Ricardo Santin, Präsident ABPA Brasilien, auf der Anuga 2025
Vier Monate lang ruhte der brasilianische Geflügelexport in die EU. Nun gilt das Land wieder als vogelgrippefrei – und der Handel läuft langsam wieder an. Das könnte auch Auswirkungen auf die Preise in Europa haben.
Brasilien hebt Exportbeschränkungen auf
Brasiliens Geflügelwirtschaft atmet auf: Nach der erfolgreichen Eindämmung der Vogelgrippe darf das Land wieder Geflügelprodukte in die Europäische Union liefern. Alle zuvor geltenden Exportbeschränkungen werden schrittweise aufgehoben. Damit endet eine gut viermonatige Unterbrechung des Handels.
Zunächst galt die Lockerung nur für Regionen außerhalb des von der Seuche betroffenen Bundesstaats Rio Grande do Sul, wo die hochpathogene aviäre Influenza (HPAI) im Mai ausgebrochen war. Ab dem 16. Oktober darf nun auch von dort wieder exportiert werden.
Weltweiter Importstopp traf Brasilien hart
Der Ausbruch begann in einem Geflügelbetrieb in Montenegro (Rio Grande do Sul) und führte dazu, dass Brasilien seinen Status als „frei von HPAI“ bei der World Organisation for Animal Health (WOAH) aussetzen musste. Ohne dieses Zertifikat war der Export in die EU nicht mehr möglich.
Neben Europa setzten auch zahlreiche andere Länder – darunter China, Saudi-Arabien und Chile – ihre Importe aus Brasilien aus. Für den weltweit größten Geflügelexporteur war das ein schwerer Schlag.
Schnelle Gegenmaßnahmen und schrittweise Öffnung
Die brasilianische Regierung reagierte mit strikten Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit. Mit Erfolg: Bereits am 18. Juni 2025 erklärte sich das Land wieder als vogelgrippefrei, nachdem 28 Tage lang keine neuen Fälle gemeldet worden waren.
Daraufhin hoben 17 Länder ihre Einfuhrbeschränkungen bereits wieder auf. Die EU zeigte sich zunächst zurückhaltender, einigte sich aber nach mehreren Gesprächen mit brasilianischen Behörden auf eine stufenweise Wiederaufnahme des Handels.
Wichtiger Markt für beide Seiten
Vor dem Ausbruch lief der brasilianische Geflügelexport auf Hochtouren. Laut dem Branchenverband ABPA stiegen die Hühnerfleischexporte 2024 um 3 Prozent auf 5,294 Millionen Tonnen. Auch die Exporterlöse erreichten mit 9,928 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchstwert.
Zwar ist China weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für brasilianisches Geflügel, doch auch die EU verzeichnete vor dem Exportstopp deutliche Zuwächse. Bis Mai 2025 importierte sie 25.300 Tonnen Hühnerfleisch, ein Plus von 20,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auswirkungen auf den europäischen Markt
Mit der Wiederaufnahme der brasilianischen Exporte könnte sich der Geflügelmarkt in Europa entspannen. Die zusätzlichen Lieferungen gleichen einen Teil der Angebotsengpässe aus, die durch Vogelgrippeausbrüche in europäischen Betrieben entstanden waren.
In den vergangenen Monaten hatten diese Engpässe die Geflügelpreise in Europa steigen lassen – insbesondere in Mittel- und Osteuropa, wo die Produktion stark rückläufig war. Durch den brasilianischen Import könnte sich dieser Trend nun abflachen.

































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