Die Legehennenhalterin Sabrina Verhaaf hat sich dafür entschieden, Alpakas als tierfreundliche Schutzmaßnahme einzusetzen und erzählte in einem Online-Seminar aus dem Netzwerk Fokus Tierwohl mit dem Titel „Tiergerechte Haltung von Herdenschutztieren im Legehennenauslauf - das bewirkt meckern und bellen” davon, wie gut es funktioniert (Herdenschutz-Serie, Teil 3).
Beutegreifer wie Habicht, Fuchs oder Marder sorgen Jahr für Jahr für teils erhebliche Verluste in der Freilandhaltung von Legehennen. Allein durch Greifvögel gehen laut Schätzungen bundesweit bis zu zehn Prozent der Bestände verloren – mit drastischen Auswirkungen auf Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Arbeitszufriedenheit. Klassische Schutzmaßnahmen wie Netze oder Zäune stoßen in der Praxis oft an technische oder finanzielle Grenzen.
Doch immer mehr Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter setzen auf tierische Helfer: Ziegen, Alpakas oder speziell ausgebildete Herdenschutzhunde übernehmen eine neue Rolle im Hühnerauslauf. Ihre Präsenz stört Jagdmuster von Greifvögeln und schützt Hennen vor Angriffen. In dieser Serie zeigen wir, wie verschiedene Betriebe den Einsatz von Herdenschutztieren erfolgreich umsetzen, worauf bei Haltung, Pflege und Integration zu achten ist – und welche Herausforderungen bestehen.
Mit Erfahrungsberichten, praktischen Tipps und rechtlichen Hinweisen bieten wir Orientierung für alle, die ihren Betrieb nachhaltig schützen und gleichzeitig das Tierwohl verbessern wollen.
Inhalte der Serie auf einen Blick
- Meckern gegen den Habicht – Ziegen als Schutz im Legehennenauslauf
- Der Hund, treuster Begleiter des Menschen – auch fürs Huhn?
- Alpakas als natürliche Greifvogelabwehr im Hühnerauslauf
- Mit dem Schutz kommt das Risiko – Eingeschleppte Erreger
- Schutz mit Risiko: Wenn Herdenschutztiere zur Gefahr für Legehennen werden
- Gänse und Schweine als Herdenschutztiere? Lieber nicht!
- Herdenschutz für Herdenschutztiere – Wer schützt die Beschützer?
Greifvögel als Gefahr in der Freilandhaltung
In der Freilandhaltung von Legehennen stellen Greifvögel wie Habichte oder Bussarde eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Besonders junge Tiere oder kleinere Hühnerrassen sind häufige Opfer solcher Attacken. Netze oder Überdachungen bieten zwar wirksamen Schutz, sind jedoch mit hohen Kosten und erheblichem Aufwand verbunden. Bewegliche Abschreckmittel wie Reflektoren oder Vogelscheuchen verlieren schnell an Effektivität, sobald sich die Raubvögel daran gewöhnt haben. Auch der Einsatz von Hunden ist nicht überall praktikabel und erfordert zusätzliches Training.
Alpakas – Wachtiere mit Schutzinstinkt
Sabrina Verhaaf hatte die Idee, es mit Alpakas zu versuchen. Die aus Südamerika stammenden Herdentiere verfügen über einen ausgeprägten Schutzinstinkt und reagieren aufmerksam auf jede Bewegung oder unbekannte Tiere in ihrer Umgebung. Drohgebärden und Alarmrufe gehören zu ihrem natürlichen Abwehrverhalten, mit dem sie auch Greifvögel abschrecken können. Alpakas positionieren sich bei Gefahr instinktiv zwischen ihrer Herde und dem potenziellen Angreifer. Auch im Hühnerauslauf zeigen sie dieses Verhalten und sorgen damit für zusätzliche Sicherheit. Ihre bloße Präsenz reicht oft aus, um Greifvögel dauerhaft fernzuhalten.
Worauf bei der Haltung zu achten ist
Für eine artgerechte Haltung ist ausreichend Platz erforderlich – empfohlen werden mindestens 1.000 Quadratmeter Auslauffläche. Alpakas sollten nie einzeln gehalten werden, da sie als Herdentiere sozial eingebunden sein müssen. Wichtig sind auch getrennte Futterbereiche, da Hühnerfutter für Alpakas ungeeignet ist. Die Tiere sollten nur einem Geschlecht angehören, da Alpakas das ganze Jahr aufnahmebereit sind. Verhaaf berichtet, dass die Anschaffungskosten enorm sind, wobei Hengste günstiger sind als Stuten. Unkastrierte Hengste versuchen allerdings mitunter, sich gegenseitig zu decken, was manchmal zu tödlichen Verletzungen führt.
Alpakas als Vogelabwehr - natürlich, wirksam, tierfreundlich
Der Einsatz von Alpakas bewirkte deutlich geringere Verluste durch Greifvögel. Die Hühner zeigen sich insgesamt entspannter, und auch gegenüber fremden Personen wirken die Tiere abschreckend. Selbst die Wolle der Alpakas kann als Abwehr genutzt werden.
Im Gegensatz zu technischen Abwehrsystemen bleibt die abschreckende Wirkung der Alpakas konstant – ein „Verlernen“ wie bei starren Maßnahmen findet nicht statt. Der Pflegeaufwand ist vergleichsweise gering, und gleichzeitig düngen die Tiere den Auslauf auf natürliche Weise. Für Betriebe mit Besucherzugang können Alpakas zudem ein zusätzlicher Anziehungspunkt sein.
Dies ist Teil 3 unserer siebenteiligen Herdenschutz-Serie. Hier geht’s zu Teil 1, 2, 4, 5, 6, 7




































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