Der Biohof Gandorfer setzt auf einen ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Ansatz: Fein vermahlener Gips in der Einstreu soll Fußballenveränderungen bei Masthähnchen reduzieren. Der Praxisbericht zeigt, dass der Betrieb damit deutliche Verbesserungen bei Tiergesundheit und Nährstoffeffizienz erreicht.
Gips gegen Fußballen-Probleme: Praxisbericht Biohof Gandorfer
Auf der Naturland Öko- Mastgeflügeltagung Süd, die im November 2025 in Piding stattfand, berichtete Alois Gandorfer, ausgebildeter Landwirtschaftsmeister, der 2021 in Langholzen in der Nähe von Landshut, Bayern, den väterlichen Betrieb übernahm, von seinem Ansatz, Fußballenveränderungen bei Masthähnchen mit Gips in der Einstreu entgegenzuwirken.
Übersicht Biohof Gandorfer
Der Betrieb umfasst heute zwei Hähnchenmastställe mit je 14.400 Plätzen im Rein/Raus-Verfahren, etwa 100 ha Ackerbau mit Weizen, Körnermais, Raps, Hafer, Rotklee sowie Kleegras und 12,5 ha Wald. 2015 wurde auf Ökolandbau umgestellt, 2016 der Hähnchenmaststall gebaut und 2017 die Stallfläche erweitert sowie das Dach des ehemaligen Schweinestalls (jetzt Halle) repariert. Die Ställe sind gemauert und verputzt, die Einrichtung stammt von Big Dutchman. Die Ställe verfügen über eine Sprühvernebelungsanlage auf beiden Seiten, sechs Abluftkamine und einen Tunnellüfter als Sommerlüftung. Die Masthähnchen werden von vier Tränkelinien und drei Futterlinien versorgt.
Gips gegen Fußballen-Probleme: Deutliche Verbesserungen
Fußballenveränderungen zählen zu den häufigsten und hartnäckigsten Problemen in der Geflügelmast. Die Hauptursache liegt meist in feuchter Einstreu: Wird sie nicht ausreichend trocken gehalten, entsteht Ammoniak, das die empfindliche Haut der Fußballen schädigt. Der Biohof Gandorfer hat getestet, ob fein vermahlenes Calciumsulfat – handelsüblich als Gips bekannt – Abhilfe schaffen kann. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.
Einfacher Ansatz, große Wirkung
Ziel des Versuchs war es, die Einstreu dauerhaft trocken zu halten. Dazu wurde ab dem siebten Lebenstag alle drei Tage eine dünne Schicht fein vermahlenen Gipses ausgebracht – insgesamt rund 2,5 Tonnen pro Durchgang. Das Material wurde per Eimer flächig verteilt, bereits zur Einstallung stand in jedem Abteil ein Tonnen schwerer Bigbag bereit.
Entscheidend ist laut Gandorfer: früh beginnen und in kleinen, regelmäßigen Mengen arbeiten. „Je scharrfähiger die Einstreu bleibt, desto besser können die Tiere sie durchmischen.“ Wird zu spät reagiert, sei die Scharrfähigkeit kaum wiederherzustellen. Eine Staubmaske sei bei der Ausbringung obligatorisch.
Chemische Reaktion mit positiver Nebenwirkung
Der Effekt beruht auf einer bekannten chemischen Reaktion, die auch industriell zur Herstellung von Ammoniumsulfat genutzt wird: Ammoniak verbindet sich unter Einwirkung von Kohlendioxid, Wasser und Gips zu Calciumcarbonat und Ammoniumsulfat. Für den Stall bedeutet das gleich mehrere Vorteile: Das aggressive Ammoniakgas wird in eine stabile, nicht flüchtige Form überführt, die Emissionen sinken deutlich – gut für Tiergesundheit, Stallklima und Umwelt. Gleichzeitig bleibt der wertvolle Stickstoff im Mist gebunden und steigert dessen Düngewirkung.
Klare Unterschiede im Vergleichsstall
Die Ergebnisse sprechen für sich. Im Versuchsstall wurden 31 Prozent mehr Stickstoff im Mist nachgewiesen als im Kontrollstall, zudem erhöhte sich der Gehalt an Schwefel und Calcium spürbar. Auch die Fußballenprobleme nahmen deutlich ab – ein zentraler Erfolg, der im Praxisalltag unmittelbar spürbar ist.
Wertvoller Dünger: Einsatz im Ackerbau
Der schwefelhaltige Hähnchenmist erwies sich auch im Ackerbau als Vorteil. Auf 15 Hektar Raps in 75er-Reihe zeigte sich eine gute Wirkung. Schwefelmangel führt in Pflanzen häufig zur Bildung unvollständiger Proteinbausteine, die Schädlinge anziehen. Durch den höheren Schwefelanteil im Mist lässt sich dieser Effekt vermeiden – und die Pflanzen können Nährstoffe effizienter in Eiweiß umwandeln.
Ausblick und weitere Optimierungen
Die positiven Resultate sollen nun in Zusammenarbeit mit der DüKa Stiftung und der Technischen Universität München weiter wissenschaftlich untersucht werden. Auch bauliche Verbesserungen stehen im Raum: Für neue Hähnchenmastställe könnte etwa eine Massivholzwand aus Brettschichtholz (BSH) sinnvoll sein. Zudem plant der Betrieb weitere Optimierungen, darunter den Bau eines Getreidelagers mit Reinigung und Trocknung.




































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