, bleibt jedoch offen. Hinzu kommt die Frage, ob genügend freie Importquoten verfügbar sind, um den möglichen Ausfall brasilianischer Lieferungen vollständig zu ersetzen.

Mögliche Auswirkungen auf den europäischen Markt

Für deutsche Geflügelhalter könnte ein Importstopp kurzfristig eine Entlastung des europäischen Marktes bedeuten. Weniger günstige Importware aus Brasilien würde das Angebot verknappen und könnte die Erlössituation für europäische Erzeuger verbessern. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch davon ab, ob andere Exportländer die fehlenden Liefermengen rasch ersetzen können und ob der Importstopp tatsächlich wie angekündigt Anfang September in Kraft tritt.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_ luzitanija
Quelle: Sterke Erven Pluimvee, Gineke Mons

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.