Miscanthus als Einstreu: Darum ist es ein echter Hit
Claas Deetjen ist Junghennenaufzüchter im niedersächsischen Westerstede. Immer mit offenem Blick für innovative Ideen, stieß er vor drei Jahren auf Miscanthus. Eigentlich wächst das auch Chinaschilf genannte Gras bei ihm für die Hackschnitzelheizung. Heute erfüllt es noch einen zweiten Zweck: Es hat sich als Einstreu in seinen Ställen bestens bewährt.
Claas Deetjen hat ein Problem, das viele landwirtschaftliche Betriebe sehr gut kennen: Das alte Wohnhaus auf dem Hof und der Resthof, den nebenan die Tochter bewohnt, haben sehr viel Wohnfläche und verschlingen Jahr für Jahr enorme Heizkosten: „Bei den zwei Wohneinheiten sind es fast 340 qm Wohnfläche“, erzählt der 58-jährige aus dem niedersächsischen Westerstede. Das Heizen wurde nach Beginn des Ukraine-Krieges 2022 natürlich teuer – und Claas Deetjen machte sich auf die Suche nach Alternativen zum Gas.
Miscanthus und Pappeln für die Heizung
Da zum Hof auch 40 ha Wald gehören und zwischen seinen landwirtschaftlichen Flächen die in der Region üblichen Wallhecken stehen, kam er schnell auf eine Hackschnitzelheizung. Im vergangenen Jahr wurde sie am Hof in Betrieb genommen. Hierfür begann er bereits vor drei Jahren mit der Anlage einer Kurzumtriebsplantage mit Pappeln. 2,5 ha sind es, auf einem Teilstück soll im kommenden Winter das erste Mal „geerntet“ werden.
Zum anderen pflanzte er aber zusätzlich auf insgesamt 6 ha Miscanthus. „Ich hatte von einem Berufskollegen davon gehört und mich dann selbst damit beschäftigt“, so der Junghennenaufzüchter. Miscanthus liefert oftmals noch einen etwas höheren jährlichen Energieertrag als die Kurzumtriebsplantage. Zum ersten Mal geerntet werden kann es nach drei Jahren und dann jedes Jahr – mit dem Maishäcksler. Der Vorteil von Miscanthus: Es braucht nicht getrocknet werden.
Claas Deetjen hat Miscanthus-Einstreu auch im Stallinnern getestet.
Miscanthus braucht Anlagenzulassung
Claas Deetjen beziffert seinen Heizbedarf für die zwei anfangs genannten Wohnhäuser mit etwa 90.000 kWh pro Jahr. So sieht er sich jetzt gut aufgestellt und die volatilen Gaspreise sind nicht mehr sein Problem. Eine Überlegung ist, auch die im Außenbereich befindlichen beiden Junghennenaufzuchtställe ebenfalls per Hackschnitzelheizung zu versorgen. Für die beiden Ställe werden ca. 350.000 kWh/Jahr benötigt.
Ein wichtiger Hinweis von Claas Deetjen: Miscanthus hat einen hohen Chlorgehalt und könnte bei ungeeigneten Anlagen zu Problemen im Heizkessel führen. Es werden auf dem Markt jedoch verschiedene Hackschnitzelheizungen angeboten, die für Miscanthus zugelassen sind. Gründliches Informieren ist Pflicht, bevor man hier investiert, so der Landwirt. Er selbst stand und steht im Austausch mit Anne und Georg Frilling aus Goldenstedt im Landkreis Vechta. Die Landwirtsfamilie („Hof Frilling“) befasst sich seit Jahren mit Miscanthus, vermehrt Rhizome, führt Pflanzungen durch etc.
Miscanthus-Einstreu wird von den Tieren nicht gefressen.
Miscanthus braucht nicht getrocknet werden, das Material ist relativ weich.
Frillings vermarkten ihren Miscanthus auch als Einstreu für verschiedene Tierarten – unter anderem für Hühner. Das brachte Claas Deetjen auf die Idee, das in seinen Bio-Junghennen-Aufzuchtställen zu testen – mit großem Erfolg, wie er betont. Seine beiden Ställe bieten je 38.400 Tieren Platz. In Absprache mit der „Bio Aufzucht Gudendorf Ankum“, für die er die Junghennen aufzieht, probierte er die Miscanthus-Hackschnitzel zunächst im Wintergarten aus. „Wegen des hohen Chlorgehaltes fressen die Küken die Miscanthus-Schnitzel nicht“, erzählt er.
Fußballenverletzungen gibt es nicht
Gehäckselter Miscanthus ist zudem recht weich, Fußballenverletzungen treten nicht auf. Nach den guten Erfahrungen im Wintergarten hat Claas Deetjen jetzt auch im Stallinnern Miscanthus als Einstreu eingesetzt, zunächst probeweise nur in einem Abteil. Für die jungen Küken ab einem Alter von drei Wochen häckselte er den Miscanthus ganz fein, außerdem wurde höher abgemäht, damit die grünen Teile nicht mit in die Hackschnitzel kommen. Eingestreut wurde in den Stallgängen in einer Höhe von ca. 2 cm. Beim ersten Probelauf in der Junghennenaufzucht hat Deetjen doppelt so viel an Gewicht eingestreut, wie bei der zuvor verwendeten Hobelspäne. „Das Maß muss noch gefunden werden“, so der Aufzüchter.
Deetjen: Im Junghennenauslauf wachsen Binsen, Deetjen plant, in Stallnähe Miscanthus zu pflanzen.
Miscanthus muss wie erwähnt nicht getrocknet werden. Den Anteil Häckselgut, den er für die Ställe nutzen will, hat Claas Deetjen in Big Bags gelagert. So ist die Einstreu sicher vor der Kontamination durch Wildvögel geschützt. Zur zusätzlichen Sicherheit ist die Folie der Big Bags mit Schlitzen versehen, damit Schimmel auf keinen Fall eine Chance hat.
Einen Versuch, Miscanthus-Häcksel im stallnahen Bereich im Auslauf einzusetzen, um diese Fläche trockener zu halten, gab er bald auf: „Dafür ist das Material zu leicht, es wird vom Wind verweht.“
Geerntet wird Miscanthus im April/Mai mit dem Maishäcksler.
Miscanthus-Pflanzung im Auslauf geplant
Was er allerdings plant, ist, im Auslauf der Junghennen Miscanthus zu pflanzen, im stallnahen Bereich oder in einigen Streifen vom Stall weg. „Wir haben hier viele Probleme mit Luftbeutegreifern. In unseren Ausläufen wachsen Binsen, das gibt schon etwas Deckung. Bei Miscanthus wäre das natürlich noch einmal deutlich besser. In Geflügelausläufen mit Pappeln oder Weiden setzen sich Habichte oder Bussarde auch mal dort drauf und warten auf ihre Beute. Das geht bei Miscanthus nicht“, sieht er den Vorteil. Die Pläne gehen dem umtriebigen Landwirt nicht aus.
Der Bewuchs der Kurzumtriebsplantage geht in die Hackschnitzelheizung.
Christa Diekmann-Lenartz
Bild:
Christa Diekmann-Lenartz, Deetjen
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