GWV Rheinland-Pfalz: Fangen, Tierwohl und neue Technik – diese Themen treiben die Branche jetzt um

06 März 2026
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Beim GWV Rheinland-Pfalz war ein Teil der Referierenden vor Ort in Koblenz (v.l.): Tina Groß, Patrick Fritz, beide TLC Schlachthof, Guido Andres, Vorsitzender GWV, Jürgen Himmel, TLC Schlachthof, Helga Futterknecht, Geschäftsführerin GWV, Dr. Birgit Spindler, TiHo Hannover.


Der Geflügelwirtschaftsverband Rheinland-Pfalz bleibt mit einer stabilen Mitgliederzahl auch 2026 gut aufgestellt. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung in Koblenz wurden neben den Regularien vor allem relevante Impulse für Legehennenbetriebe gesetzt – ein klarer Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Branche.

Im Geflügelwirtschaftsverband (GWV) Rheinland-Pfalz sind unter den Mitgliedern die Legehennenbetriebe in der Mehrheit. Besonders für sie gab es interessante Vorträge auf der Mitgliederversammlung in Koblenz. Zum einen stellte sich der TLC Landgeflügel Schlachthof aus Niederbayern vor. Dieser ist neu in die Althennenschlachtung eingestiegen (Geflügelnews berichtete) und wäre auch ein potenzieller Abnehmer für Tiere aus Rheinland-Pfalz.

Diskussion über Fangen und Verladen

Zum anderen informierte Dr. Birgit Spindler von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zum aktuellen Stand beim Thema Fangen und Verladen von Geflügel. In die Diskussion geraten ist es bekanntlich durch ein Urteil aus den Niederlanden vom November 2023. Dieses besagt, dass die übliche Praxis des Kopfüber-Fangens bei Geflügel beendet werden muss. In den Niederlanden gibt es noch keine Entscheidung, wie es dort jetzt weitergehen soll.

Die Wissenschaftlerin betonte, dass das Urteil aus den Niederlanden in Deutschland nicht direkt rechtsverbindlich ist. Aber es hat auch bei uns Diskussionen ausgelöst. Und es steht eben eine Novellierung der EU-Tierschutztransportverordnung an. Diesen Entwurf gibt es bereits seit zwei Jahren, man weiß nicht, wann er wirklich kommt. Darin ist eine Ausnahmeregelung für Geflügel formuliert, dass das Fangen an den Beinen erlaubt ist. Ob dies dann tatsächlich so kommt, sei ebenfalls noch offen, so Dr. Birgit Spindler. 

Mehrere Praxisprojekte zum Thema

Das Gerichtsurteil aus den Niederlanden hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass es seitdem verschiedene Projekte und Untersuchungen zum Thema gab. Die TiHo-Mitarbeiterin stellte einige Ergebnisse, unter anderem auch von Projekten mit ihrem Hause, vor. Beim Fangen an zwei Beinen ist die Verladegeschwindigkeit bereits deutlich reduziert, das aufrechte Fangen und Tragen braucht noch mehr Zeit, das Ausstallen wird dadurch deutlich teurer. Zudem ist es für die Fangkolonnen sehr viel anstrengender. Beim aufrechten Fangen in Volieren ist auch Arbeitssicherheit ein Thema. 

Laut Dr. Spindler läuft in Niedersachsen derzeit ein weiteres Projekt zum Thema Fangen und Verladen. Begleitet werden dabei 20 Ausstallungen von weißen und braunen Hennen und mit einer Herdengröße von mindestens 12.000 Tieren. Hier soll es nicht ausschließlich um Tierschutz gehen, sondern insbesondere sollen auch konkrete ökonomische Zahlen ermittelt werden und die Arbeitsbelastung für die Fänger bei den alternativen Formen des Fangens sollen erfasst werden. Frühstens in einem halben Jahr werden hierzu Ergebnisse erwartet. 

Fangen und Verladen ist Reizthema

Auch auf der Mitgliederversammlung in Koblenz zeigte sich, dass das Thema Fangen und Verladen der Legehennen ein „Reizthema“ ist und die im Raum stehenden neuen Anforderungen für Kopfschütteln bei einigen Praktikern sorgen. Die Wissenschaftlerin der TiHo betonte auch deshalb ausdrücklich, wie wichtig es sei, in Praxisprojekten belastbare Daten zu ermitteln. Deutlich sagte sie, dass das Fangen und Verladen immer Stress für die Tiere bedeute. Die Frage sei, wieviel Stress tolerierbar ist. Ziel müsse immer sein, den Stress so gering wie möglich zu halten und dafür alle Vorkehrungen wie Vorbereitung des Stalls etc. zu treffen. Sie gab zu bedenken: „Beim Schlachten darf Geflügel bis zu einer Minute kopfüber hängen.“ Beim Ausstallen wird bei optimaler Vorbereitung diese Zeit nicht benötigt. 

ImproBed-Versuch in Legehennenställen

In Koblenz war der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Wolfgang Schleicher, online zugeschaltet. Er berichtete zu Themen, mit denen sich ZDG und die angeschlossenen Bundesverbände aktuell befassen. So stellte er Versuchsergebnisse zum Einstreuprodukt ImproBed vor. ImproBed besteht aus Strohpellets, die mit einem pH-Wert reduzierendem Zusatz versehen sind. Dadurch wird die Entstehung von Ammoniak signifikant reduziert. Das Produkt hat in diesem Sinne für Hähnchenställe eine DLG-Anerkennung. Beim aktuellen Versuch ging es um Legehennen. Dort scheint die Wirkung nicht so effektiv zu sein wie bei den Hähnchen. 

In einem weiteren Online-Vortag stellte Prof. Dr. Rudolf Preisinger, EW Group,  den aktuellen Stand bei der In-Ovo-Geschlechtsbestimmung im Ei vor. Hier tut sich zur Zeit viel, es sind neue Verfahren am Start, die bereits ab dem 3. oder 4. Bruttag eine Geschlechtsbestimmung ermöglichen.

Werben für Nachfolge im Ehrenamt

Der langjährige 1. Vorsitzende des GWV Rheinland-Pfalz, Guido Andres, kündigte auf der Mitgliederversammlung an, im kommenden Jahr für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Er warb dabei für eine Mitarbeit im Vorstand des Verbandes. Seines Erachtens sei die ehrenamtliche Arbeit vor Ort sehr wichtig als Vertretung der Branche: „Es kann nicht alles von Berlin aus geregelt werden“, sagte er. Gerade bei aktuellen Situationen wie zum Beispiel einem Geflügelpestfall seien Ansprechpartner vor Ort sehr wichtig. Dies komme allen Mitgliedern zugute. 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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