Mit dem Schutz kommt das Risiko – Eingeschleppte Erreger

11 August 2025
Stallmanagement
Canadagans

Welche bakteriellen Erreger von außen in Legehennenbestände eingeschleppt werden können, erörterte Dr. med. vet. Kristian Düngelhoef, Fachtierarzt für Geflügel, in einem Online-Seminar aus dem Netzwerk Fokus Tierwohl mit dem Titel „Tiergerechte Haltung von Herdenschutztieren im Legehennenauslauf - das bewirkt meckern und bellen” (Herdenschutz-Serie, Teil 4).

Beutegreifer wie Habicht, Fuchs oder Marder sorgen Jahr für Jahr für teils erhebliche Verluste in der Freilandhaltung von Legehennen. Allein durch Greifvögel gehen laut Schätzungen bundesweit bis zu zehn Prozent der Bestände verloren – mit drastischen Auswirkungen auf Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Arbeitszufriedenheit. Klassische Schutzmaßnahmen wie Netze oder Zäune stoßen in der Praxis oft an technische oder finanzielle Grenzen.

Doch immer mehr Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter setzen auf tierische Helfer: Ziegen, Alpakas oder speziell ausgebildete Herdenschutzhunde übernehmen eine neue Rolle im Hühnerauslauf. Ihre Präsenz stört Jagdmuster von Greifvögeln und schützt Hennen vor Angriffen. In dieser Serie zeigen wir, wie verschiedene Betriebe den Einsatz von Herdenschutztieren erfolgreich umsetzen, worauf bei Haltung, Pflege und Integration zu achten ist – und welche Herausforderungen bestehen.

Mit Erfahrungsberichten, praktischen Tipps und rechtlichen Hinweisen bieten wir Orientierung für alle, die ihren Betrieb nachhaltig schützen und gleichzeitig das Tierwohl verbessern wollen.

Inhalte der Serie auf einen Blick

Pasteurellen – Gefahr durch Wildtiere und Haustiere

Die Geflügelcholera, ausgelöst durch Pasteurella multocida, stellt eine akute Bedrohung für Legehennen dar. Die Erreger werden vor allem durch Wildvögel, aber auch durch Katzen, Hunde, Schweine, Wiederkäuer oder Schadnager übertragen. Je nach Stamm kann die Erkrankung sehr aggressiv verlaufen – bis hin zum plötzlichen Tod der Tiere durch eine schwere Allgemeinerkrankung. Die chronische Form zeigt sich unter anderem durch Schwellungen der Kehllappen. Eine wirksame Therapie ist schwierig, Rückfälle sind häufig. Daher wird eine bestandspezifische Impfung empfohlen.

Rotlauf: Altbekannte Gefahr kehrt zurück

Erysipelothrix rhusiopathiae, der Erreger des Rotlaufs, tritt in letzter Zeit wieder vermehrt auf. Der Erreger, der durch Schadnager und Schweine übertragen wird, kann im Boden überdauern und gelangt durch kleine Hautverletzungen – oft durch Kannibalismus begünstigt – in den Körper.

Typische Symptome sind Ödeme, Einblutungen und die „ebenholzfarbene Leber“. Auch hier ist die Therapie schwierig und Rückfälle häufig. Die Impfung des Bestands bietet wirksamen Schutz und ist besonders in gefährdeten Haltungsformen sinnvoll.

Mykoplasmen – unterschätzte Gefahr im Geflügelbestand

Mykoplasmen wie Mycoplasma gallisepticum (MG) und Mycoplasma synoviae (MS) sind ernstzunehmende Erreger in der Geflügelhaltung. Sie können sowohl über das Ei vom Elterntier auf das Küken als auch durch direkten Kontakt oder über die Luft (Staub) übertragen werden; viele Vogelarten sind empfänglich –Gänse sind in der Regel positiv. Obwohl die Erreger in der Umwelt nur begrenzt überleben, gestaltet sich die Therapie schwierig – Rückfälle sind häufig. MG verursacht schwere Atemwegserkrankungen mit Sinusitis und Luftsackentzündungen. Auch Leistungseinbußen bei der Eiablage sind typisch. Während MG im Nutzgeflügelbestand weitgehend beseitigt wurde, ist Rasse- und Hobbygeflügel oft noch betroffen – eine strikte Trennung der Bestände ist daher essenziell.

Fazit

Bevor Herdenschutztiere in einen Geflügelbestand integriert werden, sollte stets eine sorgfältige Risikoabwägung erfolgen. Um Gesundheitsrisiken für die Herde zu minimieren, ist eine tierärztliche Untersuchung der Schutztiere vor der Zustallung unerlässlich. Gleichzeitig sollte ein umfassender Impfschutz der Hühner sichergestellt sein – insbesondere gegen Salmonellen, Pasteurellen, Rotlauf und gegebenenfalls auch gegen Mykoplasmen. Nur so lässt sich ein stabiles Gesundheitsmanagement im Bestand aufrechterhalten.

Dies ist Teil 4 unserer siebenteiligen Herdenschutz-Serie. Hier geht’s zu Teil 1,2,3,5,6,7 

Magdalena Esterer
Bild: Adobe Stock_Bouke
Quelle: Netzwerk Fokus Tierwohl

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