In einem Online-Seminar aus dem Netzwerk Fokus Tierwohl mit dem Titel „Tiergerechte Haltung von Herdenschutztieren im Legehennenauslauf - das bewirkt meckern und bellen” warnte Dr. med. vet. Kristian Düngelhoef, Fachtierarzt für Geflügel, vor den potenziellen Infektionsrisiken für Legehennen durch Herdenschutztiere (Herdenschutz-Serie, Teil 5).
Beutegreifer wie Habicht, Fuchs oder Marder sorgen Jahr für Jahr für teils erhebliche Verluste in der Freilandhaltung von Legehennen. Allein durch Greifvögel gehen laut Schätzungen bundesweit bis zu zehn Prozent der Bestände verloren – mit drastischen Auswirkungen auf Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Arbeitszufriedenheit. Klassische Schutzmaßnahmen wie Netze oder Zäune stoßen in der Praxis oft an technische oder finanzielle Grenzen.
Doch immer mehr Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter setzen auf tierische Helfer: Ziegen, Alpakas oder speziell ausgebildete Herdenschutzhunde übernehmen eine neue Rolle im Hühnerauslauf. Ihre Präsenz stört Jagdmuster von Greifvögeln und schützt Hennen vor Angriffen. In dieser Serie zeigen wir, wie verschiedene Betriebe den Einsatz von Herdenschutztieren erfolgreich umsetzen, worauf bei Haltung, Pflege und Integration zu achten ist – und welche Herausforderungen bestehen.
Mit Erfahrungsberichten, praktischen Tipps und rechtlichen Hinweisen bieten wir Orientierung für alle, die ihren Betrieb nachhaltig schützen und gleichzeitig das Tierwohl verbessern wollen.
Inhalte der Serie auf einen Blick
- Meckern gegen den Habicht – Ziegen als Schutz im Legehennenauslauf
- Der Hund, treuster Begleiter des Menschen – auch fürs Huhn?
- Alpakas als natürliche Greifvogelabwehr im Hühnerauslauf
- Mit dem Schutz kommt das Risiko – Eingeschleppte Erreger
- Schutz mit Risiko: Wenn Herdenschutztiere zur Gefahr für Legehennen werden
- Gänse und Schweine als Herdenschutztiere? Lieber nicht!
- Herdenschutz für Herdenschutztiere – Wer schützt die Beschützer?
Präventive Bestandsbetreuung
Die Tierarztpraxis an der Güterstraße in Hamminkeln, die Düngelhoef seit 2018 mit leitet, blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Mit spezialisierten Abteilungen für Schwein, Rind, Kleintier und Geflügel nutzt die Praxis Synergien im Team, um Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Seuchenvorsorge bestmöglich zu vereinen. Gerade in der Geflügelabteilung sieht sich die Praxis zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, Tierhalter nicht nur in der Krankheitsbehandlung, sondern auch in der präventiven Bestandsbetreuung zu beraten – insbesondere wenn es um neue Haltungsformen oder Mischsysteme geht.
Verluste durch Beutegreifer
Gerade in Freiland- und Biohaltung zeigen sich teilweise erhebliche Verluste durch Beutegreifer; insbesondere kleine Bestände sehen sich häufig mit hohen prädatorenbedingten Ausfällen konfrontiert – bis zu 90 Prozent der Verluste gehen in Einzelfällen auf das Konto von Beutegreifern.
Herdenschutztiere als alternative Schutzmaßnahme bergen erhebliche gesundheitliche Risiken für die Hennen in Hinblick auf Infektionskrankheiten.
Herdenschutz mit Nebenwirkungen?
Was viele Tierhaltende nicht bedenken: Herdenschutztiere können zum Einfallstor für verschiedene bakterielle Erreger werden. Besonders problematisch sind dabei Infektionen mit Salmonellen, Pasteurellen, Rotlauf und Mykoplasmen.
Salmonellen – die unsichtbare Bedrohung
Gerade Salmonellen stellen in der Geflügelhaltung ein massives Risiko dar. Rund 2.600 verschiedene Serovare sind bekannt. Besonders relevant für die Legehennenhaltung sind Salmonella Enteritidis (S.E.), Salmonella Typhimurium (S.T.) sowie Salmonella Gallinarum-Pullorum, die unter die Geflügelsalmonellen-Verordnung fallen. Salmonellen sind bekanntermaßen nicht nur gesundheitlich problematisch: Auch aus wirtschaftlicher Sicht sind Salmonellen eine Bedrohung – denn für die Schlachtung gilt, dass das Fleisch frei von Salmonellen sein muss.
Viele Eintragsquellen – erhöhte Wachsamkeit gefragt
Neben Herdenschutztieren gibt es eine Vielzahl weiterer potenzieller Infektionsquellen: Schadnager, Wildvögel, Menschen oder andere Haustiere – sie alle können Salmonellen oder andere Erreger einschleppen. Umso wichtiger ist es, bei der Planung von Schutzmaßnahmen für Legehennenbestände nicht nur auf den direkten Schutz vor Prädatoren zu achten, sondern auch die gesundheitliche Sicherheit der Tiere im Blick zu behalten.
Dies ist Teil 5 unserer siebenteiligen Herdenschutz-Serie. Hier geht’s zu Teil 1, 2, 3, 4, 6, 7

































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