Greifvögel wie der Habicht stellen eine ernste Gefahr für Hühner im Freiland dar – wirksamen Schutz bietet nur eine Kombination mehrerer Maßnahmen.
Für Halter von Freilandhühnern stellen Greifvögel wie Habicht, Seeadler oder Uhu eine ständige Gefahr dar. Besonders der Habicht jagt äußerst geschickt und unauffällig – meist tief über dem Boden und aus dem Hinterhalt. Laut dem Thünen-Institut für Ökologischen Landbau gehen Schätzungen in den Niederlanden davon aus, dass im Schnitt bis zu 4 % der Legehennen im Auslauf Greifvögeln zum Opfer fallen – die tatsächliche Zahl könnte sogar doppelt so hoch sein.
Da alle Greifvogelarten streng geschützt sind, darf man sie weder vertreiben noch fangen. Umso wichtiger ist es, alternative Schutzmaßnahmen zu kennen, die wirklich etwas bringen.
Warum der Habicht für Legehennen besonders gefährlich ist
Habichte leben meist als Paar in festen Revieren, oft über viele Jahre hinweg. Sie bevorzugen strukturreiche Landschaften mit Waldnähe – und genau dort sind auch viele Hühnerausläufe zu finden. Der Habicht jagt aus dem Verborgenen, schlägt schnell und gezielt zu. Anders als Bussard oder Milan ist er kaum zu sehen – seine Anwesenheit wird oft erst durch tote Tiere bemerkt.
Studie: Gehölzstreifen können Greifvögel sogar anlocken
Das Thünen-Institut testete in einem Versuch verschiedene Auslaufformen mit und ohne Gehölzstrukturen. Dabei wurden Hähne entweder auf offenen Flächen oder in Ausläufen mit Pappeln bzw. Hecken gehalten – ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen. Ergebnis: Überraschenderweise gab es in den Ausläufen mit Gehölzen mehr Verluste durch Greifvögel. Der Grund: Die Tiere nutzten die strukturreichen Flächen intensiver, hielten sich weiter vom Stall entfernt auf und waren dadurch angreifbarer.
Es wird vermutet, dass die verwendeten Gehölzstreifen entweder zu wenig Deckung boten – oder den Habichten sogar ideale Einflugschneisen lieferten. Eine Anpassung der Struktur (z. B. dichtere oder höhere Hecken) könnte künftig bessere Ergebnisse liefern.
Welche Schutzmaßnahmen im Auslauf wirklich wirken
Mit Kameras wurde dokumentiert, dass fast alle Angriffe eindeutig dem Habicht zugeordnet werden konnten. Besonders häufig kam es am Nachmittag und in der Dämmerung zu Schlägen – teils wurden an einem Tag mehrere Tiere aus verschiedenen Gruppen erbeutet.
Ein wirksamer Schutz ist das Überspannen des Auslaufs mit engmaschigem Netz. Maschenweiten von 10 cm sind üblich, aber je nach Greifvogelart (z. B. kleiner Habicht oder Sperber) können kleinere Maschen sicherer sein. Markierungen am Netz verhindern zusätzlich, dass sich Vögel darin verfangen.
Optische oder akustische Vergrämungsmittel wie flatternde Bänder oder Geräusche helfen meist nur kurzfristig – Habichte gewöhnen sich rasch daran.
Partnertiere als natürlicher Schutz vor Greifvögeln
Besonders wirksam zeigt sich der Einsatz von sogenannten Partnertieren: Hähne, Puten, Hütehunde oder auch Ziegen können Greifvögel beim Angriff stören. Sie halten zwar nicht ständig Wache, sorgen aber für Unruhe, wenn ein Habicht zuschlagen will. Allerdings gibt es erste Hinweise, dass sich Greifvögel mit der Zeit auch an Ziegen gewöhnen – insbesondere in Jahren mit geringem Beuteangebot.
Weniger Angriffe bei gemeinsamer Haltung mit Rindern
Im MIX-ENABLE-Projekt hat das Thünen-Institut mehrere Jahre lang Geflügel zusammen mit Jungrindern gehalten. Das Ergebnis: In diesen gemischten Gruppen kam es deutlich seltener zu Angriffen durch Habichte. Ob sich das Konzept auch auf Legehennen mit langen Auslaufphasen übertragen lässt, ist noch offen.
Fazit für die Praxis
Greifvögel lassen sich – anders als Fuchs oder Marder – kaum zuverlässig vom Auslauf fernhalten. Schutznetze, wachsame Partnertiere und durchdachte Gehölzstrukturen können helfen, reichen aber oft nicht allein. Wichtig ist die Kombination mehrerer Maßnahmen – angepasst an Standort, Tiergruppe und Revierlage. Und: Wo es viel alternative Beute gibt, lassen Greifvögel Hühner eher in Ruhe.




































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