Neue Stalltechnik senkt Ammoniak aus Legehenneneinstreu um 71 Prozent

15 September 2026
Legehenne
Mistschaufel

Eine Mistschaufel könnte die Ammoniakbildung im Legehennenstall deutlich reduzieren. Bei orientierenden Messungen in den Niederlanden fiel die Ammoniakemission aus der Einstreu um 71 Prozent geringer aus als bei herkömmlicher Einstreu. Ob sich dieser Effekt auf den gesamten Stall übertragen lässt, müssen weitere Versuche zeigen.

Eine neue Technik soll Ammoniak direkt dort reduzieren, wo es entsteht: in der Einstreu des Legehennenstalls. Erste Messungen von Wageningen Livestock Research und dem Poultry Expertise Centre (PEC) im niederländischen Barneveld zeigen Potenzial.

Bei Einsatz der neuen Technik - einer sogenannten Mistschaufel („Mestschuifel“) - lag die gemessene Ammoniakemission aus der Einstreu 71 Prozent niedriger als bei einem herkömmlichen Einstreusystem. Wageningen Livestock Research warnt allerdings davor, diesen Wert als Emissionsminderung für den gesamten Stall zu verstehen.

Die Wissenschaftler führten bislang lediglich orientierende Messungen durch. Zudem war der gemessene Unterschied bei der üblichen Grenze von p < 0,05 statistisch nicht signifikant.

Mistschaufel entfernt täglich trockenen Kot aus der Einstreu

Die Mistschaufel setzt direkt an der Emissionsquelle an. Das System entfernt täglich trockene Kotpartikel unter einem holzigen Substrat.

Ergänzt wird die Technik durch ein separates Staubbadehaus. Dort können die Legehennen in einer dickeren Schicht aus feinem Material wie Sand scharren und staubbaden.

Entwickelt wurde die Kombination von Wageningen Livestock Research, dem Poultry Expertise Centre, Geerts Chaam und Livestock Robotics. Sie soll die Bildung von Ammoniak in der Einstreu begrenzen, ohne den Hennen die Möglichkeit zum Scharren und Staubbaden zu nehmen.

Forscher vergleichen zwei Einstreusysteme im Bio-Legehennenstall

Die Wissenschaftler untersuchten das Verfahren unter Praxisbedingungen in einem Stall mit Bio-Legehennen. Dafür teilten sie den Scharrbereich in zwei Bereiche.

In einem Bereich kamen das holzige Substrat und die Mistschaufel zum Einsatz. Der zweite Bereich war mit einem herkömmlichen Einstreusystem ausgestattet und diente als Vergleich.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten führten die Forscher sechs Messungen mit einer dynamischen Fluxkammer durch. Damit ermittelten sie, wie viel Ammoniak jeweils aus der Einstreu freigesetzt wurde.

Das Ergebnis: Beim System mit Mistschaufel und holzigem Substrat lag die gemessene Ammoniakemission um 71 Prozent niedriger als bei der traditionellen Einstreu.

71 Prozent weniger Ammoniak gelten noch nicht für den gesamten Stall

Der Wert muss jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz bei der üblichen Schwelle von 0,05. Der ermittelte p-Wert lag bei 0,099.

Vor allem lässt sich die gemessene Minderung nicht direkt auf die Emissionen eines kompletten Legehennenstalls übertragen. Untersucht wurde die Ammoniakfreisetzung aus der Einstreu und nicht die gesamte Abluft des Stalls.

Damit liefern die Ergebnisse zunächst einen Hinweis darauf, dass die Technik die Ammoniakbildung an der Quelle reduzieren könnte. Wie groß der Effekt unter Praxisbedingungen auf Stallebene tatsächlich ist, steht noch nicht fest.

Wirkung der Mistschaufel auf Feinstaub bleibt offen

Auch zur Feinstaubemission können die Forscher bislang keine belastbare Aussage treffen. Während des Versuchs stand laut Wageningen Livestock Research keine ausreichend zuverlässige und validierte Methode zur Verfügung, mit der sich die Feinstaubemission einer bestimmten Stallfläche messen ließ.

Eine eigens entwickelte Messmethode reagierte zu empfindlich auf Unterschiede bei Einstellung und Positionierung der Messtechnik.

Größere Legehennenställe sollen jetzt Klarheit bringen

In einem Folgeprojekt wollen die Forscher nun größere Ställe untersuchen. Dabei sollen Messungen nach dem offiziellen Messprotokoll zeigen, welchen Einfluss die Mistschaufel tatsächlich auf die Emissionen des gesamten Stalls hat.

Auf dieser Grundlage soll schließlich ein Emissionsfaktor für das Verfahren ermittelt werden. Erst diese Untersuchungen können zeigen, ob sich die deutliche Minderung aus den bisherigen Einstreumessungen auch auf Praxisställe übertragen lässt.

Finanziell unterstützt wurde das bisherige Forschungsprojekt von der Provinz Gelderland, Avined, Rabobank und Regio Foodvalley.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: Bastiaan Vroegindeweij
Quelle: Tom Schotman, Poultry Expertise Centre

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.