Weniger Verluste, trockenere Einstreu: Nippeltränken im Test
16 Juni 2025
Wasserversorgung
Nippeltränken senken Wasserverbrauch und verbessern Fußballengesundheit bei Puten – Versuch zeigt klare Vorteile gegenüber Glockentränken.
Feuchte Einstreu als Risiko für die Fußballengesundheit
Feuchte Einstreu gilt laut Landwirtschaftskammer NRW als wesentlicher Faktor für Fußballenveränderungen bei Puten. Diese Veränderungen treten während der Mast in verschiedenen Schweregraden auf. Ein zentraler Einflussfaktor ist der Feuchtigkeitsgehalt der Einstreu, der durch die Tränketechnik beeinflusst wird. In einem Versuch auf Haus Düsse wurden Glockentränken und Nippeltränken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Tiergesundheit, Leistung und Einstreufeuchte verglichen.
Glockentränken – Standard mit Risiken
In Deutschland dominieren Glockentränken in der Putenhaltung. Diese Systeme haben große offene Wasserflächen, wodurch es leicht zu Wasserverschwendung und feuchter Einstreu kommen kann. Ein regelmäßiges Nachstellen der Tränkehöhe ist notwendig, um Wasserverluste zu minimieren. Die Eckwerte der freiwilligen Vereinbarung zur Haltung von Mastputen geben die Tränkeanzahl je nach Lebendgewicht vor.
Nippeltränken – selten, aber vielversprechend
Im Gegensatz dazu werden Nippeltränken, wie sie bei Masthühnern üblich sind, bislang kaum in der Putenhaltung verwendet. Da sie weniger freiliegendes Wasser bieten, wird ein geringerer Wasserverlust vermutet. Auch hier gelten spezifische Vorgaben zur Anzahl je nach Lebendgewicht.
Versuch auf Haus Düsse vergleicht zwei Tränkesysteme
Im Versuch wurden 1.008 männliche Putenküken der Genetik B.U.T. 6 zufällig zwei Versuchsgruppen zugeordnet: eine mit Glockentränken, eine mit Nippeltränken. Die Aufzucht erfolgte in jeweils identisch eingerichteten Stallabteilen mit unterschiedlichen Tränkesystemen. Nach 35 Tagen wurden die Tiere in die Mastabteile umgestallt und die Tränken entsprechend angepasst.
Leistungsdaten: Höheres Gewicht bei Glockentränken, geringerer Futterverbrauch bei Nippeltränken
Die Tiere an der Glockentränke erzielten am Ende der Mast ein höheres Endgewicht (24,06 kg vs. 22,41 kg), verbrauchten aber auch mehr Futter (5,59 kg mehr je Tier). Trotz dieser Unterschiede war der Futteraufwand nahezu identisch (2,33 kg/kg Zuwachs bei Glockentränken vs. 2,32 kg/kg bei Nippeltränken). Die Tageszunahmen lagen im Durchschnitt bei der Glockentränke um 11 g höher.
Tabelle1. Gewichtsentwicklung in den Futterphasen P1 – P6, differenziert nach Tränktechnik
a,b Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen statistische Unterschiede (p < 0,05), *Je Fütterungsvariante wurden 100 Tiere gewogen; ** LT = Lebenstag, ***Zum Start und an Tag 141 wurde die gesamte Gruppe gewogen.
Wasserverbrauch: Nippeltränke spart deutlich Wasser
Während der Aufzucht waren die Wasserverbräuche zwischen den Gruppen gleich. In der Mast zeigte sich ein signifikanter Unterschied: Tiere an der Glockentränke verbrauchten 110 Liter Wasser pro Tier, an der Nippeltränke nur 84 Liter. Das entspricht einem Verbrauch von 5,99 Litern/kg Zuwachs bei der Glockentränke gegenüber 4,87 Litern bei der Nippeltränke.
Tabelle 2. Vergleich des Futterverbrauchs, des Futteraufwands und des Wasserverbrauchs in den einzelnen Futterphasen differenziert nach Tränketechnik
Wirtschaftlichkeit: Geringere Futterkosten bei Nippeltränken, höherer Erlös bei Glockentränken
Die geringeren Futterverbräuche bei den Nippeltränken senkten die Futterkosten um 2,12 € je Tier. Da jedoch die Endgewichte geringer waren, fiel der Erlös um 2,70 € niedriger aus. Der Überschuss (Tiererlös minus Futterkosten) war mit 16,13 € bei den Nippeltränken etwas geringer als bei den Glockentränken (16,72 €).
Verluste: Unterschiede in Aufzucht und Mast
Gesamtverluste unterschieden sich nicht wesentlich (5,3 % bei Glockentränken vs. 5,26 % bei Nippeltränken). Auffällig waren jedoch höhere Verluste in der Aufzucht bei den Nippeltränken (2,8 % vs. 1,2 %), hauptsächlich in den ersten sieben Tagen. In der Mast kehrte sich dieses Bild um – hier lagen die Verluste bei den Glockentränken höher, insbesondere durch Beschädigungspicken.
Einstreufeuchte: Signifikant trockener bei Nippeltränken
Während der Aufzucht zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Trockenmassegehalt der Einstreu. Am Ende der Mast hingegen war die Einstreu bei den Nippeltränken mit 74,08 % deutlich trockener als bei den Glockentränken (65,47 % Trockenmasse).
Fußballengesundheit: Deutlicher Vorteil für Nippeltränken
Zu Mastende wurden signifikante Unterschiede bei der Fußballengesundheit festgestellt: Tiere an der Glockentränke wiesen im Mittel Note 1,97 auf, an der Nippeltränke dagegen Note 1,08. Bei den Glockentränken waren mehr Tiere in den höheren Schadensklassen (Scores 2–4), bei den Nippeltränken dagegen mehr Tiere ohne Befund (Score 0).
Tabelle 3. Prozentuale Verteilung der Fußballenscores am Ende der Mast differenziert nach Tränketechnik
Fazit: Ressourcenschonende Putenhaltung mit Nippeltränken möglich
Laut Versuchsergebnissen der Landwirtschaftskammer NRW haben Nippeltränken einen positiven Einfluss auf die Einstreufeuchte und die Fußballengesundheit von Puten. Auch der Wasserverbrauch und die Futterkosten sind geringer. Dem gegenüber stehen etwas geringere Endgewichte und leicht niedrigere Erlöse. Insgesamt zeigen die Daten, dass Nippeltränken eine tiergerechtere und ressourcenschonendere Alternative zur Glockentränke darstellen können.
Geflügelnews
Bild:
ZDG
Quelle:
Pia Niewind, Dr. Jochen Krieg, Josef Stegemann, Senta Becker, Landwirtschaftskammer NRW
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