Vogelgrippe-Ausbruch in Brasilien: EU-Geflügelhalter könnten profitieren

30 Mai 2025
Markt Geflügelfleisch
Brasilien Vogelgrippe Exportstopp

Der HPAI-Ausbruch in Brasilien bringt den globalen Geflügelmarkt ins Wanken – europäische Erzeuger könnten durch Exportchancen, vor allem nach China, profitieren.

Die globale Geflügelfleischversorgung steht durch den HPAI-Ausbruch in Brasilien vor einem möglichen Umbruch. Laut dem französischen Fachinstitut für Geflügelwirtschaft Itavi könnten europäische Erzeuger profitieren – insbesondere im Export nach China. Ob Brasilien rasch wieder als seuchenfrei gilt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Geflügelpreise in der EU könnten steigen

Der jüngste Ausbruch der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) in einer brasilianischen Geflügelhaltung könnte den internationalen Geflügelfleischhandel dauerhaft beeinflussen. Wie das französische Fachinstitut für Geflügelwirtschaft (Itavi) mitteilt, haben mehrere große Abnehmerländer ihre Einfuhren aus Brasilien gestoppt. Infolge dieser Maßnahme ist mit einem Anstieg der Nachfrage nach EU-Geflügel zu rechnen, was die Preise auf dem europäischen Markt erhöhen dürfte.

HPAI in Brasilien: Exporte nach China vorerst gestoppt

Besonders aussichtsreich erscheint laut Itavi der chinesische Markt. Die Volksrepublik war bislang der wichtigste Abnehmer brasilianischer Geflügelprodukte, hat aber nach dem Ausbruch sämtliche Einfuhren aus Brasilien eingestellt. Bereits zuvor hatte China auch die Geflügeleinfuhren aus den USA reduziert – bedingt durch dortige HPAI-Fälle sowie durch Handelsstreitigkeiten. Für europäische Anbieter eröffnen sich somit neue Absatzmöglichkeiten in einem der größten Importmärkte der Welt.

Brasilien ist einer der weltweit führenden Exporteure von Geflügelfleisch. Im Jahr 2024 lieferte das Land laut Itavi insgesamt rund 5,12 Millionen Tonnen im Wert von 9,14 Milliarden Euro in alle Welt. Allein 37 Prozent dieses Volumens gingen an Länder, die ihre Grenzen nun für brasilianische Ware geschlossen haben. Besonders betroffen sind China und andere große Abnehmerstaaten, in die durchschnittlich monatlich über 148.000 Tonnen Geflügelfleisch im Wert von rund 266 Millionen Euro exportiert wurden.

USA gilt nicht als verlässlicher Lieferant

Für die europäische Geflügelwirtschaft ergeben sich daraus laut Einschätzung des Itavi mittelfristig größere Marktanteile. Auch wenn sich die Lieferketten nicht sofort umstellen lassen, dürften sich europäische Produzenten strategisch auf einen zunehmenden Bedarf vorbereiten – insbesondere in Asien. Dies gilt umso mehr, als auch die USA aufgrund eigener HPAI-Ausbrüche nicht als verlässlicher Lieferant gelten.

Regionalisierung und Beobachtungszeit: Hoffnung für Brasilien

Ob sich die Lage in Brasilien rasch normalisiert, bleibt offen. Bislang wurde nur ein einziger HPAI-Fall in einem Betrieb im Bundesstaat Rio Grande do Sul festgestellt. Wie Brasiliens Landwirtschaftsminister Carlos Fávaro erklärte, sei der Infektionsherd bereits vollständig eingedämmt. Seit dem Ausbruch seien zwei Wochen ohne neue Fälle vergangen. Der betroffene Betrieb wurde vollständig desinfiziert, und die obligatorische Beobachtungszeit von 28 Tagen sei nun im Gange. Nach deren Ablauf könne Brasilien bei Ausbleiben neuer Fälle wieder als HPAI-frei gelten.

Die brasilianische Regierung zeigt sich optimistisch. Man rechne mit einer baldigen Wiederaufnahme der Exporte. Laut offiziellen Angaben wurden nur Geflügelproben untersucht, keine anderen Nutztiere wie Kühe. Derzeit sei der Export in 21 Länder und Staatengemeinschaften vollständig unterbrochen – darunter viele mit hohen Importvolumina. Einige Staaten wenden jedoch sogenannte Regionalisierungsabkommen an, bei denen nur das betroffene Gebiet und nicht das gesamte Land vom Handelsstopp betroffen ist.

Insgesamt steht für Brasilien viel auf dem Spiel: China allein bezog im Schnitt monatlich 31.154 Tonnen brasilianisches Geflügelfleisch im Wert von 64 Millionen Euro. Die EU importierte rund 22.022 Tonnen im Wert von 65 Millionen Euro. Der aktuelle Ausbruch – auch wenn bisher begrenzt – hat das Potenzial, diese Handelsströme dauerhaft zu verändern, sollte das Vertrauen in die brasilianische Seuchenbekämpfung Schaden nehmen.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_sezerozger
Quelle: AgE

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