Vierbeinige Helfer im Hühnerauslauf: So schützen Betriebe ihre Herden vor Räubern

22 März 2026
Legehenne
Ziege

Ziegen, Alpakas oder Hunde – immer mehr Geflügelhalter setzen auf tierische Unterstützung im Auslauf. Ein Online-Seminar zeigt, was funktioniert und wo die Grenzen liegen.

Inga Garrelfs und Dr. Christiane Keppler aus dem Beratungsteam Tierhaltung des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen erläuterten in einem Online-Seminar, das das Netzwerk Fokus Tierwohl zum Thema „Schutz vor Prädatoren- Abwehr von Beutegreifern und effektiver Zaunbau” veranstaltete, was bei zusätzlichen Tierarten im Hühnerauslauf, die potenzielle Angreifer abschrecken sollen, zu beachten ist.

Ziegen schrecken Räuber ab

Ziegen können dazu beitragen, Beutegreifer fernzuhalten, da größere Tiere im Auslauf für viele Räuber eine abschreckende Wirkung haben. Wichtig ist jedoch, dass mindestens zwei Tiere gehalten werden, denn Ziegen sind ausgeprägte Herdentiere.

Vor dem Einsatz sollten Betriebe die Haltung mit den zuständigen Behörden abstimmen, insbesondere mit dem Veterinäramt und der Tierseuchenkasse. In der Regel müssen Ziegen über die HIT-Datenbank registriert und mit Ohrmarken gekennzeichnet sein. Außerdem sind Bestandsregister und Medikamentennachweise zu führen.

Auch praktische Aspekte spielen eine Rolle. Die Tiere benötigen eine eigene Unterbringung, etwa eine mobile Schutzhütte. Gleichzeitig sollte verhindert werden, dass Hühner Zugang zum Heu der Ziegen oder altem, langen Gras bekommen, da sich dieses in den Hühnern verheddern und Kropf- oder Magenwickler verursachen kann.

Unabhängig davon müssen die Anforderungen der Verordnung (EU) 2023/2465 eingehalten werden. Sie schreibt unter anderem vor, dass Legehennen tagsüber uneingeschränkten Zugang zum Auslauf haben müssen.

Alpakas als aufmerksame Wächter

Auch Alpakas werden gelegentlich im Herdenschutz eingesetzt. Die Tiere reagieren aufmerksam auf fremde Eindringlinge und können so abschreckend wirken. Empfohlen wird eine kleine Herde von mindestens zwei, besser drei Tieren.

Alpakas gelten als relativ pflegeleichte und sehr saubere Tiere, da sie ihren Kot meist an festen Stellen absetzen. Dennoch benötigen sie ausreichend Schatten sowie eine Schutzhütte im Auslauf. Auch hier sollte die Haltung grundsätzlich mit dem zuständigen Veterinäramt abgestimmt werden.

Herdenschutzhunde arbeiten eigenständig

Eine besonders wirksame, aber auch anspruchsvolle Lösung können Herdenschutzhunde sein. Sie unterscheiden sich deutlich von Hütehunden: Während Hütehunde die Herde lenken, bewachen Herdenschutzhunde eigenständig ihr Territorium. Diese meist großen und robusten Tiere zeigen ein ausgeprägtes Schutzverhalten. Sie positionieren sich zwischen Herde und möglichem Angreifer und versuchen zunächst, Eindringlinge durch Präsenz und Bellen zu vertreiben. Damit das funktioniert, müssen die Hunde möglichst von klein auf bei den Hühnern aufwachsen. Sie lernen so, die Tiere als Teil ihrer Herde zu akzeptieren. Gleichzeitig müssen klare Grenzen gelten: Der Zaun markiert ihr Revier, das sie nicht verlassen dürfen.

Auch rechtliche Vorgaben sind zu beachten. Nach der Tierschutz-Hundeverordnung müssen Hunde im Freien ausreichend Schutz vor Witterungseinflüssen erhalten. Schutzhütten sind daher Pflicht, eine Hundehaftpflichtversicherung gilt als dringend empfehlenswert.

Weitere Tierarten – und ihre Grenzen

Neben Ziegen, Alpakas und Hunden werden vereinzelt auch andere Tierarten im Herdenschutz erprobt, etwa Pferde, Lamas oder kleine Rinder. Selbst Gänse oder andere Geflügelarten werden gelegentlich als zusätzliche „Wächter“ eingesetzt. Allerdings bringt jede weitere Tierart auch neue Herausforderungen mit sich. Krankheitserreger können zwischen den Tierarten übertragen werden.

Für Betriebe, die nach den Standards des Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) arbeiten, gelten zudem besondere Hygienevorschriften. Herdenschutzhunde dürfen sich dort beispielsweise nur im Grünauslauf aufhalten.

Herdenschutz braucht ein Gesamtkonzept

Am Ende bleibt festzuhalten: Der Einsatz zusätzlicher Tiere kann den Schutz von Hühnerherden unterstützen, ersetzt aber keine durchdachte Betriebsführung. Wer diesen Weg einschlägt, muss bereit sein, Zeit, Organisation und zusätzliche Ressourcen in ein funktionierendes Herdenschutzkonzept zu investieren.

Magdalena Esterer
Bild: AdobeStock_Prieshof PixEL

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